41 Millionen Euro Schaden, 1.800 geschädigte Anleger und prominente Namen auf der Anklagebank. Ab 19. Jänner startet der Großprozess gegen Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze und weitere Beschuldigte. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft will Dutzende Zeugen laden.
Am kommenden Montag beginnt im Wiener Straflandesgericht der Prozess in der Causa Wienwert. Die Vorwürfe kreisen um Vorgänge rund um die 2018 pleitegegangene Immobilienfirma Wienwert. In einer umfangreichen Anklageschrift wirft die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) dem ehemaligen Firmenchef Stefan Gruze sowie zehn weiteren Personen und drei Verbänden unter anderem schweren gewerbsmäßigen Betrug, Untreue sowie betrügerische Krida vor.
Die 14 Angeklagten müssen sich ab 19. Jänner vor einem Schöffensenat im Grauen Haus verantworten. Daneben sind bisher drei weitere Verhandlungstage anberaumt: 23., 26. und 29. Jänner. Es dürften jedoch viele weitere folgen. Allein die WKStA will mehr als 80 Zeugen befragen lassen, die Verteidiger können zusätzliche Zeugen beantragen. Die ersten vier Verhandlungstage dürften aufgrund der Zahl der Angeklagten für deren Einvernahmen und Eingangsvorträge reserviert sein.
1.800 betroffene Anleger und 41 Mio. Euro Schaden vermutet
Die WKStA hatte in dem Fall seit 2017 ermittelt, die Causa dreht sich um die Schädigung von Anlegerinnen und Anlegern. Konkret soll Gruze die Wienwert AG als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen beworben, dabei aber gleichzeitig deren Zahlungsunfähigkeit verschwiegen haben, so der Vorwurf. Außerdem legt ihm die WKStA zur Last, Investoren durch unwahre Angaben über die Verwendung der Anleihengelder getäuscht zu haben. Gruze und dessen Vorgänger sollen laut Anklage insgesamt mehr als 1.800 Anleger in einem Ausmaß von rund 41 Mio. Euro geschädigt haben.
Darüber hinaus soll Gruze das Vermögen des Unternehmens geschädigt haben, indem er etwa private Verbindlichkeiten beglich oder ungerechtfertigte Bonuszahlungen an sich selbst veranlasste. Zudem soll er Vermögensbestandteile der Gesellschaft beiseitegeschafft und damit die Befriedigung der Gläubiger vereitelt bzw. geschmälert haben.
Wiener Ex-ÖVP-Chef Mahrer sowie SPÖ-Politiker Nevrivy mitangeklagt
Neben Gruze werden sich auch dessen zwei Vorgänger Nikos Bakirzoglu und Wolfgang Sedelmayer, ein vierter Ex-Wienwert-Mitarbeiter, der Ex-Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer und dessen Ehefrau sowie der Wiener SPÖ-Kommunalpolitiker Ernst Nevrivy als Beitragstäter bzw. mutmaßliche Beteiligte vor Gericht verantworten müssen. Zu den weiteren Angeklagten zählt überdies der mittlerweile insolvente Unternehmer Klemens Hallmann. Für sämtliche Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.
Mahrer und dessen Ehefrau wird konkret Beitrag zur Untreue angekreidet. Das von Mahrers Frau geführte PR-Beratungsunternehmen soll über einen Zeitraum von sieben Monaten insgesamt 84.000 Euro von Wienwert erhalten haben, ohne dass entsprechende Gegenleistungen erbracht wurden. Mahrer, damals Landespolizei-Vizepräsident von Wien und später ÖVP-Nationalratsabgeordneter, stand zwar in keinerlei rechtlicher Beziehung zu dem Unternehmen, im Zusammenhang mit den Zahlungen von Wienwert soll er jedoch immer wieder für die PR-Agentur aufgetreten sein. Laut Anklage sollen die Zahlungen dazu gedient haben, gegebenenfalls Mahrers politische Kontakte auszunutzen.
Nevrivy soll Informationen für Fußballtickets hergegeben haben
Nevrivy soll dem Wienwert-Vorstand im Voraus den geplanten Standort für eine Remisen-Erweiterung verraten haben, worauf dieser das Grundstück erwarb und es die Wiener Linien ihm zu einem weit höheren Preis abkaufen haben müssen. Dadurch sei der Stadt Wien ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden, vermeint die WKStA. Im Gegenzug soll er von der Immobiliengesellschaft unter anderem mehrere VIP-Tickets für das Wiener Fußball-Derby sowie Spiele der Nationalmannschaft bekommen haben. Auch seien rund 36.000 Euro unsachgemäß an eine Musikgruppe aus seinem Heimatbezirk gegangen.
Hallmann wiederum legt die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen zur Last, er habe im Wissen um die wirtschaftliche Notlage der Wienwert dieser Anteile an der Kaufhaus Wiener Straße 6-8 Projektentwicklung GmbH zum Verkauf angeboten und dabei für die Wienwert AG nachteilige Vertragsbedingungen diktiert. Dadurch sei den Gläubigern ein Schaden von knapp 4 Mio. Euro entstanden.