Affären

Plötzlich Professor: So bekam Mahrer seinen Titel

Ex-Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer bekam im Jahr vor seinem Rücktritt den Berufstitel "Professor" verliehen. Dass zwei Parteifreunde mithalfen, ist sicher, die inhaltliche Begründung ist - geheim.

In manchen Kreisen gilt es als Alterserscheinung: Als Alternative zum eher mühsamen Weg zu einer Professur mittels Verfassung einer Habilitation kann Über-50-Jährigen er Titel auch quasi in den Schoß fallen - mittels Verleihung durch den Bundespräsidenten. Ausgerechnet der habilitierte Professor Alexander Van der Bellen verlieh den Professoren-Titel 2025 laut Standard an Harald Mahrer - wenige Monate, bevor der ÖVP-Politiker wegen Gagenerhöhungen usw. mehr oder weniger nachdrücklich zum Rücktritt bewegt wurde.

Nachdem einiges an der Verleihung geheimnisvoll erschien, bringt jetzt Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner in einer Anfragebeantwortung zumindest etwas Licht in die Sache.

Eines gleich vorweg: Es waren zwei Parteifreunde, die das Unternehmen durchzogen: Laut Holzleitner kam die "Anregung" vom 2. Nationalratspräsidenten Peter Haubner - einem engen Wirtschaftsbund-Vertrauten Mahrers. Eingefädelt - also dem Bundespräsidenten vorgeschlagen - hat die Titelverleihung dann der damalige ÖVP-Wissenschaftsminister Martin Polaschek.

Nicht "hervorragend" aber "in hohem Maße"

Das war aber auch schon alles. Auf die Frage, welche "hervorragende Leistungen" Mahrer im Bereich der Wissenschaften habe, ließ Holzleitner listig wissen "Die Richtlinien sehen das Kriterium 'hervorragend' nicht vor." Tatsächlich nennt die Ministerin dann bei Mahrer eine "Person, die das Ansehen der Kunst oder Wissenschaft in Österreich durch schöpferisches, forschendes oder lehrendes Wirken über mindestens 15 Jahre in hohem Maße gefördert habe".

Gutachter blieb geheim

Das Brisante daran: Holzleitner gibt auch in der Anfrage - wie seinerzeit dem Standard - weder den Inhalt noch den Autor jenes Gutachtens bekannt, das die Professorenverleihung begründete. Es kann also nur spekuliert werden. warum Mahrer als würdig erachtet wurde. Laut Wikipedia gehörte Mahrer etwa "in der Zeit der Bundesregierung Schüssel II (ÖVP-FPÖ-Koalition) von 2003 bis 2005 dem E-Government Board der Regierung an und absolvierte den 6. Strategischen Führungslehrgang an der Landesverteidigungsakademie. Daneben gründete er den Think Tank demokratie.morgen und 2004 das Metis Institut für ökonomische und politische Forschung, das er bis 2013 als einer der Direktoren leitete."

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