Ischgl-Chats zeigen, wie das offizielle Tirol Infektionen vertuschen wollte

oe24 sollte Bericht ändern

Geheime Ischgl-Chats: 'Üben massiv Druck aus'

Das Corona-Chaos im Skiort Ischgl wird zur Politaffäre: Sichergestellte Chats zeigen, wie das offizielle Tirol Infektionen vertuschen wollte.

Ischgl/Wien. Die Aufarbeitung der politischen Reaktionen auf den Ausbruch der Corona-Seuche im Tiroler Skiort Ischgl Anfang März läuft jetzt erst so richtig an. Sebastian Reinfeldt, in Wien lebender Politikwissenschaftler, lieferte dazu auf seiner Investigativplattform semiosis.at viele wichtige Details.
 

Geheime Ischgl-Chats enthüllen brisantes

Beweis. Reinfeldt kann etwa jetzt aus den von der Polizei sichergestellten Ischgl-Chats der Chatgruppe „Corona“ der Seilbahn-Betreiber, Hoteliers, Touristiker und des Bürgermeister zitieren. Ein wichtiger Punkt darin: Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Paznaun-Ischgl belastet in dem Chat den Kommunikationschef des Landes Tirol.
 
Zitat: „Florian Kurz­thaler Kommunikationsvorstand beim Land, informierte mich eben, dass sie mit der Zeitung in Kontakt sind, massiv Druck ausüben.“
Das im Chat erwähnte Medium war oe24.at, das am 6. März exklusiv über 14 Isländer berichtet hat, die sich laut isländischer Regierung in Ischgl infiziert haben.
 

Wann Tirols Landesregierung vom Corona-Ausbruch wusste

Island. Und tatsächlich wurde knallhart Druck ausgeübt, die Berichterstattung auf oe24.at „sofort zu ändern“, der Autor dieser Zeilen sagt das auch jederzeit gerne als Zeuge aus: „Der Anruf aus der Tiroler Landesregierung war heftig. Wir sollten sofort die ,Falschberichterstattung‘ beenden – die Isländer hätten sich doch beim Rückflug aus München bei einem mitreisenden Italiener angesteckt.“
 
Was so schon aus einem einfachen logischen Grund nicht stimmen konnte. Die 14 Isländer sind nämlich in zwei verschiedenen Maschinen und somit an zwei verschiedenen Tagen zurück nach Reykjavik geflogen.
 
Das wusste die Tiroler Landessanitätsdirektion schon am 5. März, also einen Tag vor der Intervention bei oe24.at. Das Gesundheitsministerium in Wien hatte somit am 5. März ein Mail mit allen – korrekten – Infos der isländischen Regierung den Behörden in Innsbruck geschickt … (rs)


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