SPÖ-Parteitag

Babler muss vor Streichkonzert am Parteitag zittern

SPÖ-Chef Andreas Babler stellt sich heute den 623 Delegierten des SPÖ-Parteitags. Das wird kein Spaziergang.

Streichkonzert oder doch Solidaritätserklärung mit geballter Faust im Hosensack? Alles scheint möglich zu sein, wenn am Samstag in der Halle D der Wiener Messe beim SPÖ-Parteitag die Wahl des Parteivorsitzenden ansteht.

Die SPÖ-Zentrale versucht eine Art Aufbruchsstimmung zu vermitteln: Mit rund 1.200 Gästen sei der Publikumsansturm zum Parteitag so groß wie nie. Tatsache ist aber: Wahlberechtigt sind 623 Delegierte, sie sind es, die das Schicksal von Parteichef Andreas Babler bestimmen.

Babler mächtig unter Druck

Und der ist mächtig unter Druck. Babler konnte seine SPÖ zwar wieder in die Regierung führen, doch legte er davor mit 21,1 % das schlechteste SPÖ-Wahlergebnis aller Zeiten hin, zudem verliert die SPÖ unter ihm fast wöchentlich an Stärke, Lazarsfeld berechnete für oe24 zuletzt 18 %, eine Woche davor waren es sogar nur 16 %.

Dazu kommt ein nicht eben glückliches Auftreten als Vizekanzler. Zwar konnte Babler wichtige SPÖ-Impulse in der Regierungspolitik verankern und zuletzt sogar eine Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel durchsetzen, all das wird nicht dem Chef angerechnet. Der konnte sein Linksausleger-Image nie ablegen, dazu kommen handwerkliche Fehler wie die fehlende Einbindung der Landesparteien.

Die Folge: Babler ist de facto isoliert, nur vier von neun Landeschefs lassen sich am Samstag noch in die Parteigremien wählen. Dass Herausforderer Christian Kern gekniffen und Babler so die Rutsche für die Wiederwahl gelegt, ist am Ende nur dem Umstand zu verdanken, dass der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig dem Ex-Kanzler seine Unterstützung verweigerte. Und zwar weniger aus Liebe zu Babler, Ludwig wollte den Konflikt schlicht nicht in seine Landesgruppe hineintragen.

Angst vor dem ewigen Babler

Und so muss Babler als einziger Kandidat vor einem Streichkonzert zittern. Zwar haben sich seine Gegner damit abgefunden, mit dem Traiskirchner noch etwas weiterzuleben - ob die Disziplin ausreicht, den SPÖ-Chef über die lebenswichtige 80-%-Marke zu hieven - das ist doch sehr fraglich. Als Pamela Rendi-Wagner 2021 nur 76 % bekam, war der Anfang von ihrem Ende. Zudem werden sich viele Delegierte denken, dass die Babler mit einem guten Ergebnis nicht einbetonieren wollen - bei der nächsten Wahl soll dann wer anderer ran.

Babler ist allerdings bei Parteitagen nicht zu unterschätzen, seine Reden sind mitreißend, wenngleich auch ohrenbetäubend laut. Gut möglich, dass es ihm gelingt, doch noch einige Zweiflerinnen und Zweifler auf seine Seite zu ziehen.

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