Jetzt rücken die Bautrupps an und zerlegen das dicke Rohr-Labyrinth quer durch die Innenstadt. Die kilometerlange Leitung zum Donaukanal wird nicht mehr gebraucht.
Wien bekommt ein Stück gewohnte Aussicht zurück. Jene riesige Sammelleitung, die seit 2022 das Grundwasser von der U-Bahn-Baustelle beim Rathaus wegtransportiert hat, wird ab sofort zerlegt. Die Dimensionen dieses Bau-Provisoriums waren beachtlich. Rund einen Kilometer lang schlängelte sich das Rohr mit 60 Zentimetern Durchmesser vom Rathaus über die Reichsratsstraße und die Maria-Theresien-Straße bis zum Donaukanal. Da die Leitung an Kreuzungen in einer Höhe von bis zu sieben Metern montiert war, konnten Autos und die Bims jahrelang darunter durchfahren. Diese oberirdische Lösung war technisch zwingend erforderlich, um das Grundwasser aus der riesigen Baustelle für die Linien U2 und U5 abzuleiten.
Trockene Tunnel machen Leitung überflüssig
Der Grund für den Abbau ist eine gute Nachricht für den Fortschritt der Wiener Linien. Die unterirdischen Tunnelröhren und die neuen Stationsbauwerke im Bereich Rathaus und Frankhplatz sind mittlerweile komplett wasserdicht. In den vergangenen vier Jahren haben über 100 Brunnen das Wasser aus rund 20 Metern Tiefe abgepumpt, damit die Arbeiter im Trockenen betonieren konnten. Diese gewaltigen Wassermengen wurden über die Sammelleitung direkt in den Donaukanal entsorgt. Da die Innenschalung der Tunnel nun fertig ist, hat die Leitung ihren Dienst getan.
Nachtschichten statt Verkehrschaos
Damit es auf den Straßen rund um das Rathaus nicht zu unnötigen Staus kommt, rücken die Arbeitstrupps vor allem in der Nacht an. Mit Lastwagen und entsprechendem Gerät werden die schweren Rohrsegmente nun schrittweise demontiert. Bis Mitte April soll die gesamte Strecke vollständig geräumt sein. Dann ist der freie Blick auf die Fassaden im Grätzel endlich wieder hergestellt.