Verjährung

Keine Haft für Seisenbacher

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Peter Seisenbacher wird wohl nicht zur Verantwortung gezogen werden können.

Alles spricht gegen eine Auslieferung des gefallenen Olympia-Helden Peter Seisenbacher (57) aus Kiew nach Wien. Der zweifache Goldmedaillen-Gewinner im Judo kommt wohl in den Genuss der ukrainischen Rechtsprechung. Danach ist sexueller Missbrauch von Minderjährigen nach spätestens zehn Jahren verjährt.

Wie mehrfach berichtet, wirft die heimische Staatsanwaltschaft dem 56-Jährigen vor, während seiner Zeit als Judo-Trainer zwei Mädchen missbraucht zu haben. Das jüngste Opfer soll bei der ersten Annäherung gerade einmal neun Jahre alt gewesen sein. Der Zeitraum der schweren Übergriffe wird zwischen 1997 und 2004 angegeben. Am 19. Dezember hätte sich Seisenbacher hierfür vor dem Straflandesgericht verantworten müssen. Doch der Sport-Star, der zuletzt als Trainer des Judo-Nationalteams von Aserbaidschan gearbeitet hatte, tauchte unter.

Vergewaltigungsvorwurf wurde fallen gelassen

Monate blieb er wie vom Erdboden verschluckt. Seine Flucht führte ihn über Georgien nach Kiew, wo ihn ein Spezialeinsatzkommando der ukrainischen Polizei schließlich in seiner Wohnung festnahm. Zunächst wurde eine 40-tägige Auslieferungshaft über den Olympiahelden verhängt. Doch der erste Paukenschlag folgte, als er überraschend vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Schon da erklärte die zuständige Staatsanwältin, dass möglicherweise Verjährung eingetreten sei. Danach sieht es zwischenzeitlich noch stärker aus. Denn: Der ursprünglich in der Ukraine erhobene Vorwurf der Vergewaltigung wurde fallen gelassen. Hier wäre eine Verjährung erst nach 15 Jahren erfolgt. Doch eine Vergewaltigung wird Seisenbacher auch in Österreich nicht vorgeworfen. Die heimische Justiz versucht dennoch, an den Olympiahelden heranzukommen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Der tiefe Fall eines Sport-Superstars

Peter Seisenbacher hat in seinem Sport geschafft, was niemals zuvor jemandem gelungen war. Bei zwei Olympischen Spielen in Folge holte er Gold und verteidigte damit seinen Titel. Der gebürtige Wiener gilt als erfolgreichster Sommer-Athlet bei Olympischen Spielen. Nach seinen Siegen in Los Angeles (1984) und Seoul (1988) wurde er Funktionär und Trainer. Mit den Teams von Aserbaidschan und Georgien gewann er ebenfalls Judo-Medaillen. Im Juni 2014 tauchte der Verdacht des sexuellen Missbrauchs gegen ihn auf. Seisenbacher hat sich bis heute dazu nicht geäußert.

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