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Vorfall wird jetzt zur Polit-Affäre

Toter vor Spital: Jetzt spricht Zeugin

Auch wenn bei der internen Prüfung nichts ­herauskommen sollte, gefühlt bleibt der Vorgang ein Skandal: In einer modernen Metropole erleidet ein Pa­tient direkt vor einem Krankenhaus einen Herzstillstand, wird mit Verzögerung behandelt, abtransportiert und stirbt in einem anderen Spital.

Es geschah am vergangenen Freitag: Ein Trafikant (63) wollte im Krankenhaus Göttlicher Heiland seine Mutter besuchen, die dort auf der Intensivstation lag. Offenbar beim Aussteigen aus seinem Auto erleidet er einen Herzstillstand. Patricia T. kommt vorbei, erkennt die lebensbedrohliche Situation, läuft ins Krankenhaus zehn Meter gegenüber und bittet den Portier um Hilfe: „Rufen Sie die Rettung“, bekommt die Wienerin zur Antwort. Tatsächlich ist sie es, die um 18.55 Uhr den ­Notruf absetzt.

Mini-Defibrillator

Einen Arzt holt der Rezeptionist zunächst nicht: „Die dürfen das Haus nicht verlassen“, sagt er. Später interveniert Patricia T. erneut. Und diesmal reagieren ein Oberarzt und dessen Kollegin. Mit dem Mini-Defibrillator eines zufällig vorbeikommenden Passanten können sie den 63-Jährigen reanimieren und der Rettung übergeben. Selbst hatten die Ärzte des Krankenhauses keinen Defibrillator dabei.

Auf die Idee, den Patienten ins eigene Haus zu bringen, kam wohl niemand. Der Göttliche Heiland hat eine bekanntermaßen ausgezeichnete Herzstation.

Sanitäter brachten Mann ins Wilhelminenspital

Die Rettungssanitäter überlegten sogar, den Trafikanten ins viel weiter entferntere AKH zu bringen, entschlossen sich dann jedoch, ihn in das Wilhelminenspital zu bringen. Hier starb der 63-jährige Patient wenig später.

Die Klinikleitung in Hernals bedauert den Vorfall, untersucht, sieht aber keine Fehler. Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hat inzwischen eine Untersuchung durch die Krankenhausaufsicht (MA 40) in Auftrag gegeben.

Zeugin: "Mir schien, denen ist alles egal"

ÖSTERREICH: Sie kritisieren, dass im Spital zögerlich gehandelt wurde und Sie die Rettung alarmieren mussten.

Patricia T.: Der Portier hat mich dazu aufgefordert, die 144 anzurufen. Er sagte, man kann nichts anderes machen.

ÖSTERREICH: Das Krankenhaus sagt, der Portier habe sich dann um einen Arzt gekümmert.

Patricia T.: Den Eindruck hatte ich nicht. Er sagte, die Ärzte dürften das Haus nicht verlassen. Mir schien, als sei ihm der Rest egal. Ich frage mich, warum das wichtiger ist, als Menschenleben zu retten.

ÖSTERREICH: Sie sind dann ein zweites Mal in die Klinik. Da standen dann zwei Ärzte bereit.

PATRICIA T.: Sie berieten, ob sie zum Patienten rausdürften, entschieden sich schließlich dafür.

ÖSTERREICH: Immerhin konnten die Mediziner den Leblosen reanimieren und der Rettung übergeben.

PATRICIA T.: Ja, in dem Augenblick kam die Ehefrau dazu. Sie war zu Besuch im Spital, musste dann alles miterleben.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie sich gefühlt?

PATRICIA T.: Zurückgewiesen, nicht so, wie man es sich in einem Spital erwartet. Das Krankenhaus rechtfertigt sich, dass alles richtig war. Der Vorfall war aber nur wenige Meter entfernt. Die Ärzte hatten auch ein Mobilfunkgerät mit. Sie hätten jederzeit ins Spital zurückkönnen, wenn es dort einen Notfall gegeben hätte.

ÖSTERREICH: Sie haben Zivilcourage bewiesen.

PATRICIA T.: Ja, ich hätte nicht vorbeigehen können. Ich kann nur jeden auffordern, einzuschreiten, wenn etwas passiert.

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