Das Land Tirol förderte das Projekt mit 200.000 Euro.
St. Johann in Tirol. Im Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol (Bezirk Kitzbühel) ist am Donnerstag der österreichweit erste von Künstlicher Intelligenz (KI) gestützte Entlassungsbrief übergeben worden und soll von nun an im Regelbetrieb verwendet werden. Die Texte würden aus vorhandenen Daten automatisch erstellt und in einer Patienten- sowie Arztversion ausgegeben, hieß es bei einer Pressekonferenz. Das Land Tirol förderte das Projekt mit 200.000 Euro, sagte Landesrat Mario Gerber (ÖVP).
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"Wir haben dieses Projekt sehr gerne unterstützt, weil es auch etwas ist, was es noch nie gegeben hat. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dieses auch wegweisend für andere Krankenhäuser sein wird - sozusagen ein Vorzeigemodell", betonte der Wirtschafts- und Digitalisierungslandesrat bei dem Medientermin in St. Johann. Es sei ihm jedenfalls wichtig, "Künstliche Intelligenz in den Medizinprozess zu integrieren".
Zwei Versionen des Briefes erstellt
"Es ist nie das Ziel, dass die KI entscheidet. Die letzte Entscheidung hat immer der Arzt oder die Pfleger", versicherte indes Verwaltungsdirektor Christoph Pfluger. Das System erstelle aus bereits vorhandenen, digitalisierten Krankenhausdaten einen Entwurf, der in zwei Varianten ausgegeben werde: eine patientenverständliche Version sowie eine fachliche Version für weiterbehandelnde Ärztinnen und Ärzte. Zudem sei eine Übersetzung in gängige Sprachen vorgesehen. Am Donnerstag wurde jedenfalls der erste KI-gestützte Entlassungsbrief offiziell ausgegeben, betonte er.
Neben der Landesförderung durch das Wirtschaftsressort seien zudem 42.000 Euro vom Tiroler Gesundheitsfonds (TGF) und 100.000 Euro vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) für das Projekt bereitgestellt worden, berichtete Pfluger. Weitere Mittel bzw. "Manpower" kämen indes vom Krankenhaus und dem Wiener Unternehmen Symptoma, das KI-Lösungen im Gesundheitswesen anbietet und den KI-gestützten Entlassungsbrief federführend entwickelt hat.
Weitere KI-Module in Planung
"Die KI muss im Haus bleiben", betonte Symptoma-CEO Jama Nateqi und verwies darauf, dass sein Unternehmen gemeinsam mit den Verantwortlichen des Krankenhauses eine eigene KI-Infrastruktur aufgebaut hat. Es würden keinesfalls externe Rechenzentren oder Cloud-Dienste genutzt. "Dokumente werden vor der Verarbeitung sogar pseudonymisiert", verwies der Experte auf einen besonders datenschützenden Ansatz.
Nateqi skizzierte weitere Entwicklungsschritte für die kommenden Jahre. Für März kündigte er etwa eine nächste Präsentation zur "KI-gestützten Ambulanz" an: Der Aufnahmeprozess solle dabei mithilfe von Tablet, lokaler Transkription und automatisch erstellter Entwürfe verbessert bzw. effizienter gemacht werden. Weitere Einsatzfelder seien etwa im Entlassungsmanagement oder bei der Codierung von Befunden angedacht.
"Bis zu 50 Prozent des Tagesablaufes für das medizinische Personal sind administrative Aufgaben", berichtete indes der Primar Peter Rainer vom Klinikalltag. Durch KI sollte die administrative Arbeit jedenfalls minimiert werden, sodass man sich besser "aufs Wesentliche" konzentrieren könne.
BKH St. Johann "im Mittelpunkt des Interesses"
Krankenhausverbandsobmann Paul Sieberer verwies indes auf die Rolle des Bezirkskrankenhauses als regionalen Versorger. Es betreue rund 80.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Bezirk, zusätzlich komme "ein hoher Anteil an Patientinnen und Patienten durch den Tourismus" hinzu. "Gerade in diesen Tagen stehen wir wieder im Mittelpunkt des Interesses", betonte Sieberer. In diesem Zusammenhang wurde auch die Mehrsprachigkeit der Dokumente als Nutzen angeführt.