Mit der Benennung nach weiblichen Persönlichkeiten setzt Aspern Seestadt erneut ein sichtbares Zeichen für Gleichstellung. Acht weitere Frauen schreiben sich in den Stadtplan ein.
Wer durch die Seestadt schlendert oder gar dort lebt, weiß: Frauen wird hier eine besondere Achtung zuteil. Bis auf zwei Ausnahmen (Sonnenallee und Nelson-Mandela-Platz) tragen alle Straßen, Gassen, Alleen und Wege die Namen großer Frauenpersönlichkeiten. Wie bekanntgegeben wurde, werden in den neu entstehenden Grätzlteilen nun acht weitere Frauen mit ihren Namen vertreten sein.
Insgesamt sind in der Seestadt 64 Straßen, Plätze, Parks sowie Gebäude nach Frauen benannt. "Die Straßen und Plätze in der Seestadt sind Frauen gewidmet, deren Lebenswerk bleibende Spuren hinterlassen hat. Ob in Wissenschaft, Kultur, Politik, Sport oder gesellschaftlichem Engagement – gewürdigt werden nicht nur bekannte Persönlichkeiten. Wir bringen besonders gerne jene ins öffentliche Bewusstsein, die lange zu wenig Sichtbarkeit hatten", erklärt Ingrid Spörk, Leitung Kommunikation der Wien 3420.
Die neuen Straßen und Wege
Östlich der zukünftigen co-kreativen Meile zwischen dem Zaha-Hadid-Platz und dem Nelson-Mandela-Platz sind das die großen österreichischen Künstlerinnen Senta Wengraf und Friederike Mayröcker. Die Erfinderin Mária Telkes und die Forscherin Edith Neumann sind die neuen Namenspatroninnen im südöstlichen Gewerbequartier mit dem Schwerpunkt Produktion & Innovation. Dort haben sich bislang schon die Geothermieanlage der Wien Energie, der Technologieriese HOERBIGER oder die international erfolgreichen Biopharmazeuten von Biomay angesiedelt.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Seestadtstraße, angrenzend an den östlichen Grünzug der Seestadt, werden Sportbegeisterte in Zukunft an die Fußball-Pionierin Edith Klinger und die Schwimmerinnen Judith Deutsch und Bertha Zahourek denken, wenn sie zum Trainingscampus des ÖFB und ab 2030 zum neuen Hallenbad der Stadt Wien spazieren.
Bereits 2023 wurde Jina Mahsa Amini im Westen der Seestadt der Straßenzug zwischen Sonnenallee und Zaha-Hadid-Platz gewidmet. Die nach ihr benannte Allee steht für die Solidarität mit allen Iraner* innen, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzen.
Namensgeberinnen der neuen Straßen
- Friederike-Mayröcker-Straße: Friederike Mayröcker (1924–2021) zählt zu den bedeutendsten Stimmen der österreichischen Literatur. Sie ist unter anderem Preisträgerin des Georg-Büchner- und des Österreichischen Buchpreises.
- Senta-Wengraf-Gasse: Die Theater- und Filmschauspielerin Senta Wengraf (1924–2020) wirkte in rund 20 Filmen mit und prägte über Jahrzehnte die Bühnen und Fernsehschirme Österreichs und Deutschlands.
- Judith-Deutsch-Weg: Die mehrfache Schwimmmeisterin Judith Deutsch-Haspel (1918-2004) war bereits mit 15 Jahren österreichische Meisterin und hielt zahlreiche nationale Rekorde. Sie wurde 1935 zur Sportlerin des Jahres gewählt und erhielt 1936 das „Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich“.
- Bertha-Zahourek-Weg: Auch Bertha Zahourek (1896–1967) war eine österreichische Pionierin des Frauenschwimmsports und eine der ersten österreichischen Olympiamedaillen-Gewinnerinnen.
- Edith-Klinger-Weg: Die gebürtige Wienerin Edith Klinger (1911-1993) gilt als Pionierin des Frauenfußballes. Sie war nicht nur aktive Spielerin, sondern auch als erste Frau durch den Österreichischen Fußballbund geprüfte Schiedsrichterin.
- Mária-Telkes-Weg: Mária Telkes (1900–1995) promovierte in Chemie und Physik. Während ihrer Tätigkeit in den USA entwarf sie unter anderem eine solarbetriebene Entsalzungsanlage, die Meerwasser trinkbar machte, und war an der Entwicklung des ersten ausschließlich mit Solarenergie beheizten Hauses beteiligt.
- Edith-Neumann-Straße: Die österreichisch-amerikanische Mikrobiologin Edith Neumann (1902–2002) galt als eine der angesehensten Wissenschaftlerinnen im medizinischen Laborbereich des 20. Jahrhunderts. Nach ihrer Flucht in die USA war sie unter anderem Medical Director des Jetti-Katz-Clinical Laboratory.
- Jina-Mahsa-Amini-Allee: Die Studentin Jina Mahsa Amini (1999-2022) wurde im Zuge ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei tödlich verletzt, weltweite Proteste gegen das Mullah-Regime und für Frauenrechte waren die Folge.
Im gesamten Wiener Straßennetz stehen aktuell 620 weibliche Namen 4.080 männlichen Namen gegenüber, was einem Anteil von 13 Prozent aller Benennungen entspricht. Seit dem Beschluss, vermehrt Frauen als Namensgeberinnen heranzuziehen, sind im Zeitraum von 2013 bis 2025 in Wien rund 220 weibliche Benennungen umgesetzt worden. Einen wesentlichen Anteil daran hält die Seestadt.