Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Wiener Pratersauna Mitte Dezember geschlossen. Rechtsstreitigkeiten, Altlasten und Unsicherheit lassen offen, ob und wie es mit der Kult-Location in der Leopoldstadt weitergeht.
Mitte Dezember stellte die Pratersauna in der Wiener Leopoldstadt ihren Betrieb ein. Eine große Silvesterparty war zunächst angekündigt, wurde jedoch rund zwei Wochen davor abgesagt. Am 15. Dezember zog die Betreiberfirma Praternostra GmbH aus der Location aus. Nach dem Ponyhof ist die Pratersauna bereits der zweite namhafte Wiener Club, der innerhalb weniger Monate schließen musste.
Räumungsklage als Auslöser
Geschäftsführer Sebastian Müller-Klasz, der den Club erst Anfang 2025 übernommen hatte, spricht von einem "Drama". Grund für den Auszug sei eine anhängige Räumungsklage. Zwar sei die Miete bezahlt worden, jedoch offenbar nicht korrekt an die Eigentümer weitergeleitet worden. Ohne Planungssicherheit könne ein Club dieser Größe nicht betrieben werden. Zusätzlich führten Gerüchte über einen drohenden Konkurs dazu, dass mehrere Kollektive geliehenes Ton- und Lichtequipment wieder abholten. Ohne diese Ausstattung war ein Weiterbetrieb nicht möglich.
Sebastian Müller-Klasz
Konflikt um Eigentum
Die Immobilie gehört der Verena Thöni GmbH, verpachtet war sie an die RHC Invest GmbH, an der auch Gastronom Martin Ho beteiligt ist. Zwischen den Parteien besteht ein massiver Konflikt, der nun gerichtlich ausgetragen wird. Eine Entscheidung in nächster Instanz steht noch aus.
2010 kürte das Musikmagazin DeBug die Location zum zweitbesten Club der Welt. Garten, Pool und 70er-Jahre-Charme prägten den Ruf des Hauses. 2016 übernahm Martin Ho den Club, renovierte ihn und änderte das Konzept, was in der Szene zu Vertrauensverlust führte. Müller-Klasz wollte dieses Vertrauen wiederherstellen, setzte auf Awareness, Kollektive und einen sicheren Raum für Clubkultur. Unterstützung aus der Szene wuchs, der Höhepunkt war eine viel beachtete Party am 13. Dezember – kurz darauf folgte die Schließung.
Offizielles Statement
Der Sprecher von Martin Ho teilte gegenüber dem Portal "5min.at" schriftlich mit: "Nachdem unter dem letzten Betreiber und vor dem Hintergrund eines stark geänderten Ausgehverhaltens sowie massiver Belastungen der Nachtgastronomie kein nachhaltig tragfähiges Konzept für den langfristigen Betrieb der Pratersauna etabliert werden konnte, wird die Ricemoney Hospitality Group die Fläche künftig nicht mehr bespielen."
Weiter hieß es, der Fokus liege auf Internationalisierung sowie auf dem angrenzenden "VIE i PEE". Zu den kolportierten Mietschulden erklärte Hos Sprecher, "die Prater Nostra GmbH nur rund 15 Prozent der Mietkosten an die RHC Invest GmbH entrichtet und damit etwa maximal den Rahmen der Betriebskosten abgedeckt" zu haben.