Kaltenbrunner über ihren Gipfel-Sturm

"Lebenstraum"

Kaltenbrunner über ihren Gipfel-Sturm

Gerlinde Kaltenbrunner sprach in Wien über ihren historischen Gipfelsieg am K2.

Auf den ersten Blick wirkt sie zart, fast zerbrechlich – Gerlinde Kaltenbrunner (40), Extrembergsteigerin. Aber als erste Frau hat sie alle Achttausender bezwungen – ohne Zusatzsauerstoff. Bergsteigerisch und medizinisch eine Weltsensation: „Ich halte dünne Höhenluft gut aus, bin körperlich topfit. Die größte Rolle spielt aber der Kopf – nur mit Begeisterung sind Siege zu schaffen.“

Am 23. August knackte sie den 8.611 Meter hohen K2, ihren Schicksalsberg. Sechs Mal musste sie zuvor am K2 kapitulieren. Stets wenige Meter vor dem Ziel. Dann der Durchbruch: „Als ich ganz oben stand“, schwärmt sie, „war das ein Geschenk, ein unglaublich schönes Gefühl.“

Ihre Stimme stockt, sie kämpft mit den Tränen. Dann ein befreiendes Lächeln: „Die Sonne hat gestrahlt, ein Wahnsinnsblick. Ein ergreifender Moment.“

15 Minuten durfte sie ganz alleine das Glück auskosten. Erst dann kamen ihre Bergkameraden nach – der Pole Dariusz Załuski und die Kasachen Maxut Zhumayev und Vassily Pivtsov.

Der Aufstieg sei schlimm gewesen, schildert sie: „Bis zur Hüfte im Schnee. Wie Waten durch Zucker ist das. 30 Meter in drei Stunden.“ Viel Energie habe das gekostet: „Acht Kilo habe ich verloren, erst drei sind wieder drauf.“

Geheimrezept gebe es keines, um diese Kraft aus dem Körper herauszuquetschen. Doch habe sie stets mehr getrunken als ihre männlichen Kollegen: „Fünf Liter Schneewasser pro Tag. Die Männer kamen bloß auf drei Liter – sie waren zu faul, ständig Schnee zu schmelzen.“

Und noch etwas unterscheide sie von ihren Bergkameraden, die auf jedes Gramm Zusatzgewicht achten: „Ich habe immer eine Zahnbürste mit, die Männer haben darauf verzichtet.“

Wovon träumt eine Bergsteigerin nach dem Sieg über alle Achttausender? „Mit dem K2-Sieg ist mein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Aber frau kann ja viele Traumziele haben …“

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