Eis-Opa hat Intensivstation verlassen

6 Tage in Gletscherspalte

Eis-Opa hat Intensivstation verlassen

70-jähriger Bayer möchte "keine Interviews geben" und "kein Buch schreiben".

Der am Dienstag nach rund einer Woche aus einer Gletscherspalte in Tirol geborgene Urlauber aus Bayern ist Donnerstag früh bereits wieder aus der Intensivstation entlassen und auf die Normalstation verlegt worden. Dies erklärte sein behandelnder Arzt, der stellvertretende Direktor der Innsbrucker Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Volker Wenzel, bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. "Ich erwarte beim Patienten keine großen Folgeschäden", meinte Wenzel vor zahlreichen Medienvertretern.

Ein solcher Vorfall sei ihm in 15 Jahren an der Innsbrucker Klinik noch nicht untergekommen, sagte der Mediziner. Der pensionierte Handwerker aus der Oberpfalz sei "überraschend wenig verletzt". "Die Beeinträchtigung der Niere durch das Gletscherwasser, das er getrunken hat, konnte korrigiert werden. Der Patient hat noch kleine, knöcherne Verletzungen, die aber keine akute Versorgung notwendig machen", erklärte Wenzel. Der Bayer weise zudem Erfrierungen an den Füßen auf. Diesbezüglich muss laut dem Arzt die weitere Entwicklung abgewartet werden. Wann genau der Patient aus der Klinik entlassen und zur Weiterbehandlung in ein Krankenhaus in seiner Heimat überstellt wird, könne derzeit nicht gesagt werden.

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Er habe heute, Donnerstag, früh mit dem 70-Jährigen gesprochen, schilderte Wenzel. Dabei habe ihm der Mann erzählt, dass er gedacht habe: "Das wars", nachdem er in den Stubaier Alpen in rund 3.000 Metern Höhe auf einer Schneebrücke eingebrochen und rund 15 Meter abgestürzt war. Er sei sich bewusst gewesen, dass die Situation "auf Messers Schneide stand". Als einziger Essensproviant sei dem Pensionisten in den folgenden sechs Tagen und Nächten eine Tafel Schokolade zur Verfügung gestanden, die er sehr diszipliniert rationiert habe. Zudem habe er unter anderem Gletscherwasser getrunken, das von einem Eiszapfen heruntergetropft sei. Der Alpinist sei seinen Schilderungen zufolge auf einem Rucksack gesessen und habe versucht sich zu wärmen. Er habe Teile des Körpers mit einer Alufolie eingewickelt und beide Hände unter die Achsel gelegt. Zudem habe er in seine Kleidung geatmet, um sich zu wärmen.

Zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr habe der Deutsche immer nach Hilfe gerufen, weil er dachte, dass vor allem in diesem Zeitraum Bergsteiger unterwegs seien. Die Spalte sei rund zwei Meter breit und einen Meter lang gewesen, erklärte der Mediziner. Die Temperatur sei "um den Gefrierpunkt gelegen". Die Körpertemperatur des Patienten lag bei der Einlieferung bei rund 34 Grad.

"Ich glaube, es war ein glücklicher Zufall, dass der Vorfall so ausgegangen ist. Es ist Sommer, es war relativ warm. Die Kleidung war sehr gut und er hat sich beim Sturz nur leicht verletzt", sagte Wenzel. Zudem sei der Bayer "mental sehr stark" gewesen und habe es geschafft, die langen Tage in einer Art "Dämmerzustand" zu verbringen und nicht einzuschlafen.

Der 70-Jährige habe ihm mitgeteilt, dass er jetzt Ruhe brauche, erklärte Wenzel. Er wolle keine Interviews geben und auch "kein Buch schreiben", wie es in den USA in solchen Fällen üblich sei. "Er will in sein normales Leben zurück und keinen Gletscher mehr betreten", sagte der Arzt.

Nach eigenen Angaben soll der Deutsche vor rund einer Woche vom Westfalenhaus in den Stubaier Alpen gestartet sein. Er habe laut Alpinpolizei zwar keine Steigeisen gehabt, sei aber gut ausgerüstet gewesen. Der abgeseilte Alpinpolizist fand den Verunglückten auf dessen Rucksack sitzend vor. Gehört wurden die Schreie zuvor von einer dreiköpfigen deutschen Gruppe. Sie konnte den Verunglückten zwar nicht sehen, verständigte aber die Leitstelle und setzte so die Rettungskette in Gang.

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