Salzburg: Geschäftsführer vor Gericht

Nach Sägewerk-Pleite

Salzburg: Geschäftsführer vor Gericht

Der 60-Jährige soll sich 1,3 Millionen Euro abgezweigt haben.

Die Millionenpleite eines Salzburger Holzunternehmens im Jahr 2008 hat heute, Freitag, zu einem strafgerichtlichen Nachspiel am Landesgericht Salzburg geführt.

Betrügerische Krida
Der damalige Geschäftsführer der GmbH wurde wegen betrügerischer Krida angeklagt. Er soll durch fingierte Abrechnungen rund 1,3 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt haben. Seiner Frau, die für das Sägewerk als Sekretärin tätig war, und der Lohnverrechnerin wurde Beitragstäterschaft vorgeworfen. Der Prozess wird voraussichtlich vertagt.

Bestritt betrügerische Absicht
Der 60-jährige Hauptbeschuldigte gestand zwar fingierte Rechnungen ein, er bestritt jedoch eine betrügerische Absicht. Bereichert habe er sich nicht, wie er betonte. Die 1,28 Mio. Euro habe er sich nicht durch fingierte Abrechnungen für Rundholzlieferungen privat angeeignet, wie Staatsanwalt Leon-Atris Karisch ihm vorgeworfen hatte, sondern er habe Mitarbeiter schwarz bezahlt, schilderte der Ex-Geschäftsführer. Auch die zwei Frauen wiesen einen Betrugsvorsatz zurück.

Konkurs im Oktober 2008
Das Sägewerk schlitterte im Oktober 2008 mit 22,6 Mio. Euro Schulden in den Konkurs. Den Gläubigerschutzverbänden zufolge waren damals 77 Dienstnehmer und 150 Gläubiger betroffen. Die hohen Verluste begründete der Erstangeklagte mit Investitionen von rund 150 Mio. Schilling (10,9 Mio. Euro) verbunden mit Sturmschäden, die Windwürfe verursacht hätten.

Das Holzunternehmen sei "furchtbar unter Druck" gestanden, betonte der 60-Jährige. Schwarzgeldzahlungen seien branchenüblich gewesen. Ein Berater habe einen Dreischicht-Betrieb vorgeschlagen, und weil die Maschinen dadurch schnell abgenützt waren, wurden Aushilfskräfte angefordert, die am Wochenende und auch zu Weihnachten Wartungsarbeiten durchführten.

Diese Mitarbeiter und auch die Ersatzteile für Reparaturen habe er schwarz bezahlt, sagte der Holzkaufmann. "Von 1998 bis 2005 müssten jährlich fast 200.000 Euro an Schwarzgeld geflossen sein", fragte der vorsitzende Richter Peter Hattinger. "Ich kann diesen Betrag weder bestreiten noch bestätigten", antwortete der Beschuldigte, gegen den auch ein Finanzstrafverfahren anhängig ist.

Der Vorwurf der betrügerischen Krida beinhaltet nicht nur vorgetäuschte Holzlieferungen, sondern auch eine 67.000 Euro hohe Provision, die der damalige Geschäftsführer laut Staatsanwalt im Jahr 2002 auf den Kaufpreis einer Maschine aufgeschlagen und dann auf ein privates Konto in den USA zugunsten seines Sohnes überwiesen hätte. Und weiters habe er von 1996 bis 2005 Firmengelder in der Höhe von 42.865 Euro für zwei private Haushälterinnen ausgegeben.

"Hat für uns Ausarbeitungen gemacht"
Dazu der Angeklagte: Die 67.000 Euro habe sein Sohn für Leistungen in Zusammenhang mit dem Ankauf der Maschine erhalten. "Er hat für uns die Ausarbeitung gemacht, was wir produzieren müssen und welche Technik wir anwenden müssen." Doch der Verkäufer der Anlage sei dann nicht mehr in der Lage gewesen, Monteure zu schicken. "Die Anlage ist auch nie ordentlich gegangen, wir hatten nur Probleme damit." Und zu den Haushälterinnen meinte er, dass eine der beiden zu 30 Prozent auch für das Holzunternehmen geputzt habe.

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