Das Huawei Mate 40 Pro im großen Test

Neuer Kamera-König

Das Huawei Mate 40 Pro im großen Test

Mit seinem neuen Flaggschiff-Smartphone erobert der Hersteller den Kamera-Thron.

Ende Oktober hat Huawei sein neues Flaggschiff-Smartphone vorgestellt. In Österreich kommt das  Mate 40 Pro  zwar „erst“ Ende 2020/Anfang 2021 in den Handel, wir konnten das Highend-Gerät in den letzten drei Wochen dennoch bereits ausgiebig testen. Wie es sich dabei geschlagen hat, lesen Sie in den folgenden Absätzen.

Design und Handhabung

Huawei verbaut beim Mate 40 Pro ein 6,76 Zoll großes Display. Da dieses über die gesamte Front reicht und an Seiten abgerundet ist, fällt das Smartphone verhältnismäßig kompakt aus. In kleinen Hosentaschen findet es aber nicht Platz. Mit 212 Gramm ist es nicht unbedingt ein Leichtgewicht.  Dafür sieht das neue Flaggschiff besonders edel aus. Dafür sorgen vor allem die Rückseite mit dem markanten Kameramodul und die extrem hochwertigen Materialien (Metallrahmen, Alu-Rückseite, etc.). Passend dazu lässt auch die Verarbeitung keine Wünsche offen. Die duale Selfie-Kamera steckt links oben in einem Display-Loch und verleiht dem Mate 40 Pro einen technoiden Touch. Das Kameramodul auf der Rückseite ist wie beim  Mate 30 Pro  kreisförmig angeordnet und steht nicht allzu weit hervor. Deshalb wackelt das Smartphone nicht, wenn es auf einer ebenen Fläche liegt und man am Display herumtippt. Den Fingerabrucksensor verbaut Huawei im Display. Die erstmalige Einrichtung dauert rund drei Minuten (gilt auch für jeden weiteren Finger). Im Test funktionierte die Entsperrung sehr schnell und stets zuverlässig. Als weitere biometrische Entsperrfunktion ist eine 3D-Gesichtserkennung an Bord, die aufgrund der Dual-Selfiecam ebenfalls äußerst gut funktioniert. Selbst bei schlechtem Licht, ist das Smartphone per Blick im Nu entsperrt. Die manuellen Tasten (Lautstärkeregler und Power-Button) sind an der rechten Seite untergebracht. An der Unterseite gibt es nur einen USB-C-Anschluss (USB 3.1) - ein Klinkenstecker ist wie bei den meisten Konkurrenten nicht an Bord. Mittlerweile haben sich viele Nutzer an den Entfall jedoch gewöhnt oder nutzen ohnehin kabellose Kopfhörer. Wichtiger dürfte den Käufern sein, dass das Mate 40 Pro wasserfest und gegen Staub geschützt (IP68-Zertifikat) ist.

