Impf-Wunder

Schwaz: Vom Corona-Hotspot zum Vorzeige-Bezirk

Schwaz: Vom Corona-Hotspot zum Vorzeige-Bezirk
© APA/EXPA/JOHANN GRODER
Der Tiroler Bezirk Schwaz war besonders von der Südafrika-Mutante heimgesucht. Jetzt ist er der Bezirk mit den geringsten Infektionszahlen Österreichs.
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Der Mann am Stand mit den Grillhendln ist sichtbar erleichtert. "Gott sei Dank kommt wieder mehr Kundschaft", sagt Demik Ulas, "ich hoffe, dass es so weitergeht." Auch die Geschäfte in Schwaz, der historischen Tiroler Silberstadt, freuen sich wieder über höhere Frequenz. "Seit der zweiten Impfung fühle ich mich wieder voll im Leben", sagt Ernst Eller, 66.

Zwar gelten hier im Bezirk Schwaz noch immer dieselben Maßnahmen wie im übrigen Westösterreich, die Gastronomie ist beispielweise noch immer nicht geöffnet, doch der Erfolg der Impfkampagne in der "Europäischen Modellregion" hat die Stimmung spürbar aufgehellt. Vergangene Woche wurde 46.000 Einwohnern des Bezirks die zweite Covid-Schutzimpfung verabreicht. Inklusive der bereits davor Geimpften sind jetzt bereits 80 Prozent der Bevölkerung immunisiert. Schon vor dem zweiten Stich hatte sich der durchschlagende Erfolg der Aktion gezeigt. Die Infektionen sind spektakulär zurückgegangen. Am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 61, das ist der mit Abstand niedrigste Wert aller österreichischen Bezirke. Noch vor wenigen Wochen lag er bei weit über 300. In Schwaz wütete die gefährlichere südafrikanische Virus-Variante.

"Die Leute, die ich treffe, haben wieder Hoffnung", sagt die 34-jährige Kindergarten-Pädagogin Astrid Kramer: "Hoffnung, dass wieder ein bisschen Normalität zurückkommt.""Die Menschen sind viel positiver", sieht das auch die Chemielabor-Angestellte Ruth Guggenberger, 47, so.

"Schon allein, dass sich hier so viele Menschen impfen haben lassen", zeigt, dass die Leute es satt und eingesehen haben, dass wir diese Pandemie ohne Impfung nicht besiegen werden", meint der Schwazer Harald Rabalder, 58: "Nur so können wir halbwegs zur Normalität zurückkehren und Gastronomie und Hotels aufsperren."

Ausschlaggebend für die hohe Beteiligung war sicher auch, dass die EU das Vakzin von Biontech-Pfizer zur Verfügung stellen konnte. Der mRNA-Impfstoff hat einfach ein besseres Image als etwa AstraZeneca. Die Angestellte Ruth Guggenberger hätte gezögert, sich damit impfen zu lassen. Alle berichten außerdem, dass die Impfkampagne hervorragend organisiert war.

Viele Bewohner von Schwaz wünschen sich jetzt auch, dass ihr Bezirk nicht nur eine Modellregion fürs Impfen, sondern auch eine fürs Öffnen wird. Andere zeigen sich skeptisch, was einen Alleingang betrifft.

Einen Sonderstatus für seine Stadt will Bürgermeister Hans Lintner jedenfalls nicht: "Nur im Gleichklang mit den anderen Bezirken und dem Land." (siehe Interview)

"Ich persönlich wäre schon dafür, wieder einmal einen Kaffee zu trinken oder auf einer Berghütte einkehren zu können", denkt sich Ruth Guggenberger: "Aber leider wird das nur landesweit umsetzbar sein, sonst käme eine Zweiklassen-Gesellschaft heraus." Auch der Angestellte Harald Rabalder wäre dagegen, nur in Schwaz wieder aufzusperren. "Andere Bezirke können ja nichts für ihre Situation. Wenn man die Zahlen in Tirol in den Griff bekommt, sollte das ganze Land aufsperren."

Alle Befragten zeigen jedenfalls wenig Verständnis für Impfunwillige. "Leute, nutzt die Chance und lasst euch impfen", sagt der 65-jährige Georg Binali, der hofft, bald wieder auf den Fußballplatz zu dürfen. Und auch Harald Rabalder appelliert: "Nur durch die Impfung bekommen wir unser Leben wieder zurück!"

Bürgermeister: »Gleich zwei Impf-Wunder«

ÖSTERREICH: Wie kam's zum Impf- Wunder?

HANS LINTNER: Es sind eigentlich zwei Wunder: Zum einen, weil wir von der EU 100.000 Dosen erhalten haben, weil unsere Lage wegen der dramatischen Südafrika- Mutation so angespannt war. Wohlgemerkt: Es waren zusätzliche Dosen, wir haben keinem was weggenommen. Und das zweite Wunder ist, dass 80 Prozent mitgemacht haben.

Schwaz: Vom Corona-Hotspot zum Vorzeige-Bezirk
© APA/EXPA/JOHANN GRODER

ÖSTERREICH: Wie ist die Stimmung im Bezirk?

LINTNER: Wesentlich besser, denn viele hatten Sorgen, hatten Vorerkrankungen. Die Impfung ist auch sehr harmonisch abgelaufen, alle wurden liebevoll begleitet.

ÖSTERREICH: Sind Sie jetzt für eine Öffnung?

LINTNER: Wir wollen keinen Sonderstatus. Eine Öffnung kommt nur in Gleichklang mit den anderen Bezirken und dem Land.

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