Hannes Kartnig: "Das große Zittern beginnt"

Interview

Hannes Kartnig: "Das große Zittern beginnt"

In erster Instanz wurde Kartnig zu 5 Jahren Haft und 6,6 Millionen Euro Strafe verurteilt.

Gleich nach Ostern schlägt für Hannes Kartnig (63) die Stunde der Wahrheit! Am Mittwoch, 23. April, entscheidet der Oberste Gerichtshof (OGH) in Wien über das Urteil gegen den ehemaligen Fußball-Zampano des Bundesligaklubs Sturm Graz. Vor mittlerweile zwei Jahren, im Februar 2012, war für den einstigen Polterer und Society-Löwen die Welt zusammengebrochen. Kartnig wurde im Zuge der Sturm-Pleite wegen Steuerhinterziehung und Betrug in erster Instanz zu fünf Jahren unbedingter Haft und 6,6 Millionen Euro Geldstrafe verdonnert.

Nun hat der OGH die Möglichkeit, das gesamte Verfahren oder auch nur Teile daraus nochmals verhandeln zu lassen, die Schuldsprüche oder Strafen zu verändern oder den Spruch der ersten Instanz zu bestätigen. Kartnig: „Ich versuche, positiv zu denken. Das Gute ist, dass im OGH die Crème de la Crème der Richter sitzt, da lässt sich keiner irreführen oder beeindrucken. Von niemandem. Die kennen das Gesetz wie die Weltmeister. Darum hoffe ich auf Gerechtigkeit.“

Abwehr
Zur Steuerhinterziehung steht der erfolgreiche Werbeunternehmer (Kartnigs Perspektiven Werbung), aber er wehrt sich gegen den Vorwurf des Betrugs. Kartnig: „Viele Menschen wissen, dass ich kein Gauner bin. Das mit den Steuern war ein Riesenfehler, aber ich habe nie betrogen.“

Im großen Interview mit ÖSTERREICH am SONNTAG beschreibt Kartnig, wie er mittlerweile zu Frank Stronach und Deutschlands Uli Hoeneß steht.
Und Hannes Kartnig gibt Einblick in seine Gefühlswelt vor dem Tag X: wie er dem OGH-Urteil entgegenzittert und wie er mit der „Diagnose Darmkrebs“ lebt.

ÖSTERREICH: Herr Kartnig, wie geht es Ihnen so kurz vor der OGH-Entscheidung?
Hannes Kartnig: Wie soll es einem gehen? Das große Zittern beginnt. Es ist so wie auf offener See. Daumen hoch oder Daumen runter! Du weißt nie, wie es ausgeht. Fix ist, dass es eine Letztentscheidung geben wird, daran kann dann keiner mehr rütteln. Aber ich bete und hoffe auf Gerechtigkeit.

ÖSTERREICH: Haben Sie vor dem Gefängnis Angst?
Kartnig: Ja, sicher. Wer hat schon Freude damit, ins Gefängnis gehen zu müssen. Kein Mensch. Ich frage mich nur, warum ich mich auf die Schwarzzahlungen eingelassen habe. Das ärgert mich noch immer am meisten. Aber das Land habe ich nicht betrogen. Den versuchten Fördermissbrauch hat es nie gegeben. Ich habe nie ein Geld gesehen. Sturm hätte damals einen Kredit aufnehmen müssen und das Land hätte die Ausfallshaftung übernehmen sollen. Dazu ist es aber nicht gekommen, weil ich nicht mehr als Bürge gegangen bin. Das Land hat selbst gesagt, dass es nie geschädigt worden ist.

ÖSTERREICH: 2012, nach dem Prozess, wurde bei Ihnen Darmkrebs diagnostiziert. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Kartnig: Zurzeit geht’s. Nur, es ist halt so: Bei Krebs kannst du nie sagen, ob er wiederkommt.

ÖSTERREICH: Gehen Sie noch auf den Fußballplatz?
Kartnig: Nein. Das ist doch kein Fußball, der bei uns gespielt wird. Nur die Salzburger beherrschen das. Ich sehe mir internationale Spiele an, da glaubst du, es ist eine andere Sportart. Schauen Sie den David Alaba an. Der Bursche ist ein Super-Kicker, der ist schnell, g’scheit, der kann was. Alaba ist einer der beliebtesten Menschen in Österreich und dann greift ihn einer wie der Andreas Mölzer an. Der ist doch nicht dicht …

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zu Ihrer alten Liebe Sturm?
Kartnig: Die haben keine guten Fußballer. Das reicht für die Landesliga, nicht für die Bundesliga. Und von der Klubspitze traut sich keiner, den Kickern die Wahrheit zu sagen. Ich habe denen noch gesagt, hör zu, wennst nicht rennst, kriegst auch kein Geld! Du musst halt die Fußballersprache sprechen. Von der heutigen Führung traut sich das keiner; die sagen, mein Gott, dann bin ich ja ein Prolet.

ÖSTERREICH: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem Trauzeugen Frank Stronach?
Kartnig: Wenig. Er ist beleidigt auf Österreich. Aber er ist selber schuld.

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zum Fall Uli Hoeneß?
Kartnig: Der war blitz­gscheit, weil er die Strafe gleich angenommen hat. Sonst wären noch andere Leute zur Rechenschaft gezogen worden. Er hat die Strafe geschluckt. Wenn mal eine Bundeskanzlerin sagt, sie habe Respekt vorm Herrn Hoeneß, weil er die Strafe angenommen hat, dann ist das gigantisch! Und der Staatsanwalt ist auch nicht in Berufung gegangen. Hoeneß hat von so vielen Leuten Geld bekommen, das waren alle keine Armen, da hat er die Übersicht verloren. Jetzt wandert er einmal ins Gefängnis und wird dann Freigänger. Er muss seine Strafe sicher nicht bei den ganz Wilden absitzen …

ÖSTERREICH: Freigänger? Lässt Sie das für Sie selbst hoffen?
Kartnig: Ich versuche, positiv zu denken. Das Gute ist, dass im OGH die Crème de la Crème der Richter sitzt, da lässt sich keiner irreführen oder beeindrucken. Von niemandem. Die kennen das Gesetz wie die Weltmeister. Darum hoffe ich auf Gerechtigkeit.

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