Diashow: Das neue Huawei Mate 40 Pro im Test

Das neue Huawei Mate 40 Pro im Test

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    Leistung

    Bei der Performance gibt sich Huawei keine Blöße. Ein echtes Highlight stellt das 6,76 Zoll große OLED-Panel mit einer Auflösung von 2.772 x 1.344 Pixel dar. Die Darstellungsqualität lässt keine Wünsche offen. Dazu tragen der tolle Kontrast, die natürliche Farbwiedergabe, HDR10+ und die hohe Helligkeit bei. Fotos, Videos oder Texte werden gestochen scharf angezeigt und sind selbst bei Sonneneinstrahlung gut erkennbar. Bei der Bildwiederholungsrate geht Huawei einen eigenen Weg. Während Samsung den Nutzern beim  Galaxy S20 Ultra  die Wahl zwischen den herkömmlichen 60 Hz und den extrem flüssigen 120 Hz lässt, geht das Mate 40 Pro den Mittelweg. Die 90 Hz sorgen ebenfalls für eine deutlich flüssigere Anzeige beim Scrollen durch Webseiten, kommen aber nicht ganz an das 120 Hz Niveau heran. Dafür verbraucht das Display aber auch weniger Energie. Bei der Performance wird das Smartphone seinem Flaggschiff-Anspruch gerecht. Im Test haben wir keine Herausforderung gefunden, an der das Gerät gescheitert wäre. Der hauseigene Achtkernprozessor Kirin 9000, der erstmals in einem Android-Smartphone im 5-Nanometer-Verfahren hergestellt wird, sorgt in Kombination mit der Grafikeinheit (Mali-G78 MP24) und den 8 GB RAM für eine hervorragende Rechenleistung. Grafisch aufwendige Spiele, Multitasking, Downloads von großen Dateien oder das Streamen von Videos sind für das Mate 40 Pro leichte Übungen. Gleiches gilt für Befehlseingaben, die ohne jegliche Verzögerung umgesetzt werden. Den internen Speicher von 512 GB kann man mit Huaweis eigenen NM-Speicherkarten erweitern.

    Akku, Ausstattung und Sprachqualität

    Zu den weiteren Ausstattungs-Highlights zählen WLAN 6,  Bluetooth 5.2, NFC sowie die Ortungsdienste A-GPS, Glonass, Galileo und NaviC. Darüber hinaus ist beim Mate 40 Pro stets ein 5G-Modul verbaut. Derzeit gibt es in Österreich zwar nur lokal begrenzte 5G-Netze und nur sehr teure Tarife, doch für die Zukunft ist man damit gerüstet. Sollte 5G in zwei Jahren flächendeckend verfügbar und die Tarife erschwinglich sein, muss man sich nicht extra ein neues Smartphone kaufen. Zudem kann man das Gerät gebraucht zu einem höheren Preis verkaufen. Der Akku bietet eine Kapazität von 4.400 mAh und überzeugt mit einer sehr guten Ausdauer. Im durchaus ambitionierten Testalltag hielt das Smartphone im Normalzustand rund zwei Tage durch. Beim Laden treibt Huawei die Konkurrenz schon länger vor sich her. Das Mate 40 Pro bietet eine Schnellladefunktion mit beeindruckenden 65-Watt-Unterstützung. Damit ist das Smartphone in unter einer Stunde voll aufgeladen. Selbst beim kabellosen Aufladen gibt es eine Schnellladefunktion. Die umgekehrte Aufladefunktion ist mittlerweile zwar bekannt, aber immer noch sehr praktisch. Die Mate-40-Reihe kann andere Geräte (Handys, Kopfhörer, etc.), die den kabellosen Qi-Standard unterstützen, aufladen, in dem man diese auf die Rückseite legt. Selbst einem iPhone-Nutzer (ab X) kann man somit aus der Patsche helfen. An der Gesprächsqualität gibt es nichts auszusetzen - Anrufer und Angerufener sind stets sehr gut und rauschfrei zu hören. In ruhiger Umgebung kann man selbst mit der integrierten Freisprechfunktion (ohne Headset) problemlos telefonieren. 

    Fotos und Videos

    Käufern von teuren Flaggschiff-Smartphones ist eine sehr gute Kamera besonders wichtig. Deshalb werden in diesem Bereich nach wie vor die härtesten Kämpfe zwischen den Herstellern ausgetragen. Denn bei Design und Performance spielen mittlerweile alle ziemlich auf einem Niveau. Aus diesem Grund hat sich Huawei bereits vor einigen Jahren mit Leica einen ausgewiesenen Foto-Profi ins Boot geholt. Beim Mate 40 Pro findet diese Kooperation eine Fortsetzung. In unserem Test hat schon das  P40 Pro  hervorragend abgeschnitten, konnte sich aber vom  Galaxy S20 Ultra nicht richtig absetzen. Beim Mate 40 Pro sieht die Sache anders aus. Dafür ist vor allem das Setup der Hauptkamera ausschlaggebend.

