Standort Wien

100-Mio.-Euro-EU-Wasserprojekt kommt an die Donau

Das Europäische Innovations- und Technologieinstitut hat ein neues Großvorhaben genehmigt, das einen von acht Standorten in Wien hat. Gefördert mit bis zu 700 Mio. Euro will sich das internationale Projekt „KIC Water“ Herausforderungen wie Dürren oder Überschwemmungen widmen. 

In Kooperation von Forschung, Wirtschaft und Bildung sollen Innovationen zur Lösung der drängendsten ökologischen und gesellschaftlichen Wasserprobleme Europas entwickelt werden. Das EIT unterstützt seit seiner Gründung 2008 gemeinsame Innovationsprojekte von Unternehmen und Forschungs- und Bildungseinrichtungen in Europa mit dem Ziel einer Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Dazu wurden bisher neun sogenannte Knowledge and Innovation Communities (KIC) zu Themen wie Nahrung, Rohstoffe, Klimawandel oder Gesundheit eingerichtet.

Wasser, Meere und marine Ökosysteme

In der Ausschreibung für ein neues KIC zum Thema „Wasser, Meere und marine Ökosysteme“ setzte sich das Konsortium Allwaters gegen vier konkurrierende Bietergemeinschaften durch. Es wird sich nun unter dem Titel „KIC Water“ in der 14-jährigen Projektlaufzeit „mit den Wasserproblemen Europas befassen, darunter Wasserknappheit, Dürren und Überschwemmungen, der Verschlechterung der Ökosysteme in Ozeanen, Seen und Flüssen sowie dem Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft“, erklärte Christoph Hauer vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien im Gespräch mit der APA.

Er ist gemeinsam mit Norbert Kreuzinger vom Institut für Wassergüte und Ressourcenmanagement der Technischen Universität (TU) Wien maßgeblich an dem Projekt beteiligt, das für ihn „in der Umsetzung eine nächste Stufe des österreichischen Erfolgsmodells der CD-Labore ist“. 140 Partner aus 24 Ländern kooperieren dabei gleichberechtigt, darunter Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, NGOs und Behörden.

Insgesamt acht lokale Innovationszentren

Koordiniert werden sie von acht lokalen Innovationszentren, sogenannten Co-Locations-Centres (CLC) – jenes für Zentraleuropa und den Donauraum ist in Wien und wird von Hauer interimistisch geleitet. Die Einrichtung eines CLC in Wien ist für ihn „eine internationale Anerkennung der österreichischen Wasserforschung“.

Wie notwendig die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit Europas im Wasserbereich ist, belegt der Wissenschafter anhand von Patentanmeldungen: Zwischen 2020 und 2025 wurden beim Europäischen Patentamt zum Thema Wasserversorgung 671 Patente angemeldet, davon 640 aus China, sieben aus Europa. Ähnlich die Zahlen bei Technologien zum Abwassermanagement. Und bei Wasserkraftturbinen wurden rund 25.000 Patente angemeldet, davon 19.400 aus China und aus Europa 842. „Diese Anträge müssen nicht alle in marktfähigen Produkten münden, aber sie zeigen das unterschiedliche Engagement“, so Hauer.

Potenzielle Themen

Als konkretes Beispiel von Themen, die in dem Projekt behandelt werden könnten, nennt Hauer Kleinwasserkraftanlagen. Aufgrund der bisherigen Forschung ist er sicher, dass es möglich ist, diese „so zu bauen, dass der ökologische Fußabdruck gegen Null geht“. Auch Sedimente aus Stauräumen könnten so aufbereitet werden, dass sie vollständig wiederverwertet werden, statt sie wie bisher großteils als Abfall behandeln zu müssen.

Weitere potenzielle Themen der Kooperation: Die Schifffahrt habe durch die vom Klimawandel verursachten sinkenden Pegel der großen Wasserstraßen wie Donau, Rhein oder Elbe immer mehr Stillstandstage: „Vielleicht kann man da bei den Schiffen ansetzen.“ Dezentrale Pumpspeicherkraftwerke würden für die Energieversorgung immer wichtiger, ein standardisierter Turbinentyp dafür könnte am Markt reüssieren.

Ein drängendes Problem in der Umsetzung sei die vierte Klärstufe, um Medikamentenrückstände aus dem Abwasser zu filtern. Integrierbare Technologien seien großteils vorhanden, könnten jedoch noch weiterentwickelt werden, um hier mitunter weniger kostenintensive Lösungen anzubieten.

14 Jahre Laufzeit

Für den Start der KIC im Jahr 2026 gibt es vom EIT fünf Mio. Euro. In dieser Zeit sollen die CLC aufgebaut, die Roadmaps für die Bereiche Forschung, Innovation, Unternehmensentwicklung und Bildung definiert und dann die ersten Programme ausgeschrieben werden. Für letztere stehen dann 32 Mio. (2027) und 52 Mio. Euro (2028) zur Verfügung.

In Summe investiert das EIT 500 bis 700 Mio. Euro in die Projektdauer von insgesamt 14 Jahren, wobei nach der Hälfte der Laufzeit eine finanzielle Unabhängigkeit der KIC angestrebt wird. „Dann sollen wir uns zunehmend über Patente, Beteiligungen, Kurse, Mitgliedschaften, etc. finanzieren“, sagte Hauer.

Als Ziel hat sich „KIC Water“ bis 2033 u.a. die Gründung von rund 60 Start-ups vorgenommen und es will etwa 250 Innovationen auf den Markt gebracht haben, von denen rund die Hälfte einen Umsatz von jeweils 10.000 Euro erzielt. Weiters sollen durch die Aktivitäten Umweltfolgekosten in Höhe von 1,2 Mrd. Euro vermieden werden, die aufgrund der Verschlechterung der Ökosysteme entstehen.

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