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24 Mitglieder

Riesen Andrang zum Prozess um Bandenkrieg in Wien

Eine Massenschlägerei beim Bahnhof Meidling artete komplett aus. 

Unter großem Andrang und erhöhten Sicherheitsvorkehrungen sowie mit ersten Geständnissen hat am Donnerstag am Wiener Landesgericht ein auf fünf Tage anberaumter Prozess um einen mit Waffen ausgetragenen, ethnisch motivierten Konflikt zwischen gebürtigen Tschetschenen auf der einen und arabischstämmigen Männern auf der anderen Seite begonnen. Verfahrensgegenständlich ist eine Massenschlägerei am Bahnhof Meidling, bei der am 7. Juli 2024 fünf Personen verletzt wurden.

 Insgesamt 24 Angeklagte mit vorwiegend tschetschenischen Wurzeln im Alter zwischen 17 und 25 Jahren müssen sich wegen absichtlich schwerer Körperverletzung und schwerer gemeinschaftlicher Gewalt vor einem Schöffensenat verantworten. Am ersten Tag wurde gegen acht Beschuldigte verhandelt, die laut Anklage einen untergeordneten Tatbeitrag geleistet haben sollen, indem sie einem über die sozialen Medien verbreiteten Aufruf gefolgt waren und sich zum Bahnhof Meidling begeben hatten, wo es Gewalthandlungen gegen Syrer geben sollte.

Die acht Angeklagten im Alter zwischen 17 und 19 erschienen - im Unterschied zu jenen jungen Männern, gegen die in den kommenden Tagen separat verhandelt wird - unbewaffnet und sollen auch nicht gegen insgesamt sieben Männer vorgegangen sein, die mit Fäusten, Schlagringen, Messern und einem Hammer attackiert wurden.

Laut Anklage zu psychischem Tatbeitrag geständig

Laut Anklage leisteten sie mit ihrer bloßen Anwesenheit einen psychischen Tatbeitrag zur gemeinschaftlichen Gewalt und den Körperverletzungen. Dazu waren sie auch geständig. Von den sieben in Mitleidenschaft gezogenen Opfern war ein junger Mann schwer verletzt worden. Er erlitt einen Schädelbruch. Ein weiterer trug eine Stichverletzung nahe am Herzen davon, mit der laut einem gerichtsmedizinischen Gutachten aber keine Lebensgefahr verbunden war.

Bei den Opfern handelte es sich übrigens nicht um Syrer, sondern um Afghanen, wie der Staatsanwalt zu Beginn der Verhandlung betonte. Syrer habe die teilweise bewaffnete Horde gar nicht angetroffen, als man sich wie vereinbart am Schedifkaplatz traf und dann Richtung Philadelphiabrücke zog, um sich "an Syrern zu rächen".

"Bandenkrieg" beschäftigte 2024 Wiener Polizei

Vorangegangen war ein mehrmonatiger "Bandenkrieg" zwischen diesen ethnischen Gruppierungen, der die Wiener Polizei 2024 intensiv beschäftigte. Die Tschetschenen unterstellten den Kontrahenten Übergriffe auf Landsleute, seit dem Frühjahr 2024 war es mehrfach zu schweren Ausschreitungen mit Schwerverletzten auf beiden Seiten gekommen. Es wurden zwei Telegram-Accounts eingerichtet, die sich gegen sogenannte "505er" bzw. "515er" richteten, was sich auf Postleitzahlen in bestimmten Gebieten Syriens bezog. In den Kanälen "Aktion T5" und "Aktion T5 Chat" wurden Stimmung gegen die Syrer gemacht und Gewaltaufrufe lanciert.

Drahtzieher soll dabei Abu Bakar D. gewesen sein, ein 25-jähriger Tschetschene, der sich auf seinem Instagram-Account "stellvertreter_1" nannte und sich laut Anklage als Repräsentant der tschetschenischen Community in Wien sah. Er gilt in der Causa als Hauptangeklagter - er soll am 7. Juli 2024 eine "Konferenz" in Floridsdorf einberufen haben, auf der für denselben Abend das gewalttätige Vorgehen gegen Syrer in Meidling beschlossen wurde.

Mehrere Tranchen aus Platzgründen

Abu Bakar D. wird erst am kommenden Montag zu Wort kommen. Aus Platzgründen muss im Grauen Haus in mehreren Tranchen gegen die 24 Angeklagten verhandelt werden. Es gibt derzeit keinen Gerichtssaal, der ausreichend Platz für alle Beschuldigten und ihre Rechtsvertreter bietet.

Für sämtliche Verhandlungstage wurde vom Gericht ein Film- und Fotografierverbot im und vor dem Saal erlassen. Zudem wurden erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Eine Vielzahl an uniformierten Polizeibeamten und Kräfte vom Staats- und Verfassungsschutz waren im und vor dem Saal präsent.

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