    Dieses sieht wie folgt aus:

    Hauptkamera

    Ultra-Vision 50 MP mit f/1.9

    Vine-Weitwinkelkamera

    20 Megapixel mit f/1.8

    Telekamera

    12 Megapixel mit f/2.4, OIS, Zoom: 5x optisch

    Tiefenkamera

    ToF-3D-Sensor (Time of Flight)

    In Kombination mit der schlauen Software ermöglicht das Mate 40 Pro eine Fotoqualität, die man vor nicht allzu langer Zeit nicht einmal hochwertigen Digitalkameras zugetraut hätte. Die automatische Scharfstellung erfolgt derart schnell, dass man davon gar nichts mitbekommt. Neben der Schärfe und dem hohen Kontrast hat uns vor allem der extreme Detailgrad beeindruckt. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen fängt die Kamera Details wie einzelne Haare, Wassertropfen oder Grashalme superscharf ein. Ein weiteres Highlight markiert der Nachtmodus. Mit diesem kann man selbst in finstere Räume reinfotografieren und erhält Ergebnisse, die schlichtweg verblüffen. Manchmal wirken die Farben dabei zwar etwas überzeichnet, dennoch ist das ganz großes Kino. Dieser Aussage wird auch die Ultra-Weitwinkel-Kamera gerecht, bei der Huawei die lichtempfindlichste Blende verbaut. Deshalb gibt es auch mit der Weitwinkelkamera selbst bei schlechten Lichtverhältnissen eine extrem gute Bildqualität. In diesem Punkt kann derzeit kein anderer Hersteller mithalten - nicht einmal das iPhone 12 Pro (Max). Zudem können die Pixel auf dem Sensor individuell angepasst werden und ermöglichen so Aufnahmen mit langer, kurzer oder normaler Belichtungszeit. Wer sich mit der Thematik näher beschäftigt, kann (fast) unzählige Einstellungen für die verschiedenen Objektive treffen. Für Normalanwender reicht es aber aus, auf die Standardeinstellungen der Quad-Kamera zurückzugreifen. Sie werden von den Ergebnissen nicht enttäuscht sein. 

    Beim P40 Pro und Galaxy S20 Ultra haben wir bereits kritisiert, dass die großen Zoom-Versprechen nicht gehalten werden können. Das Mate 40 Pro liefert zwar auch hier beeindruckende Ergebnisse – aber eben nur für ein Smartphone. Dafür hat Huawei bei den Videos noch einmal nachgelegt. 4K-Videos in 60 fps bieten eine hervorragende Qualität, was auch an der sehr guter Bildstabilisierung liegt. Neu sind einige Software-Funktionen wie HDR bei Videos. Auch der kontinuierlicher Autofokus, der bewegte Motive wie sich bewegende Haustiere ständig scharf stellt, funktioniert ziemlich gut. Zeitlupenvideos mit bis zu 128-facher Verlangsamung (3840 fps) und automatischer Auslösung bei Bewegung in einem festgelegten Bildbereich sehen wirklich bombastisch aus. Hier ist die Auflösung jedoch auf HD begrenzt. Auf 8K verzichtet Huawei ganz bewusst. Kein Wunder, dass das neue Huawei-Flaggschiff beim renommierten DxO-Mark-Ranking mit einem Gesamtscore von 136 Punkten an die Spitze gestürmt ist. Zum Vergleich: Das iPhone 12 Pro Max kommt hier "nur" auf 130 Punkte, das Galaxy S20 Ultra auf 126 Punkte.

    Frontkamera

    Wie bereits erwähnt, ist vorne eine Dual-Kamera untergebracht. Diese verfügt über ein 13 MP Hauptobjektiv und einen Tiefensensor. Letzterer sorgt dafür, dass auch bei Selfies der Bokeh-Effekt richtig gut zur Geltung kommt. Darüber hinaus gibt es einen separaten, KI-unterstützten Porträtmodus, der es in sich hat. In Kombination mit der guten Auflösung sind selbst einzelne Haarsträhnen erkennbar. Zudem wirken die Aufnahmen nicht gekünstelt. Video-Fans kommen mit der Frontkamera ebenfalls auf ihre Kosten. Denn auch sie ermöglicht die Aufnahme von 4K-Videos.

