Österreichs Wirte schlagen Alarm

Horrorszenario für die Gastronomie:

Österreichs Wirte schlagen Alarm

Wut und Protest gegen 18-Uhr-Sperrstunde und spärliche Hilfsmaßnahmen der Regierung.

Wien. Seit mittlerweile 35 Tagen sind Österreichs etwa 60.000 Gastronomie­betriebe im Shutdown, und es sollen noch mindestens weitere 35 werden, bis wieder aufgesperrt werden darf. Eine wirtschaftliche Katastrophe.
 
„Völliger Unsinn“. Nun regen sich bei allem Verständnis für die Covid-19-Maßnahmen zunehmend Wut und Protest innerhalb der österreichischen Gastronomieszene. Die Lunte entzündet sich dabei vor allem an den Bedingungen für die Wiedereröffnung. So sollen die Betriebe anfänglich nur bis 18 Uhr offen halten dürfen. „Das ist völlig sinnlos“, meint dazu der Wiener Szenegastronom Simon Xie Hong (On Market). Das Hauptgeschäft laufe am Abend – da brauche man erst gar nicht aufzusperren.
 
Pleitewelle. Eine Meinung, die laut dem Gastronomie-­Obmann der WK Wien, Peter Dobcak, von der überwiegenden Mehrheit der Gastronomen vertreten wird: „Es ist völlig unrentabel, das System hochzufahren und um 18 Uhr wieder zu schließen.“ Dobcak spricht sich dafür aus, lieber noch ein wenig zuzuwarten und dann dafür uneingeschränkt zu öffnen. Der Sprecher der Wiener Gastronomen, Stefan Ratzenberger, bezeichnet die 18-Uhr-Lösung als „wirtschaftliche Katastrophe“.
 
Kreditmisere. Mit einem YouTube-Protestvideo sorgt auch der Chef des berühmten Café Eiles in Wien, Gert Kunze, für Aufmerksamkeit. Der Gastronom beklagt die ri­giden Kreditvergaben zu ­drakonischen Bedingungen. Er selbst habe einen Kredit von 60.000 Euro aufgenommen – zu einer Verzinsung von 4 %. Dazu kommt, dass die erste Rückzahlungsrate von 5.000 Euro bereits im Mai fällig ist: Kunze: „Da haben wir noch gar nicht aufgesperrt.“ Dobcak: „Wenn die Kreditvergabe nicht besser wird, gibt es 30 % Schließungen.“
 

Wut-Kellnerin wird Hit im Internet

© screenshot (Instagram)
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Eine niederländische Kellnerin zeigt in einem ironischen Video, wie die Bedienung künftig mit 1,5-m-Mindestabstand aussehen könnte: Sie wirft die Getränke einfach auf die Tische.
 

"18-Uhr-Sperrstunde ist sinnlos"

 
Gastronomie-Obmann der WK Wien, Peter Dobcak, im ÖSTERREICH-Interview.
 
© oe24
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ÖSTERREICH: Mitte Mai sollen Gastronomen wieder öffnen dürfen, aber nur bis 18 Uhr. Was halten Sie davon?
 
Peter Dobcak: Das ist vollkommen sinnlos und unrentabel. Viele Wirte wollen dann erst gar nicht aufsperren. Das Hauptgeschäft ist am Abend. Wenn das wegfällt, rentiert es sich erst gar nicht, in der Früh das System hochzufahren.
 
ÖSTERREICH: Was schlagen Sie vor?
 
Dobcak: Lieber eine Woche länger zuwarten, die Virus-Fallzahlen analysieren und dann dafür ohne zeitliche Einschränkungen öffnen.
 
ÖSTERREICH: Wie schlecht geht es Ihrer Kenntnis nach der Gastronomiebranche nach 35 Tagen Shutdown?
 
Dobcak: Sehr schlecht. Wenn nicht mehr Kredite vergeben werden, kommt es zu einem Massensterben. Jeder dritte Betrieb ist in akuter Gefahr.


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