Am Dienstagvormittag hat der zweite Prozesstag am Wiener Landesgericht gegen die Eltern von Lina stattgefunden, die sich wegen versuchten Mordes an ihrem Baby verantworten müssen.
Linas Vater soll sie im April und Mai 2025 zweimal so geschüttelt haben, dass es Hirnblutungen und Serienrippenbrüche erlitt. Die Mutter muss sich wegen Beihilfe zum versuchten Mord wegen Unterlassung verantworten, weil sie ihrem Kind nicht geholfen haben soll. Beide bekannten sich weiter nicht schuldig.
Zu Beginn wurden zwei Ärztinnen als Zeuginnen befragt. Die Eltern hätten bei einem Spitalbesuch im Mai 2025 gesagt, dass sie sich große Sorgen machen würden, da der zwei Monate alte Säugling eine "besorgniserregende Episode" gehabt hätte, erzählte eine 29-jährige Kinderärztin. Als sie den Eltern aufgrund deren Schilderungen - das Baby habe geschrien, bis es die Stimme und Muskelspannung verloren habe - vorschlug, das Neugeborene im Spital zu behalten, soll der Vater "sehr aufbrausend" das Zimmer verlassen haben. Blaue Flecken oder Rippenbrüche habe sie keine gesehen.
Baby Lina - Eltern wegen Mordversuchs vor Gericht
Krankenhaus erstattete Anzeige
Zwei Tage später suchten die Eltern eine weitere Ambulanz auf, da das Kind einen Krampfanfall hatte. Dass sie kurz zuvor bereits bei einer Ärztin waren, sollen sie laut der damals behandelnden Medizinerin nicht erzählt haben. Auch sei das der erste Vorfall dieser Art, sollen sie damals gesagt haben. Bei jenem Spitalbesuch wurden dann Rippenbrüche unterschiedlichen Alters und Hirn- und Netzhautblutungen sowie eine lebensbedrohliche Schwellung des Gehirns durch Flüssigkeitsansammlung entdeckt. Das Kind wurde für eine Not-Operation ins AKH transferiert.
Auf Nachfrage sollen die Eltern damals sich nicht erklären haben können, wie es zu den Verletzungen gekommen sein könnte. Der Vater habe empört auf die Diagnose reagiert, diese sei gar nicht möglich, gab die Oberärztin bereits im Juli vergangenen Jahres zu Protokoll. Das Krankenhaus erstattete Anzeige.
Die Mutter der Ehefrau gab im Zeugenstand an, der Vater sei leichtsinnig mit dem Kind umgegangen, wie "mit einer Plastikpuppe". Sie habe allerdings nicht gesehen, dass er das Kind geschüttelt habe. Die Eltern der Ehefrau beantragten die Obsorge für das Kind.
Vater weiter in Untersuchungshaft
Der Vater, ein 35-jähriger Deutscher, befindet sich seit Mai in Untersuchungshaft. Am ersten Verhandlungstag am 16. Februar bestritt er, das Kind je geschüttelt zu haben. Er änderte mehrmals seine Darstellungen, unter anderem soll es von einem "Wickeltisch gefallen" sein. Die Mutter wollte wiederum in zwei Fällen Schütteln durch den Deutschen gesehen haben, wobei dies nicht mit voller Wucht geschehen sei. Generell bestritt die Frau aber, mitbekommen zu haben, dass der Lebensgefährte gewalttätig gegenüber dem Kind gewesen sei.
Ein psychiatrisches Gutachten empfahl, den Mann wegen einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung in einem forensischen Zentrum unterbringen zu lassen. Er soll auch gegenüber seiner Frau gewalttätig geworden sein, deswegen habe sie Angst vor ihm gehabt.