400 Frauenmorde in nur 10 Jahren

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400 Frauenmorde in nur 10 Jahren

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Der neunte Frauenmord in nur vier Monaten soll endlich in der Politik etwas ändern.

Gipfel. Jeder Mord ist einer zu viel – aber der neunte Frauenmord am 30. April in Wien löste eine neue Politdebatte um den Gewaltschutz in Österreich aus. Am Montag fand deshalb ein Sicherheitsgipfel mit Innenminister Karl Nehammer und Frauen­ministerin Susanne Raab statt – folgende Punkte wurden beschlossen:

  • Gemeinsam wird eine ­Untersuchung aller Tötungsdelikte an Frauen in den vergangenen zehn Jahren in Auftrag gegeben. Das sind laut Ministerium fast 400 Morde! So sollen Erkenntnisse über polizeiliche Maßnahmen vor der Tat (Wegweisung), über die Täter und auch die Motive gewonnen werden.
  • Kampagne. Die bestehende Informationskampagne wird intensiviert – sie soll über häusliche Gewalt aufklären und jede Frau dar­über informieren, dass sie einen Zufluchtsort hat, wenn sie Opfer von Gewalt wurde. In jeder Polizei­inspektion soll es zukünftig eine Ansprechperson vor Ort für die betroffene Frau geben.
  • Fallkonferenzen. In allen Bundesländern soll dieses Instrument zur Prävention von Gewalt an Frauen intensiviert werden. Es wird auch ein Leitfaden für die Abwicklung der Konferenzen, in denen sich Justiz, Polizei und Einrichtungen absprechen, entwickelt.

Forderungen & Demo. Die Maßnahmen gehen den Opfereinrichtungen Frauenring, Verein Österreichischer Autonomer Frauenhäuser und Wiener Interventionsstelle noch nicht weit genug. Sie fordern 228 Millionen jährlich für den Gewaltschutz – für 3.000 zusätzliche Arbeitsstellen für bessere Betreuung.

Das Thema bewegt alle: Am Montag gab es zwei Kundgebungen in Wien.

Demozug gegen Gewalt an Frauen vor "Bierwirt"-Lokal

Montagabend trafen sich rund 700 Teilnehmer zu einer Demonstra­tion gegen Gewalt und ­Femizide im Resselpark beim Karlsplatz. Nach einigen Kundgebungen zog der Demonstrationszug weiter in die Josefstadt und protestierte lautstark vor dem Lokal des „Bierwirts“ in der Strozzigasse, das von der Polizei bewacht wurde. Danach löste sich die friedliche Demo, bei der die Covid-19-Maßnahmen eingehalten wurden, gegen 21 Uhr wieder auf.

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400 Frauenmorde in nur 10 Jahren
Das Lokal des "Bierwirtes".

Gewalt: 11.652 Betretungsverbote in nur einem Jahr

Deutliche Zahlen offenbaren eine erschütternde Situation für unsere Frauen.

Statistik. Die statistischen Fakten über Gewalt an Frauen zeigen die brutale Realität in Österreich: Allein 2020 mussten 11.652 Mal Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen werden. 2019 betreuten Interventionsstellen 19.943 Opfer von familiärer Gewalt. In Frauenhäusern wurden knapp 3.000 Frauen und Kinder aufgenommen – 90 Prozent der Gefährder waren Männer.

Jede fünfte Frau wird ab ihrem 15. Lebensjahr Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt in Österreich. Jede 7. Frau ist von Stalking betroffen. Und laut Frauenorganisationen werden jeden Monat im Schnitt drei Frauen getötet – meist kam der Täter aus dem Umfeld.

Kopfschuss-Mord: Star-Anwältin vertritt Familie gegen ›Bierwirt‹

Das sind sie ihrem Kind, ihrer Schwester Marija einfach schuldig. Eltern und Brüder der ermordeten Krankenschwester (35) aus dem Wiener Gemeindebau haben Star-Anwältin Astrid Wagner angeheuert, um sie als Privatkläger im Verfahren gegen den mutmaßlichen Mörder Albert L. (42) zu vertreten. Der sogenannte Bierwirt soll seine langjährige Geliebte am Donnerstagabend erschossen haben, nachdem sie sich von ihm trennen wollte.

© TZOe Artner
Astrid Wagner
× Astrid Wagner
Star-Anwältin Astrid Wagner.

Bislang schwieg der Verdächtige eisern, Montagvormittag sprach er auf der Krankenstation der Justizanstalt Josefstadt erstmals zwei Stunden mit seinem Verteidiger Gregor Klammer. Der will sich erst Ende der Woche äußern, sagt: „Meinem Mandanten geht es nicht so gut.“ Nun wird der „Bierwirt“ dort wegen etwaiger Suizidgefahr engmaschig überwacht.

Kampf. Die Opferfamilie hat nur einen Wunsch: Dass der Mörder von Marija seine gerechte Strafe erhält. Wagner soll dafür sorgen, dass jedes noch so kleine Ermittlungsdetail in die Anklage einfließt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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