Völlig eskaliert ist der Streit zweier Clans vor dem Campus Strasshof in NÖ, wo sich die verfeindeten Familien einen Massenschlägerei lieferten. Ein Video davon, das oe24 zugespielt wurde, ging viral. Jetzt werden die Hintergründe - ein Mord in Strasshof vor zwei Jahren - bekannt.
NÖ. Die letzte Schulwoche des Jahres verläuft im Allgemeinen ruhig und friedlich. Nach Ausflügen, Sport und Spaß werden am Donnerstag die Klassen geräumt, am Freitag gibt's die Zeugnisse, danach neun Wochen Urlaub vom Klassenzimmer.
In Strasshof an der Nordbahn verliefen diese Tage ein wenig andere, als am Donnerstag zwei Kids der Volksschule (am Campusgelände ist auch eine Sonder- und die Europa-Mittelschule untergebracht) mit ihren prall gefüllten Säcken und Taschen ins Freie kamen und zwei Mütter beobachten mussten, wie ein Kind dem anderen den Weg verstellte, leicht berührte oder sonst etwas eigentlich Unbedeutendes machte.
Dazu muss man wissen, dass 2023 eine vierfache Mutter von ihrem Mann, vor dem sie zurück zu ihrer Familie geflüchtet war, auf offener Straße in Strasshof erschossen wurde. Ermin B. erhielt lebenslang. Seitdem sind die beiden Familien väterlicher- und mütterlicherseits verfeindet, und zwar so unerbittlich, dass es wegen des Hoppalas zweier Kindern zum völligen Eklat kam:
Strasshof-Bürgermeister Ludwig Deltl.
Eine Mutter aus einem Clan kam am Supermarkt-Parkplatz vis-à-vis der Schule, aus der um 11.15 Uhr Hunderte Schüler strömten, auf die Kontrahentin des anderen Clan zugeschossen. Worte fielen nicht viele. Zuerst attackierten sie sich mit ihren Autoschlüsseln, dann mit den Händen. Einen Augenblick später kamen die Männer, bis zu 15 Beteiligte prügelten mit Fäusten und einem Baseballschläger aufeinander ein, eine dreiviertel Stunde lang, wie Zeugen, die sich mit ihren weinenden Kindern in ihren Auto verstecktten, oe24 berichten. Schließlich kam zufällig eine Polizeistrafe vorbei, die dem unwürdigen Spuk ein Ende bereitete.
Bürgermeister Ludwig Deltl möchte dazu anmerken, dass der Vorfall auch deshalb für Strasshof eine Schande wäre, weil sich ursprünglich direkt neben der Schule eine Polizeiinspektion befunden hatte. Die wurde aber eingespart. Nun steht eine 12.000-Einwohner-Stadt ohne eigenen Posten da, der schneller und auch präventiv mehr ausrichten könnte. Die Kollegen aus Deutsch-Wagram konnten nur noch die endgültige Eskalation eindämmen, einen besonders aggressiven Rädelsführer mit Pfefferspray ausknocken und den Rest, der nicht ins Spital musste - sechs Beteiligte wurden insgesamt verletzt - vorbeigehend festnehmen.
Für alle unbeteiligten und zutiefst geschockten Eltern sowie Kinder, die allesamt mit der Clan-Fehde nichts am Hut, stand damit das heurige Schulende unter einem denkbar unguten Stern: Tatsächlich sollte die Zeugnisausgabe unter Polizeischutz stattfinden, wie die Campusverantwortlich ankündigten. Und: Die Begleitung ins das Schulgebäude durch Erziehungsberechtigte (auch Klassenvertreter) war ausnahmslos untersagt. Für das kommende Schuljahr hoffen alle, die in Strasshof weiter zum Unterricht müssen, dass bei der Einteilung der Klassen mehr Fingerspitzengefühl zur Anwendung kommt und zur Sicherheit gewisse Kinder an unterschiedliche Schulstandorte zugeteilt werden. Harte Konsequenzen bzw. Strafen für alle Schläger - ob Kids oder Eltern - würden auch nicht undienlich sein.