Analyse zu Blau gegen Blau

Die FPÖ provoziert Straches Comeback

Die Partei, in der Worte wie Ehre und Treue oft (und bräunlich) in Verwendung sind, demontiert besonders brutal den Ex-Chef. Strache ist angeschlagen, tief gekränkt, aber noch immer nicht politisch tot.
"Wisst ihr: Ich hab eigentlich mit dieser ganzen Ibiza-Sache ja noch Glück gehabt. Die hätten mich auch anders beseitigen können, erinnert euch an den Jörg", sagte Heinz-Christian Strache (52) erst kürzlich zu einigen Bekannten. Die "Ibiza-Sache" hätte er - sehr zum Missfallen einiger Medien - ganz gut weggesteckt, seine Zehntausenden Fans hätten ihm die "bsoffene Gschicht" (die ziemlich nüchtern verbockt worden ist) irgendwann verziehen.
 
Mit der Busselei mit Norbert Hofer kurz vor der Wahl in der Wiener Prater-Alm sahen auch andere, dass der Ex-FPÖ-Chef wieder auf die Polit-Bühne zurückkommen könnte - und legten nach: Die Spesen-Vorwürfe schlugen gewaltig ein. 10.000 € für Kleidung, Sicherheit, Restaurants, dazu noch ein Mietkostenzuschuss von 2500 €: Der politische Anwalt "der Kleinen" lebte wie ein ganz Großer, noch dazu auf Parteikosten.

 

Wenig Selbstkritik

Er hätte ja auch "16 bis 18 Stunden pro Tag, und dazu immer am Wochenende" gearbeitet, sagt dazu Heinz-Christian Strache. Er kann noch immer nicht nachvollziehen, dass ein Familieneinkommen von knapp 28.000 € brutto im Monat für ein Politiker-Ehepaar einfach absurd ist. Dass "die anderen" noch mehr oder gleich viel kassieren, ist ebenfalls kein gutes Argument: Er, Strache, wollte doch immer "anständiger" als alle anderen Politiker sein. An der Fähigkeit zur Selbstkritik könnte Strache noch arbeiten.
 
Aber er hätte ohnedies, nach den Spesen- und anderen Vorwürfen, "die Schnauze voll" von der österreichischen Innenpolitik, sagte er in seinem engeren Umfeld. Er war sogar fast so weit, selbst zu glauben, dass ihm ein ruhiges Leben in der Privatwirtschaft besser als das Blitzlicht, die TV-Scheinwerfer und die Schlagzeilen gefallen würde.

 

"Propaganda-Atombombe" entschärft

Jetzt dürfte die neue FPÖ-Spitze mit der überraschenden Stilllegung der Heinz-Christian-Strache-Facebook-Seite die Meinung ihres Ex-Parteifreundes geändert haben: Norbert Hofer nahm Strache die letzte Chance für öffentliche Auftritte, für seine Selbstdarstellung, für seine Verteidigung. Die jetzige FPÖ-Führung musste natürlich handeln, sie entschärfte damit eine vielleicht bald gegen sie gerichtete "Propaganda-Atombombe": Mit der Facebook-Seite und den noch immer 790.000 Fans hätte Heinz-Christian Strache ein politisches Comeback massiv beschleunigen können.
 

Geld und Team für ein Comeback

Diese Rückkehr Straches in die Politik ist nach der knallharten Kriegserklärung nun ziemlich sicher. Er wird dafür ausreichend Geld von Unterstützern erhalten, die von der neuen "Kuschel-FPÖ" unter Hofer und den Intrigen anderer tief enttäuscht sind. Auch, dass Strache zu wenig Personal für seine neue Liste finden wird, glaubt kein Politik-Experte: In einer Fraktion, in der die dort oft zitierten Begriffe Ehre und Treue erwiesenermaßen recht situationselastisch ausgelegt werden, dürften vor der Wien-Wahl im kommende Jahr ausreichend viele FPÖler auf jenes Pferd setzen, das sie weiterhin ganz sicher zu den Futtertrögen bringen wird.
 
Die großen Profiteure vom innenpolitischen Selbstmord der FPÖ sind SPÖ und ÖVP: Zwei rechte 12-Prozent-Parteien sind wesentlich ungefährlicher als eine 24 Prozent starke FPÖ. Da könnte sogar die SPÖ bei künftigen Wahlen noch länger auf Platz 3 bleiben, hinter der ÖVP und den Grünen.
 
Chefredakteur Richard Schmitt

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