Cobra-Einsatz

Drei Tote bei Amok- Lauf

Ex-Parksheriff erschoss Frau und Tochter im Schlaf.

Noch sind die Ermittlungen des Landeskriminalamtes und der Kripo in Gänserndorf im vollen Gange – doch derzeit sieht alles danach aus, als hätte Helmut B. (47) in der Nacht auf Mittwoch zu einer seiner beiden registrierten Waffen gegriffen – einer 9-mm-Pistole – und wäre danach zum Mörder und Selbstmörder geworden. Der 47-Jährige erschoss seine in ihrem Zimmer schlafende Tochter Nicole (23), danach im elterlichen Schlafzimmer seine Gattin Sonja (48) und zuletzt sich selbst. Gehört hat die Schüsse in der abgelegenen Straße mit freiem Blick auf die nur wenige Kilometer entfernte Slowakei niemand.

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Mann löscht Familie aus FOTOS

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    Schwiegermutter des Täters hatte Vorahnung
    Entdeckt wurde die Familientragödie am Arbeitsplatz von Sonja B., die bei einer Baufirma in der Wiener Straße in Marchegg beschäftigt ist. Ein Kollege in der Firma bekam im Laufe des Vormittags ein immer mulmigeres Gefühl, da er den Ehemann der Angestellten als psychotischen Kauz und Familientyrannen kannte. Und so alarmierte er zuerst die Mutter der Vermissten. Auch die bekam es sofort mit der Angst zu tun – zumal sie wusste, dass der Schwiegersohn über ein Gewehr und eine Pistole verfügte. Gemeinsam liefen sie zum Haus in der Emil-Mückgasse im Ortsteil Bahnhof.

    Opfer mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet
    Als niemand öffnete und der Verdacht, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte, förmlich in der Luft lag, riefen die beiden die Polizei – die sofort die Cobra schickte. Noch hofften alle, dass der Ex-ÖBBler und Ex-Parksheriff seine Familie „nur“ als Geiseln hielt und dass die Eliteeinheit den Täter überwältigen und die Opfer befreien würde können.

    Ort trauert mit zweiter Tochter, die überlebte
    Doch wenig später war es schreckliche Gewissheit: Im Haus gab es keine Überlebenden! Die Mutter lag in ihrem Bett im Erdgeschoß, die 23-jährige Tochter im Dachgeschoß, der Vater auf dem Boden bei seiner getöteten Ehefrau. Beide waren mit Kopfschüssen hingerichtet worden. Der ganze Ort ist geschockt – alle weinen mit der einzigen Überlebenden der Familie: Die zweite Tochter Bianca (25) lebt in Wien bei ihrem Freund.

    Familiendramen in Österreich: Eine Übersicht 1/9



    23. April 2005


    Ein Amokläufer zwingt einen Taxilenker, ihn von Wien aus nach Potzneusiedl (Bezirk Neusiedl am See) zu führen. Dort erschießt der 45-Jährige drei Frauen - seine Schwester, eine slowakische Pflegehelferin sowie eine Gemeindeangestellte. Es geht offenbar um Erbschaftsstreitigkeiten.

    Bürgermeister: ,Er war Spinner‘
    Ein mögliches Motiv für den sogenannten „Mord und Anschlussselbstmord“ ist laut Kriminalpsychologen die Verzweiflung darüber, dass man vom Partner allein gelassen oder betrogen worden ist, weil die Ehefrau sich zum Beispiel einen Geliebten gesucht hat.

    Versager wollte zuletzt eine Trafik führen
    Häufiger und in diesem Fall wahrscheinlicher ist die „psychopathische Persönlichkeitsentwicklung“ des Täters bei einem auf Scheitern angelegten Lebenslauf. Tatsächlich dürfte der Amokläufer von Marchegg – ein ÖBB-Frühpensionist, der aufgrund seiner Rückenschmerzen keinen Job mehr auf die Reihe bekam – auf voller Bandbreite gescheitert sein.

    Nicht einmal als Urlaubsaushilfe auf dem Parkplatz in Gänserndorf hielt er es länger als einen Sommer (2009) aus, zuletzt träumte der Frühpensionist davon, als körperlich Beeinträchtigter eine Trafik zu bekommen. Doch auch dieser letzte Plan scheiterte.

    Privat dürfte der Amokläufer seine Umgebung terrorisiert haben. Bürgermeister Gernot Haupt: „Dass er ein Spinner war, darüber brauchen wir nicht reden. Er hat sich immer mehr von allem und allen zurückgezogen.“

    Waffen-Gesetze zu lasch?
    Wer kriegt eine Waffe? Jeder Österreicher, der älter als 21 Jahre und unbescholten ist, kann eine Waffenbesitzkarte beantragen.

    • Welche Waffen? Kategorie B: Faustfeuerwaffen, halbautomatische Schusswaffen, Repetierflinten.
    • Psychotest? Seit 1. 7. 1997 wird ein psychologisches Gutachten verlangt (Kosten: 283 Euro) – alle fünf Jahre prüft die Behörde die „Verlässlichkeit“.

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