Schild in fordert zu alberner Gangart auf

Gelächter am Zebrastreifen

Schild in fordert zu alberner Gangart auf

Silly walk bringt Verkehrsteilnehmer in Norwegen zum Lachen.

Ein Bein in die Luft gestreckt und wild mit den Armen wedelnd überquert Reidar Johannes Soby den Fußgängerübergang gegenüber der Sparkasse. Er hat nicht wirklich ein Ziel. Darauf kommt es gar nicht an. Der Zebrastreifen in dem südnorwegischen Dorf Orje dient nämlich nicht nur dazu, einen sicheren Übergang zu ermöglichen. Hier sollen die Leute was zum Lachen haben. Das ist quasi vorgeschrieben.

Komische Verrenkungen
An beiden Seiten der Fahrbahn steht ein recht ungewöhnliches Zebrastreifenschild: In Anlehnung an einen Monty-Python-Sketch macht das Männchen auf dem Schild komische Verrenkungen beim Überqueren der Straße. Und genau das machen die Fußgänger in der Gemeinde nahe der schwedischen Grenze auch - viele zumindest.

Große Beliebtheit
Seit fast zwei Jahren stehen die Schilder schon an der Hauptstraße, die durch das 3.600-Einwohner-Dorf führt, und ihre Beliebtheit ebbt nicht ab. "Wir waren uns darüber nicht im Klaren, als wir das Schild aufstellten", erzählt Bürgermeisterin Kjersti Nythe Nilsen. "Inzwischen kommen die Leute aus anderen Ortschaften, um bei uns über den Zebrastreifen zu gehen." Nun habe sogar ein Dorf in Kanada die Idee aufgegriffen und ebenfalls so ein Schild installiert.

Kunstprojekt
Die Idee stammt von einer Gruppe 14 kunstinteressierter Leute, die sich wöchentlich in einer ausgedienten Autowerkstatt treffen, um Kunst zu schaffen, zu diskutieren oder "um uns einfach nur gegenseitig zu erzählen, wie großartig wir sind", sagt Reidar Johannes Soby. Der studierte Lehrer und Künstler hat die Gruppe mit dem Namen "Kreativiteket" ins Leben gerufen und freut sich, dass inzwischen nicht nur Amateure, sondern auch professionelle Künstler dabei sind.

Monty Python
Wer den Einfall mit dem Schild hatte, weiß keiner mehr so genau. Nur dass jemand von dem Sketch der britischen Komikertruppe Monty Python erzählte, den die meisten aus ihrer Kindheit kannten. Der langbeinige John Cleese ist darin Mitarbeiter im "Ministry of silly walks" (Ministerium für alberne Gangarten) und läuft mit allerlei Verrenkungen durch die Stadt. "Das passt zu uns", dachte man in Orje.

Behörden skeptisch
Beim staatlichen Straßenbauamt allerdings war man von dieser Form von Alltagshumor gar nicht angetan. "Wir sind der Auffassung, dass solch ein Schild im öffentlichen Straßenraum nichts zu suchen hat", sagte Abteilungsleiterin Elisabeth Bechmann damals der Zeitung "Smaalenenes Avis" und forderte die Kommune auf, es zu entfernen. Doch Bürgermeisterin Nythe Nilsen weigerte sich. "Wir müssen doch ein bisschen was zulassen", meint die Dorfchefin. "Es kann doch nicht alles DIN A4 sein." Seitdem hat sie nichts mehr von der Behörde gehört.

"Ich finde, so ein unschuldiger Alltagshumor ist sehr wichtig", sagt der Künstler Soby. "Das eine ist ja, über den Zebrastreifen zu gehen und Verrenkungen zu machen. Das andere sind die Reaktionen, die man von Autofahrern bekommt, die anhalten müssen. Die kriegen eine kleine Aufmunterung. Ich glaube, das ist gesund." Mei und Ariel Due pflichten dem bei. Das ältere Ehepaar muss vor dem Zebrastreifen stoppen und lacht aus vollem Herzen, als die Parade der Verrenkungen die Straße überquert. "Ich finde das sehr lustig", sagt Tochter Nina Due Lindemark, die auf der Rückbank sitzt. Ihr Mann und ihr Sohn hätten das auch schon gemacht. Auch die vorbeispazierenden Passanten grinsen.  "Man kommt sich schon ein bisschen verrückt vor, wenn man den Silly Walk macht", räumt Reidar Johannes Soby ein. "Aber in erster Linie ist es witzig, und darauf kommt es doch an."

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