Doppelmörderin "Esti" über ihren ersten Sex nach acht Jahren Knast

Neues Buch aus Gefängnis

Doppelmörderin "Esti" über ihren ersten Sex nach acht Jahren Knast

Schonungslos offen erzählt ein neues Buch über das Liebes­leben hinter Gittern.

OÖ/Wien. Sie ist wohl der prominenteste weibliche Häftling des Landes. Doppelmörderin Estibaliz Carranza, heute 40 Jahre alt, die zwei ihrer Männer erschossen, zerstückelt und im Keller ihres Wiener Eissalons einbetoniert hat, sitzt ihre lebenslange Haftstrafe seit Jänner 2017 im Forensikzentrum Asten (OÖ) ab, wo sie, wie die etwa 200 Mitgefangenen, als geistig abnorme Straftäterin quasi rund um die Uhr therapiert wird.

Zu ihren engsten Vertrauten gehört der Verleger und Autor Bernhard Salomon (Verlag edition a), der mit „Esti“ in den vergangenen vier Jahren mehr als 100 Gespräche geführt und daraus ein Buch gemacht hat. Zelle 14 heißt das 221-Seiten-Werk, das einen sehr intimen Einblick in den Häf‘n-Alltag und das Liebesleben der „Eislady“ hinter Gittern gewährt (siehe unten). Zelle 14 ist Carranzas Haftraum.

Estibaliz Carranza, die in wenigen Tagen von ihrem Ehemann geschieden wird, hat sich im Gefängnis neu verliebt. Er heißt Martin L., ist sieben Jahre jünger, ein Borderliner, der die Hälfte seines Lebens in Haft verbracht hat. Die beiden lernten sich im Lebensmittelmarkt des Forensikzen­trums kennen, trafen sich bei jeder Gelegenheit. Jüngst haben sie sich verlobt, beide tragen schwarze Ringe. Sie sagt: „Ich möchte Martin heiraten.“ Darauf wird sie noch warten müssen.

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Verlobt. "Esti" hat sich im Gefängnis mit Martin L. verlobt. Beide tragen schwarze Ringe.

Nicht nur weil sie erst geschieden werden muss. Sondern weil sie von ihrem Liebhaber getrennt wurde, als die Affäre hinter Gittern entdeckt wurde.

Martin L. wurde in die Justizanstalt Garsten verlegt, seine Briefe bekommt „Esti“ am Tag ihrer Entlassung.

Wann dies der Fall sein wird, ist völlig offen. Nach Spanien, wo ihr Bub lebt, will sie derzeit nicht verlegt werden. Zum einen wohl wegen der neuen Liebe.

Zum anderen sicher aber auch wegen der idealen Haftbedingungen in Österreich.  Öffentliche Aufregung darüber, dass eine Doppelmörderin in einem so lockeren Vollzug leben kann, in dem sie zumindest monatelang eine Liebschaft unterhalten kann, ist ihr gewiss.

"Esti" über ihren ersten Sex nach acht Jahren Knast

Im neuen Buch schildert die „Eislady“, wie sie mit ihrem Verlobten zusammenkam.

Das Kennenlernen im Supermarkt: „Er ist auch da. Ich zögere, als ich ihn sehe. Seine Narbenbeine stecken heute in langen Hosen. Mit seiner schlanken Gestalt überragt er alle. Er steht mit einer blauen Kappe am Kopf da und redet. Als hielte er auf einem normalen Marktplatz Hof. Er redet mit den Pflegern, als wäre er einer von ihnen.

Früher war ich anders. Interessierte mich etwas, sah ich es mir an. Wollte ich es haben, versuchte ich, es mir zu holen. Jetzt warte ich, bis ich im toten Winkel seines Blickfeldes zum Supermarkt kann. Dort sage ich meinen Namen, obwohl ich weiß, dass sie ihn kennen. Estibaliz Carranza. Ich habe etwas bestellt. Du bist Elisabeth? Höre ich in Österreich den Namen Elisabeth, bin meistens ich gemeint. Ich drehe mich um. Seine Hände sind vernarbt wie seine Beine.“

Erste Annäherungen: „Martin war auch immer da. Er war in dem Raum mit den Maschinen. Ich in dem mit den Tischen und Bänken. Ich war angespannt, sobald ich ihn sah. Er sprach mich freundlich an. Ich ertrug seinen Blick nicht. Beobachtete ihn heimlich. Sah er nicht zu mir, sah ich hin. Ertappte er mich, wurde ich rot. Das alte Spiel. Bei uns bloß in der Endlosschleife. Ich konnte es sehen. Er mag mich und würde gern mehr mit mir reden. Doch die Zeit verging. Die Zeit vergeht hier so schnell, weil alle Tage gleich sind. In der Haft wäre das ein Vorteil, ver­ginge nicht mit der Zeit dein Leben.“

Gemeinsame Treffen: „Im Klienten-Café können wir sitzen. Reden. Lesen. Nichts tun. Es ist, als spielten wir das richtige Leben nach. Zumindest für die, die einmal ein richtiges Leben hatten und sich noch daran erinnern. Das Café an der Ecke. Du bist nicht allein. Bist nicht daheim und doch ist dir alles vertraut. Seit Martin und ich uns aneinander gelehnt haben. Seit wir unsere Vereinbarung getroffen haben. Zieht mich etwas hin. Die Neugierde. Die Unruhe. Habe ich ihn gesehen, genieße ich es noch Stunden danach. Das Warten.“

Der erste Kuss: „Im gleichen Moment merke ich, dass er nicht nach Arbeit riecht. Er riecht jetzt nach Deo. Ich weiß, es ist so weit. Er gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Er gibt mir einen Kuss auf die Wange. Ich halte ihm mein Gesicht hin. Er gibt mir einen Kuss auf den Mund. Noch einen. Unsere Lippen öffnen sich. Wir sind zu hektisch für einen rich­tigen Kuss. Ich bin zu hektisch. Ich fühle mich wie unsichtbar für die anderen. Gleichzeitig ist da dieses Gefühl. Sie dürfen uns nicht erwischen. Das hast du nach acht Jahren Gefängnis in den Genen. Wir gehen still auseinander. Er in sich gesunken. Ich in mich. Wir kreisen durch die Werkstatt. Zwei Vögel, die einen Ast suchen. Stark genug, um nebeneinander darauf sitzen zu können.“

Sex: „Jetzt hat er mein ­T-Shirt hochgeschoben. Jetzt berührt er Stellen an mir, die so seit acht Jahren niemand mehr berührt hat. Jede Berührung überschwemmt mich. (…) Wir verbergen uns hinter einer offenen Schranktür. Ich, auf den Knien, berührte ihn dort, wo ihn seit vier Jahren keine fremde Hand berührt hat.“

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