Legende startet Reha

Lauda: Jetzt beginnt sein neues Leben

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In dieser Woche verließ Niki Lauda das Krankenhaus und arbeitet hart an seiner Rückkehr. 

Wien. Zum Abschied gab es von Niki Lauda für jeden seiner Behandler im Wiener AKH ein Präsent: ein Sackerl mit einer DVD des Films Rush über seine Rennfahrerkarriere und eine Packung goldener Smarties. Fast drei Monate war Lauda im AKH, dem besten Krankenhaus Österreichs.

Lebensgefahr. Ein Team führender Ärzte transplantierte ihm eine neue Lunge. Zeitweise hing sein ­Leben am seidenen Faden. „Die Situation war dramatisch, knapp am Ableben des Patienten“, sagte Arzt Walter Klepetko zu ÖSTERREICH. Doch jetzt scheint er aus dem Gröbsten heraus. „Es geht ihm sehr gut, die Organe funktionieren“, so Klepetko. Nun beginnt für den 69-jährigen Lauda die wochenlange Rehabilitation. „Auch jetzt ist jeder Tag ein Kampf“, sagte sein Freund Toto Wolff, ­Motorsportchef beim F1-­Team von Mercedes, im Interview mit ÖSTERREICH (siehe unten).

Toto Wolff will seinen ­"Sparringpartner" zurück

Aufbau. „Natürlich braucht er jetzt einen intensiven körperlichen Aufbau“, so Arzt Klepetko. Wie lange die Rehabilitation dauern wird, darauf wollten sich die Ärzte nicht festlegen. Aber: „Wenn es in diesem Tempo weitergeht, bin ich zuversichtlich, dass wir ­zügig vorankommen“, sagte Klepetko. Dann „sollte er in Sachen Lebensqualität bald wieder dort sein, wo er vorher war“.

Rückkehr. Im Telefonat mit Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton sagte Lauda zu seinem Schützling, er wünsche sich, schon beim WM-Finale in Abu Dhabi wieder dabei zu sein. Ginge es nach Toto Wolff, soll Lauda eher heute als morgen wieder in den Formel-1-Zirkus einsteigen: „Ich will meinen Sparringpartner so schnell wie möglich zurück“, sagte Wolff und ist sich sicher: „Niki kommt zurück, weil es Aufgeben nicht gibt für ihn.“ Die Gefahr sei, „dass er mit der neuen Lunge noch mehr Energie hat“, scherzte Wolff.

Mercedes-Teamchef Wolff: "Nix kann Niki bremsen"

ÖSTERREICH: Wie haben Sie Laudas Entlassung aus dem Krankenhaus mitbekommen?

Toto Wolff: Ich hab mit Birgit (Laudas Ehefrau, d. Red.) telefoniert und freu mich riesig. Niki ist ein Kämpfer. Ich hab mich schon bei meinem Besuch in der Intensivstation vor ein paar ­Wochen über seinen Optimismus gefreut.

ÖSTERREICH: Da gibt es ja eine lustige Anekdote …

Wolff: Ja, ich hab zu ihm gesagt: „Du schaust eh gut aus.“ Er darauf: „Arschloch“. Typisch ­Niki. Natürlich war er noch weit weg davon, fit zu sein. Dass er jetzt mit der Reha beginnen darf, ist super. Aber auch jetzt ist jeder Tag ein neuer Kampf.

ÖSTERREICH: Wie wird die Reha für Lauda?

Wolff: Niki wird die Übungen durchziehen, mehr als alle erwarten. Weil er alles beschleunigen will. Er hat ein Ziel, und das verfolgt er, da gibt’s kein Morgen.

ÖSTERREICH: Wird es das Team Lauda-Wolff weiter geben?

Wolff: Ich hab immer gesagt, wie sehr mir Niki abgegangen ist – als Reisebegleiter und als Sparringpartner. Und ich will ihn so schnell wie möglich zurück. Er war mir als Rennfahrer ein Vorbild, und er ist es jetzt als Mensch und als Kämpfer. Er kommt zurück, weil es Aufgeben nicht gibt für ihn.

ÖSTERREICH: Wie sehr sind Sie mit Lauda verbunden?

Wolff: Nach dem Gewinn der letzten Weltmeisterschaft sind wir aus Japan zurückgeflogen, da meinte Niki in einem sentimentalen Moment: „Du weißt, ich hab keine Freunde. Aber wenn es einen Halbfreund gibt, dann bist du einer.“ Das war wie ein Ritterschlag für mich.

ÖSTERREICH: Was bedeutet seine Genesung für das Team?

Wolff: Wir wollen für ihn die Weltmeisterschaft holen. Das wäre eine wunderschöne Geschichte. Niki ist unglaublich inspirierend. Er ist immer wieder aufgestanden und hat sich neu erfunden.

ÖSTERREICH: Airline-Gründungen, Mercedes-Boss – warum tut sich Lauda das alles noch an?

Wolff: Andere hätten das nicht mehr mitgemacht, aber Niki lässt nie nach, macht, was er tut, zu 100 Prozent. Er braucht das.

ÖSTERREICH: Werden Sie ver­suchen, ihn zu bremsen?

Wolff: Nix und niemand kann Niki bremsen, nicht einmal er selbst. Die Gefahr ist, dass er mit der neuen Lunge noch mehr Energie hat.

(okk)
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