    Software (noch) ein Handicap

    Bei der Hardware ist also klotzen statt kleckern angesagt. Hier spielt das Mate 40 Pro in der absoluten Android-Oberliga. Bei der Software sieht es etwas anders aus. Doch daran hat nicht unbedingt Huawei schuld. Denn auch das neue Flaggschiff ist von den  harten US-Sanktionen  betroffen. Es läuft zwar mit - der offenen Version von - Android 10 und verfügt über die eigene, sehr übersichtliche Oberfläche EMUI, muss aber ohne Google-Dienste und -Apps (Play Store, GMail, Maps, etc.) auskommen. Huawei setzt jedoch derzeit alles daran, den eigenen Appstore, die App Gallery, so schnell wie möglich zu einer echten Alternative zu Google Play und Apples App Store zu entwickeln. Und hier hat sich in den letzten Wochen wieder einiges getan - sowohl auf internationaler wie auch nationaler Ebene. Heimische Kunden können mittlerweile sogar einige offizielle Online-Banking-Apps (Erste und Raiffeisen) nutzen. Und auch populäre Anwendungen wie oe24, ORF, A1, Magenta, 3, ÖBB, Willhaben & Co sind im eigenen Appstore zu finden. Auch der Kartendienst von TomTom funktioniert sehr gut.

    © oe24
    Auswahl heimischer Apps in der App Gallery

    Darüber hinaus bietet Huawei über seine "Petal Search" immer mehr Apps in der App Gallery an. Bei diesen gibt es aber häufig ziemliche Einschränkungen. Aufgrund der fehlenden Android-Lizenz gibt es bei einigen Anwendungen keine SafetyNet-Zertifikate. Darüber hinaus ärgert man sich immer wieder über die fehlenden Ortungsdienste. Die meisten App-Entwickler setzen hier nämlich auf Google Maps und das fehlt auf den Huawei-Smartphones. Insgesamt ist das Angebot im direkten Vergleich zu Google und Apple noch ziemlich überschaubar. Bis Huawei eine echte Alternative zu iOS und Android mit Google-Lizenz bieten kann, wird es wohl noch eine Weile dauern. Aber das Tempo, das die Chinesen hier an den Tag legen ist schon enorm. Wer im Google-Universum nicht fix verankert ist, kommt mit den neuen Huawei-Smartphones auch ohne offizieller Lizenz relativ problemlos durch den Alltag. Wer hingegen ständig Programme wie GMail, Photos, Maps  oder den Assistant nutzt, wird wohl kaum umsteigen.

    Fazit

    Mit dem Mate 40 Pro hat Huawei einmal mehr unter Beweis gestellt, dass das Unternehmen mit seinen Top-Smartphones in der absoluten Oberliga mitspielt. An der Ausstattung, der Performance, der Laufleistung und der Verarbeitungsqualität gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Hauptkamera setzt mit ihren vier Leica-Linsen sogar neue Maßstäbe. Lediglich der fehlende Klinkenanschluss, der sich mittlerweile bei fast allen Top-Smartphones durchgesetzt hat, kann als kleiner Störfaktor angeführt werden. Größtes Manko des Mate 40 Pro ist die fehlende Google-Lizenz. Wie viele Kunden sich fehlende Apps selbst suchen und installieren oder auf sie verzichten, werden die Verkaufszahlen zeigen. Der Preis von 1.199 Euro für die Version mit 8 GB RAM und 512 GB ROM ist angesichts der Performance angemessen. Um dieses Geld bekommt man beispielsweise aber auch ein iPhone 12 Pro Max oder ein Galaxy S20 Ultra, bei dem man nicht auf den Play Store, Google Maps & Co. verzichten muss. 

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