Atom-Endlager an Österreichs Grenze

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Atom-Endlager an Österreichs Grenze

Tschechien will Atommüll-Endlager nur 30 km vor Grenze.

Die Tschechen lernen nichts dazu. Trotz der Atomkatastrophe in Japan setzt Prag weiter auf den Ausbau von Nuklearenergie. Und der strahlende Atommüll der Uralt-Kraftwerke Temelin und Dukovany soll künftig nahe der österreichischen Grenze verscharrt werden. Nicht nur in Österreich, auch in Bayern regt sich deshalb scharfer Protest.

Bis 2015 will das Prager "Amt für Entsorgung von Nuklear-Abfall" entscheiden, wo die Endlager gebaut werden sollen. Ein geplanter Bauplatz liegt in Lodherov, 30 Kilometer hinter der österreichischen Grenze. Auch in Horni Plana bei Ceske Krumlov (Krumau), Geburtsstadt der Mutter des Malers Egon Schiele, könnte ein Lager errichtet werden. Weitere Endlager sollen im 50 Kilometer entfernten Budisov oder in Rohozna-Ruzena errichtet werden.

Nach dem Atom-Desaster in Japan wächst im Waldviertel die Angst vor ähnlichen Unfällen, Bürger fordern einen Planungsstopp. "Wir sind strikt gegen diese Endlager", betont Niederösterreichs Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (VP). "Wir machen Druck, informieren die Nachbarn über alternative Energieformen und fordern ihren Ausstieg aus der Kernkraft", so Pernkopf. Doch Pernkopf sind die Hände gebunden: Die Entscheidungen fallen in Prag.

Während die Tschechen weiter zündeln, macht sich in Japan die nackte Verzweiflung breit. Weil die Techniker die Lage in den Katastrophen-Reaktoren von Fukushima nicht in den Griff bekommen, sollen die verstrahlten Trümmer mit Kunstharz besprüht werden, um die Radioaktivität einzudämmen. Am Harz sollen strahlende Partikel regelrecht kleben bleiben.

Zusätzlich soll eine Plane über das AKW gezogen werden, damit der Wind die radioaktiven Teilchen nicht verbläst.
 

EU erhöht heimlich Strahlen-Grenzwerte für Nahrungsmittel

In Japan wird versucht, das Schlimmste zu verhindern. Und jetzt hat auch die EU reagiert – auf ihre Weise. Still, heimlich und leise wurde am Samstag die Durchführungsverordnung Nr. 297/2011 verabschiedet – und die hat es in sich, denn: Die EU erlaubt damit einen 20-fach höheren Grenzwert für radioaktiv belastete Lebensmittel als bisher. Importierter Fisch, Algen, Reis oder Tee dürfen jetzt also deutlich stärker belastet sein als bisher.

"Skandalös!"
Davor waren beispielsweise in Milch- und Milchprodukten 370 bzw. 600 Bequerel pro Kilo erlaubt, nun sind es 1.000 Bequerel. "Dieses Vorgehen ist völlig absurd und skandalös", ist Wolfgang Pirklhuber, Sprecher der Lebensmittelsicherheit der Grünen, empört.

Importverbot
Die EU-Kommission weist dagegen jede Kritik von sich: Man habe keine neuen Grenzwerte erlassen, sondern nur eine alte Verordnung aus dem Jahr 1987 (ein Jahr nach der Katastrophe von Tschernobyl) wieder in Kraft gesetzt. Die Organisation "Foodwatch" spricht von einem "Formulierungstrick" und fordert gar ein komplettes Importverbot für Nahrungsmittel aus Japan.

In der ZIB meldete sich auch Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) zu Wort: Er selbst habe gegen die Verordnung gestimmt. Ein gänzliches Einfuhrverbot für Produkte aus Japan sei aber europarechtlich gar nicht möglich.

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