Attacke in U3

Mordversuch in U-Bahn an Wiener Trafikant

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In 35 Sekunden halb totgeprügelt wurde ein U-Bahn-Fahrgast, nur weil sich der Wiener, ein Trafikant, darüber mokiert hatte, wie breitbeinig sein Gegenüber dasaß. Da kam es auch schon zur Gewalteskalation.

Wien. Zu der ultrabrutalen, als Mordversuch gewerteten Attacke in einer U3-Garnitur, die am Dienstag am Landesgericht für Strafsachen verhandelt wurde, war es am 4. Jänner 2023 gekommen. Da  wurde ein 63-jähriger Besitzer einer Trafik zunächst mit Faustschlägen ins Gesicht bewusstlos geschlagen, nur weil er den anderen auf dessen provokante Mansplaining-Sitzhaltung hingewiesen hatte. 

Das Opfer verlor sofort das Bewusstsein und sackte zu Boden, wo es auf dem Rücken zu liegen kam. Was daraufhin geschah, belegen Aufnahmen aus Überwachungskameras der Wiener Linien: Der 21-jährige Raphael S. stellte sich über das Opfer, ergriff mit beiden Händen die Haltestangen, zog sich in die Höhe "und stampfte dem Bewusstlosen mehrmals wuchtig auf den Kopf und das Brustbein" - "nur" 35 Sekunden lang. Die Folgen waren extrem: Gehirnerschütterung, Blackout, Bruch des Brust- und des rechten Schlüsselbeines sowie einer Rippe, Fraktur des Nasenbeins, Prellungen und Hämatome am ganzen Kopf- und Gesichtsbereich. Und nach dem Aufwachen im Spital eine monatelange Physiotherapie.

U-Bahn-Station Stephansplatz

Opfer stieg von U1 in die U 3 um.

© wikipedia
× U-Bahn-Station Stephansplatz

Drei weitere brutale Attacken

Der einschlägig vorbestrafte Angreifer aus schwierigen Familienverhältnissen wehrt sich gegen die Mordanklage mit zusätzlich angedrohter Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum mit folgenden Worten: "Ich hatte nicht vor, dass jemand stirbt. Ich habe Prinzipien." Er sei damals unter Drogeneinfluss gestanden und dachte, jemand wolle mit ihm kämpfen. "Da habe ich reagiert".

Was passiert sei, täte ihm "furchtbar leid." Er sei kein gewalttätiger Mensch. Dem widerspricht der Richter selbst: "Sie hatten bei mir schon eine Verhandlung wegen Gewalttaten. Zwei Vorstrafen haben Sie auch." Außerdem wurden in der Anklage drei weitere Gewaltausbrüche mitumfasst: Raphael S. verprügelte in der Silvesterwoche einen Mann, der seiner Freundin nachgeschaut hatte. Einem anderen verpasste er einen Fausthieb, weil der ihm keine Zigarette abgab. Das letzte Opfer, der Chef einer Ex-Freundin, hatte sich in sein Privatleben eingemischt - und verweigerte eine Aussprache mit ihm.

Urteil demnächst.

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