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Mit Abstand die besten Hits

Mathea, Russkaja & Co. rocken Finale des Donauinselfests 2020

Statt Gedränge gibt's heuer Tische und Bänke mit strenger Platzzuweisung. Das Areal wurde großräumig abgeriegelt.

Nur eine Bühne, Sitzplätze und eine Besucherbilanz, die schon vor dem Beginn feststeht: Das Donauinselfest befindet sich im Ausnahmezustand. Heute, Samstag, und am morgigen Sonntag findet - nach einer mehrwöchigen Konzertbustour durch die Bezirke - das Finale auf der Insel selbst statt. Erfahrenen Festbesuchern bot sich eine völlig veränderte Situation.

Das Donauinselfest ist zumindest heuer zur geschlossenen Veranstaltung mutiert. Der Unterschied fällt schon am Weg von der U-Bahn zum Ort des Geschehens auf. Von den Massen früherer Tage fehlt jede Spur. Der erste Blick auf die Insel lässt keinen Trubel, keine Bühnen oder Verkaufsstände erkennen.

© Thomas Zeidler
Donauinselfest-Chef Thomas Waldner

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Nähert man sich der großen Festwiese, ist die Szenerie zumindest nicht völlig neu - also für jene, die das inzwischen verblichene Festival "Rock in Vienna" gekannt haben. Denn man stößt auf einen großräumig abgesperrten Bereich und einen Einlass. Beim Donauinselfest, das kostenlos besucht werden kann, gab es solche Hürden bisher nie. Abgesehen von Taschenkontrollen bei den Zugängen auf die Insel kann man sich dort üblicherweise überall frei bewegen.

Hektik war aber trotz des Zugangsprozederes nicht zu spüren. Stress ist auch nicht nötig, weil es gibt fix zugewiesene Sitzplätze. Überhaupt dürfen gerade einmal jeweils 1.250 Fans an den beiden Show-Tagen mit dabei sein. Das entspricht in etwa dem normalen Andrang bei der großen Festbühne - allerdings bei den Soundchecks. Bei den abendlichen Auftritten sind dort auch 100.000 Menschen nichts Ungewöhnliches. Zu empfehlen ist der Besuch dann vor allem Personen, die Gedränge gut aushalten.

Heute mussten die wenigen Inselfestgäste hingegen Distanz wahren. Biertische und -bänke wurden in Reih und Glied postiert, die kostenlosen Plätze dafür wurden verlost. Eine Garnitur durfte dabei von einer Gewinnerin bzw. einem Gewinner sowie bis zu drei Begleitpersonen okkupiert werden. Den Abstand zu anderen Tischgesellschaften einzuhalten, gestaltete sich als nicht sehr große Herausforderung. Denn zum Auftakt am Nachmittag waren noch zahlreiche Plätze frei.

© Thomas Zeidler

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Fieberkontrollen bei Zuschauern

Sitzt man, darf der obligatorische Mund-Nasenschutz abgelegt werden, sonst ist er zu tragen, also etwa beim Weg auf die Toilette oder zu den Gastroständen. Spontane Besucher gehen leer aus, sie dürfen nicht aufs Gelände. Und da die Absperrung meist auch blickdicht ist, ist es auch schwer, von draußen einen Blick auf die Stage zu erhaschen. Wer keine Karten gewonnen hat, dem bleibt also nur die Liveübertragung. Das Programm kann mittels Web-Stream oder (zum Teil zeitversetzt) im Fernsehen bzw. Radio mitverfolgt werden.

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Live-Gigs mit einem Hauch von Normalität

Mitsingen bei "Live Is Life", Headbangen bei Russkaja oder Winken bei Granada. Beim Wiener Donauinselfest bemühten sich die Live-Acts am Samstag sichtlich, einen Hauch von Festivalnormalität zu erzeugen. Dass dies nur zum Teil gelang, war zu erwarten. Denn die knapp mehr als 1.000 Besucher konnten das Fehlen der Zehntausenden anderen Fans nicht wirklich kompensieren.

Das Line Up hätte auch einem regulären Inselfestabend voll zur Ehre gereicht. Zwar musste das Event selbst heuer abgespeckt werden, auf die Gigs von Russkaja, Kreiml & Samurai, Mathea, Opus, Granada und Parov Stelar traf dies nicht zu. Geboten wurde das volle Programm, nicht einmal auf Pyrotechnik wurde verzichtet.

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Chart-Stürmerin Mathea

Mit gewissen Traditionen musste jedoch gebrochen werden. Russkaja-Sänger Georgij Makazaria beklagte etwa: "Wir können unseren Merch nicht verkaufen." Er bat die Fans inständig, dies doch online zu erledigen.

Auch bei Kreiml & Samurai lief nicht alles glatt - zumindest unter den geänderten Rahmenbedingungen. Denn dass die Dialektrapper erfolgreich zum Mittanzen verleiten, ist üblicherweise ein gewünschter Effekt. Heute war es aufgrund der Coronavirus-Sicherheitsmaßnahmen jedoch nicht gestattet, von den zugewiesenen Sitzplätzen aufzuspringen.

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Russkaja heizten dem Publikum ein

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Roman Gregory

Als einige auf die Vorgabe vergaßen, eilte prompt ein Securitymitarbeiter herbei. Für den, der für diese Einschränkungen verantwortlich ist, hatten die Musiker übrigens die Bezeichnung "Arschlochvirus" parat.

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Granada

Dass auch beim Welthit "Live ist Life" gelegentlich auf das Tanzverbot vergessen wurde, war nur logisch. "Natürlich ist es nicht so wie immer", befand Opus-Sänger Herwig Rüdisser. "Nächstes Jahr, wer weiß, ist hoffentlich alles besser", übte er sich in Zuversicht. Es werde das letzte Jahr sein, dass man als Opus auftreten werde, verwies er auf den bereits angekündigten Abschied.

Der Opus-Frontman ersuchte zugleich die Fans, sich den 11. November zu notieren. An diesem Tag erscheint das letzte Album, das selbstbewusst mit "Opus Magnum" betitelt sein wird. Als Kostprobe daraus gab es heute unter anderem die aktuelle Single "Made My Day" zu hören.

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Auch Opus war mit dabei ...

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... und ließen es ordentlich krachen



Zum Abschluss war wohl eine Weltpremiere zu erleben: Das erste Konzert von Parov Stelar vor durchgehend sitzendem Publikum. Dass die Begeisterung für den Electrobeat-Pionier und dessen Bläser- und Vokalformation groß war, zeigte sich nicht zuletzt in dem Umstand, dass fast alle Tische besetzt blieben - was angesichts der am späteren Abend schon sehr herbstlichen Temperaturen wohl keine Selbstverständlichkeit war.
 

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Parov Stelar

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Das steht am Sonntag auf dem Plan


Am Sonntag folgt zunächst ein "Schlagergarten" unter anderem mit den Edlseern, Jazz Gitti und Petra Frey. Anschließend steht die Insel im Zeichen des Kabaretts. Angekündigt sind unter anderem Katharina Dorian, Johannes Glück, Nadjah Maleh, Thomas Stipsits, Gery Seidl, Lukas Resetarits, Andreas Vitasek und Florian Scheuba.

Das von der SPÖ initiierte Inselfest ist mit dem Großfestival in den Jahren davor also nicht zu vergleichen. Der traditionelle Junitermin wurde während des Shutdowns abgesagt. Als die Verschiebung auf den Herbst verkündet wurde, ging man noch davon aus, das Event in der üblichen Form zu veranstalten. Dies stellt sich jedoch bald als nicht durchführbar heraus.