So werden wir alle bespitzelt

Telefon, Mail & Internet

So werden wir alle bespitzelt

US-Agenten lesen unsere E-Mails - Überwachen via Google & Facebook. 

Der ­US-Geheimdienst NSA hört bei allen Telefonaten aus den und in die USA mit, bespitzelt weltweit das Internet, spioniert Google- und Facebook-User aus, schaut „TV“ bei Skype. Selbst die intimsten Gespräche werden aufgezeichnet, auch bei uns in Österreich.

Aufgedeckt hat den Megaskandal Edward Snowden (29). Vier Jahre lang hat er für die NSA als Leiharbeiter in Hawaii gearbeitet. Jetzt flog er mit hochbrisanten Dokumenten nach Hongkong, packte aus.

Er wolle nicht in einem Land leben, in dem ein im Schatten operierender „Big Brother“ Bürger belausche, sagte er (siehe Interview rechts). Schockierend vor allem seine Behauptung, er könne auf jede E-Mail, jedes Telefonat zugreifen, sogar auf jene von US-Präsidenten Barack Obama.

  • Bekannt wurde, dass Handygespräche und E-Mails aller Amerikaner protokolliert werden – Nummern, Dauer, Orte und Inhalte.
  • Im Programm PRISM („Prisma“) greift die NSA direkt auf die Server der größten Internetfirmen (Apple, Google, Facebook, Yahoo, YouTube) zu. Milliarden von Überwachungseinträgen werden angefertigt und ausgewertet.

US-Spione zapfen auch 
US-Server in Europa an
In Österreich ist eine Totalüberwachung verboten, gesetzlich erlaubt ist „nur“ die Vorratsdatenspeicherung: Gewählte Telefonnummern und E-Mail-Adressen werden sechs Monate lang gespeichert, aber keine Inhalte.

Doch „via Google, Facebook und Co. haben die Amerikaner Zugriff auf alle Daten und Inhalte bei uns“, warnt Hans Zeger von der ARGE Daten in ­ÖSTERREICH: „Selbst die europäischen Server der Firmen werden angezapft. Schutz dagegen gibt es keinen.“


Edward Snowden im Interview: »Sie haben keine Ahnung, was da alles möglich ist«


Wird Edward Snowden an die USA ausgeliefert, droht ihm lebenslange Haft. In einem Interview für die britische Zeitung Guardian schilderte er, weshalb er die Affäre auffliegen ließ. Wie alle Daten der User von Facebook, Apple, Microsoft, Google, Skype oder You­Tube vom US-Geheimdienst bespitzelt werden:

Frage: Sie waren vier Jahre für den US-Geheimdienst NSA tätig. Warum gehen Sie an die Öffentlichkeit?
Edward Snowden:
Ich hatte nie die Absicht, mich zu verstecken, denn ich weiß, ich habe nichts Falsches getan. Ich will nicht mehr in einer Gesellschaft leben, in der alles, was ich mache und sage, aufgenommen und gespeichert wird.

Frage: Welche Dimension hat die Datensammlung?
Snowden:
Sie haben gar keine Ahnung, was möglich ist. Wenn ich in Ihre E-Mails oder in das Telefon Ihrer Frau hineinsehen will, kann ich Ihre Daten aufrufen. Ich kann E-Mails, Passwörter, Daten, Kreditkarteninfos bekommen.

Frage: Was erwarten Sie jetzt von den USA?
Snowden:
Nichts Gutes. Ich glaube nicht, dass ich mein Zuhause jemals wiedersehen werde.

»Politisches Asyl für Snowden in Österreich«
Grün-Politiker Peter Pilz fordert politisches Asyl für Lauschangriff-Aufdecker Edward Snowden und Bradley Manning in Österreich. Manning hat via WikiLeaks Infos über US-Tötungen im Irak ver­öffentlicht. Beiden droht lebenslange Haft. Pilz: „Sie haben mit hohem persönlichen Risiko weltweit Bürgerrechte und Informationsfreiheit verteidigt.“


Grüner Justizsprecher Steinhauser im Interview: "Je mehr Daten, desto größer die Gier"


Österreich:
Könnte eine Datenspionage wie in den USA auch in Österreich passieren?
Albert Steinhauser:
In diesem Ausmaß würde ich es nicht vermuten. Es wäre grob gesetzeswidrig. Dass aber missbräuchlich auf ­Daten zugegriffen wird, ist nicht auszuschließen. Mit der Vorratsdatenspeicherung haben wir bereits eine sehr weitgehende Überwachungsmöglichkeit.

ÖSTERREICH: Inwiefern?
Steinhauser:
Unter bestimmten Voraussetzungen kann man feststellen, wer mit wem wann telefoniert hat, wer wem wann eine E-Mail geschrieben hat, wer wann wo war. Je mehr Daten gesammelt werden, desto größer ist die Gier der Staaten, diese einsehen zu können.

Alle Telefonate & Mails gespeichert
Telefon-, E-Mail-, SMS-Daten werden in Österreich sechs Monate lang gespeichert.

Bei Verdacht einer schweren Straftat müssen diese Daten lückenlos der Justiz übergeben werden.

  • Gespeichert werden Rufnummern.
  • Beginn und Ende der Verbindung (Datum, Uhrzeit).
  • Internetprotokoll-Adressen des anrufenden und des angerufenen Anschlusses.
  • Bei E-Mail: Kennung aller elektronischen Postfächer, IP-Adressen (Absender, Empfänger), Datum, Uhrzeit etc.
  • Gleiches gilt auch bei SMS, MMS oder ähnlichen Multimedia-Nachrichten.
  • Verboten ist das Speichern von Inhalten ohne richterlichen Befehl.

Spionage via Telefon in Österreich
Beinahe jeder Österreicher, der das Internet nützt, wird vom US-Dienst belauscht.

Der Lauschangriff der Amerikaner zielt auch tief in unser Privatleben:

  • Wer Facebook (2,4 Mio. User), Google, Gmail, Google Maps, Yahoo oder den Online-Dienst von Microsoft 365 oder irgendeiner anderen US-Firma nützt, kann jederzeit vom US-Geheimdienst überwacht werden, egal, ob er sich nun mit google.at oder google.com anmeldet.
  • Bespitzelt werden auch Skype sowie sämtliche Apple-Dienste. Hans Zeger (ARGE Daten) zu ÖSTERREICH: „Die Server dieser Firmen stehen in den USA und können somit lückenlos überwacht werden.“

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