Ein besorgniserregender Trend erschüttert die Bundeshauptstadt: Immer mehr Wiener Jugendliche landen mit einer Drogenüberdosis im Notarztwagen. Die Zahl der Drogennotfälle bei unter 18-Jährigen ist 2024 um fast 30 Prozent gestiegen - ein Sprung, der auch erfahrene Retter alarmiert.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache und sie erschüttern: 297 Drogeneinsätze bei Jugendlichen unter 18 Jahren im Jahr 2024. Im Jahr zuvor waren es noch 231. Eine Steigerung um satte 28,6 Prozent. Ein Anstieg, der vor allem die Wiener Berufsrettung mit Sorge erfüllt. "Es gibt eine stetige Zunahme“, erklärt Mario Krammel, Chefarzt der Berufsrettung.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Drogen. "Vor allem Opiate sind ein Thema, auch in Kombination mit Partydrogen wie Liquid Ecstasy“, warnt Krammel. Besonders alarmierend: Mischintoxikationen sind "zur oft leider traurigen Realität im Rettungsdienst" geworden. Die Gefahr ist real und sie lauert nicht nur in dunklen Gassen. Sie ist mitten unter uns.
Zwischen Schmerzmitteln und Partypillen
Nicht nur Jugendliche sind betroffen. Auch bei Erwachsenen stiegen die Einsätze von 2.224 auf 2.512, bei Personen ohne Altersangabe sogar auf 597 Fälle. Insgesamt registrierte der Wiener Rettungsdienst rund 15 Prozent mehr Überdosis-Einsätze. Besonders pikant: Medikamentenintoxikationen verzeichneten 2024 zwar nur ein moderates Plus von vier Prozent, doch die Substanzstärke nimmt zu. Und die Risiken? Offenkundig unterschätzt.
"Analysen zeigen, dass die Substanzen immer potenter werden“, so Ewald Lochner, der Drogenkoordinator der Stadt. Der Trend geht in eine brandgefährliche Richtung: stärkere Stoffe, riskanterer Konsum. "Teils fehlt es Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Risikobewusstsein“, ergänzt Lochner. Besonders beliebt unter Jugendlichen: rezeptpflichtige Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine - oft gemixt mit Alkohol oder anderen Drogen.
Was jetzt passieren muss
Die Lage ist ernst, doch sie ist nicht aussichtslos. Denn im Notfall zählt jede Sekunde. Mario Krammel appelliert eindringlich an Laien, bei Verdacht sofort Hilfe zu holen: "Ein Mitarbeiter in der Leitstelle bleibt dann am Telefon und sagt, was man individuell zu tun hat, bis die Kollegen eintreffen." Bewusstseinstrübung, Atemnot, Ohnmacht - alles Alarmsignale.
Auch die Politik reagiert. Nach dem tragischen Drogentod einer 14-Jährigen in Wien-Simmering gründete die Stadt im Frühjahr 2024 eine eigene Arbeitsgruppe zu Benzodiazepinen. Erste Ergebnisse fließen bereits in Präventionsprogramme ein.
Doch klar ist auch: Rettung und Aufklärung allein reichen nicht. Bevor noch mehr Jugendliche im Rausch verloren gehen, braucht es ein gesellschaftliches Aufwachen.