HC: 'Bin zu jung für den Ruhestand'

Strache über Polit-Comeback

HC: 'Bin zu jung für den Ruhestand'

ÖSTERREICH im Gespräch mit Heinz-Christian Strache und sein Polit-Comeback.

ÖSTERREICH: Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Sie wegen Untreue. ­Haben Sie mit diesen Ermittlungen gerechnet?

HC Strache: Diese Ermittlungen kommen nicht unerwartet und sind Teil umfassender staatsanwaltschaftlicher Ermittlungsaktivitäten, die ich mit meinem Beraterteam zum Teil selbst angestrengt habe und die wir nach besten Kräften unterstützen. Ich habe von Anbeginn, also seit dem 17. Mai, betont, dass ich selbst eine umfassende und schonungslose Aufklärung betreiben und befördern werde. Das nimmt mich nicht aus und daher begrüße ich die Ermittlungen, durch die auch die Möglichkeit eröffnet wird, mich zu rehabilitieren. Ich habe mir nichts vorzuwerfen und werde der Staatsanwaltschaft gegenüber uneingeschränkt kooperativ agieren.

ÖSTERREICH: Werden Sie das EU-Mandat annehmen?

Strache: Ich habe mich hierzu bereits wiederholt erklärt und meine Position zu dieser Frage hat sich nicht geändert. Derzeit steht an erster Stelle die Aufklärung. Meine politische Zukunft werde ich zu gegebener Zeit persönlich entscheiden und in der Folge erklären.

ÖSTERREICH: Die FPÖ hat Ihre Frau auf der Wiener Landesliste für die Nationalratswahl auf Platz 3 platziert. Ist das ein „Deal“ dafür, dass Sie auf Ihr EU-Mandat verzichten?

Strache: Es gibt keinen Deal, der einen Verzicht auf das EU-Direktmandat umfasst. Ich habe von einer beträchtlichen Anzahl von treuen Wählern das Vertrauen ausgesprochen und den Auftrag erhalten, die freiheitlichen Interessen auf europäischer Ebene zu vertreten. Mit diesem mir unendlich viel bedeutenden Vertrauen und Auftrag handelt und dealt man nicht. Ich bedanke mich für diese starke Rückendeckung in schweren Zeiten. Es wird ­eine persönliche Entscheidung geben, welche ich zu gegebener Zeit öffentlich mitteilen werde. Ich freue mich jedoch sehr für meine Frau Philippa, welche von Dominik Nepp und Norbert Hofer gefragt und gebeten wurde, ob sie sich als Nationalrats-Kandidatin auf der Wiener FPÖ-Landesliste für den Tierschutz, Frauen- und Familienrechte aktiv einbringen will und sie das Vertrauen per Wahl durch den Vorstand erhalten hat. Und meine Frau Philippa ist eine unglaublich starke und völlig eigenständige Persönlichkeit, welche politisch ­sicher viel einbringen wird.

ÖSTERREICH: Werden Sie ­Ihre Frau im Wahlkampf unterstützen?

Strache: Natürlich werde ich meine Frau voll und ganz auf ihrem persönlichen ­politischen Weg begleiten und unterstützen, genauso wie sie mir eine unersetzliche Stütze ist. Sie hat mir in den zurückliegenden Wochen gezeigt, wie stark wir in einer Krise zusammenhalten und wie viel Kraft wir in einer solchen gemeinsam entwickeln. Meine Frau ist eine talentierte Politikerin, die ihre politischen Themen mit hohem Sachverstand und Zielorientiertheit verfolgt und es unendlich versteht, menschlich und im persönlichen Gespräch zu überzeugen.

ÖSTERREICH: Sie werden als Spitzenkandidat für die Wiener Landtagswahl genannt. Können Sie sich eine Kandidatur bei der Wien-Wahl vorstellen?

Strache: Ich war immer ein Vollblut-Politiker, der voller Leidenschaft im Auftrag der Bürger unseres Landes gearbeitet und die Ziele einer freiheitlichen rot-weiß-­roten Politik verfolgt hat. Das legt man nicht von heute auf morgen ab und für den Ruhestand bin ich schlicht zu jung. Dennoch, ich bleibe dabei, dass die Aufklärung der Hintergründe, Auftraggeber und Hintermänner meinen politischen Zukunftsplänen vorangeht. ­Alles andere zeigt sich dann. Krisen sind jedenfalls auch Chancen. Und Krisen sind dazu da, aus seinen eigenen Fehlern zu lernen, die Krise zu bewältigen und daran auch menschlich und charakterlich zu wachsen. Man kann hinfallen. Wichtig ist es aber, wieder aufzu­stehen!

ÖSTERREICH: Kickl hat Kurz diese Woche ein Angebot für ­eine Neuauflage von Türkis-Blau gemacht. Würden Sie der FPÖ zu so einer Neuauflage raten?

Strache: Die Regierungskoalition von ÖVP und FPÖ unter mir als Vizekanzler hat unbestreitbar bewiesen, dass sie sehr erfolgreich und ergebnisorientiert Politik gemacht hat und dieses Land im Interesse der Mehrheit der Bürger führen kann. Es ist uns gelungen, viele freiheitliche Kernthemen, soziale Fairness und Gerechtigkeit, den Stopp der illegalen Migration durchzusetzen und den gefährlichen UN-Migrationspakt zu verhindern. Die Sinnhaftigkeit einer Neuauflage kann daher nicht im Ansatz infrage stehen, sondern eher die Frage, warum ÖVP-Kurz diese Regierung leichtfertig aufgekündigt hat, obwohl ich meinen Rücktritt erklärt habe und er mir die Fortsetzung zugesagt hat, das war enttäuschend. Das war kein ehrlicher und korrekter Umgang.

(Interview: Niki Fellner)

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