Kurz

Das große Interview

Kanzler Kurz: ''Maskenpflicht wird ausgeweitet''

Die Maßnahmen wirken. Jetzt bastelt die Regierung an Plänen zur Rückkehr in die Normalität. Im ÖSTERREICH-Gespräch erklärt Kanzler Kurz die nächsten Schritte.

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung der Neuerkrankungen in Österreich?

Sebastian Kurz: Die Maßnahmen, die wir gesetzt haben, sind richtig und sie wirken. Dadurch geht die Ausbreitung zurück. Wir sind zwar noch nicht übern Berg. Aber die Entwicklung ist positiv. Wenn wir weiter diszipliniert sind und durchhalten, dann können wir die Krankheit bekämpfen und auch wirtschaftlich das Comeback schaffen.

ÖSTERREICH: Wann rechnen Sie mit einem Höhepunkt der Corona-Fälle in Österreich?

Kurz: Das hängt sehr von der Disziplin ab. Meine Bitte an alle Österreicher ist, durchzuhalten. Ich weiß, dass es schwerfällt, gerade zu Ostern. Aber es ist ganz entscheidend, dass wir auch zu Ostern Abstand halten, dass es keine Familienfeiern zu Ostern gibt, dass Eltern und Großeltern nicht besucht werden.

ÖSTERREICH: Wie werden Sie denn Ostern verbringen?

Kurz: Bei mir wird es auch keine Familienfeier zu Ostern geben. Ich werde meine Eltern oder Freunde nicht treffen, denn ich will sie nicht gefährden.

ÖSTERREICH: Sie haben angekündigt, dass die Maßnahmen gelockert werden, vor allem im Handel. Wann soll das passieren?

Kurz: Wir werden Sonntagabend die Situation als Regierung noch einmal bewerten und eine Entscheidung treffen. Am Montag werden wir dann die Öffentlichkeit informieren. Die Rücknahme der Maßnahmen kann aber nur schrittweise und sehr behutsam stattfinden. Ich bin mir absolut sicher, wenn wir jetzt durchhalten, dann werden wir die Maßnahmen nach Ostern schrittweise zurücknehmen können und auch das Comeback als Wirtschaftsstandort schaffen.

ÖSTERREICH: Als Erstes werden die Maßnahmen für den Handel gelockert? Das heißt, Geschäfte können im April wieder aufsperren?

Kurz: Genau, beim Handel werden wir die Maßnahmen zuerst lockern.

ÖSTERREICH: Wie sieht es bei der Gastronomie und bei Dienstleistungsbetrieben aus?

Kurz: Je besser wir uns bis Ostern an die Maßnahmen halten, desto schneller können wir uns auch auf Treffen mit Freunden im Lokal und die Nutzung von Dienstleistungen freuen.

ÖSTERREICH: Grenzen und Flughäfen sollen vorerst geschlossen bleiben? Was heißt das für unseren Sommerurlaub?

Kurz: Wir werden schrittweise den Normalbetrieb wieder herstellen. Das Öffnen von Grenzen und Flughäfen ist auch abhängig, wie sich die Situation in den anderen Ländern entwickelt. Das langfristige Ziel ist jedenfalls ein Europa ohne Grenzen nach innen, aber auf keinen Fall voreilig.

ÖSTERREICH: Wann werden die Schulen wieder öffnen?

Kurz: Die Matura wird stattfinden. Beim gesamten Schulbetrieb arbeitet das Bildungsministerium verschiedene Modelle aus.

ÖSTERREICH: Sie haben das Ziel von 15.000 Tests pro Tag ausgegeben. Es gibt viel Kritik, dass wir noch immer viel zu wenig testen …

Kurz: Die Kapazitäten sind leider beschränkt. Aber die Zahl der Tests steigt und die 15.000 Tests, die wir vorgegeben haben, werden auch stattfinden. Darüber hinaus haben wir 1 Million Antikörpertests bestellt. Die werden ab Mitte April geliefert und verwendet.

ÖSTERREICH: Sie sprechen immer wieder von Big Data, um Corona zu bekämpfen. Soll etwa die Stopp-Corona-App verpflichtend werden?

Kurz: In Zukunft müssen wir sicherstellen, dass die Handys so etwas wie persönliche Tagebucheintragungen führen, mit welchen Menschen wir Kontakt hatten, damit, sobald eine Person sich identifiziert, alle anderen gefährdeten Personen durch eine SMS gewarnt werden können. So schaffen wir es, dass aus einem Glutnest nicht sofort ein Flächenbrand wird. Die Stopp-Corona-App des Roten Kreuzes ist eine gute Basis.

ÖSTERREICH: Wie kam es dazu, dass Sie sich dafür entschieden haben, eine Schutzmaskenpflicht in Österreich einzuführen. Anfangs waren Sie da ja skeptisch?

Kurz: Zum einen ist es eine klare Empfehlung von Ländern in Asien, die bereits erfolgreich diese Krankheit bekämpft haben. Zum anderen arbeite ich schon länger an diesem Plan. Derzeit gilt die Schutzmaskenpflicht für die Supermärkte. Sobald klar ist, dass wir genügend Masken haben, um die Österreicher damit auszurüsten, wird es eine Ausweitung geben.

Niki Fellner

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