Heute Tag der Entscheidung

Neustart nach Corona-Shutdown

Heute Tag der Entscheidung

Übers Wochenende sollen die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus evaluiert werden.

Wien. Österreich steht seit zwei Wochen praktisch still. Doch zeigen die rigiden Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus eigentlich Wirkung? Und vor allem: Wie lange müssen wir sie noch durchhalten? Darauf will die Regierung am Montag Antworten liefern. 

Entscheidend: Am Samstag (15 Uhr) war der Anstieg der Infektionen mit nur 8,06 Prozent erstmals einstellig!

Übers Wochenende werden die Corona-Zahlen seit Start der Ausgangsbeschränkungen bewertet und anhand dieser die Maßnahmen neu evaluiert. Am heutigen Sonntag glühen also die Telefon­leitungen in Kanzleramt und Gesundheitsministerium. Am Apparat: Virologen, Simulationsexperten und Co. aus den Beraterstäben. Sie diskutieren, wann „Tag X“ – die schrittweise Rückkehr in die „Normalität“ – gekommen ist. 

In Deutschland gelten die Maßnahmen bis 20. April

Laut Gesundheitsminister Anschober (s. u.) braucht es dafür eine Absenkung der Zuwachsrate bei Neuinfektionen auf etwa 5 Prozent. Und die müsste sich konstant halten. Womit klar sein dürfte, dass es am Montag noch keinen fíxen Fahrplan geben wird, weil die Konstanz noch nicht bewiesen sein wird.

In Deutschland wird es frühestens am 20. April zu Lockerungen kommen, stellte der deutsche Kanzleramtschef gestern klar. Diese Variante ist auch ein Teil der Szenarien, die die heimische Regierung diskutiert.

Seit Start der Corona-Maßnahmen arbeitet eine eigene Taskforce – WKO-Chef Mahrer und Wirtschaftsforscher sind ein Teil davon, wie Regierungsmitglieder – an diesem Geheimplan für den „Tag X“.

Hintergrund: Den Shutdown kann sich die Wirtschaft nur wenige Wochen leisten. Allerdings: Wenn alles schlagartig öffnet, schnellt die Zuwachsrate bei Infektionen wieder rasant nach oben.

Fahrplan zur Normalität: Das sind die 3 Szenarien

  • SZENARIO 1: soft-opening für Shops ÖSTERREICH-Informationen zufolge könnten ab 14. April die ersten Geschäfte wieder aufsperren. Allerdings nur in bestimmten Branchen wie Baumärkten und mit eingeschränkten Öffnungszeiten.
  • SZENARIO 2: Alle Shops ab 20. April Sollte der 14. April nicht halten, überlegt die Bundesregierung, ab dem 20. April gleich alle Geschäfte zu öffnen – aber unter strengen Auflagen und mit verkürzten Öffnungszeiten. Frühestens dann könnte auch der Büro-Alltag wieder einkehren, wenn auch viele Firmen im Homeoffice bleiben werden und Büro-Arbeiten nur unter strengsten Auflagen erfolgen werden – dazu gehören Masken, Handschuhe und strenge Hygiene- und Abstandsvorschriften.
  • SZENARIO 3: Es geht erst am 27. April los Bleibt die Lage dramatisch, könnte es erst am 27. April mit Geschäften und Büros losgehen. Frühestens dann werden erst die Lokale wieder aufsperren. Dabei steht zur Debatte, dass vorerst nur die Schanigärten und Gassenverkauf öffnen dürfen. Events gibt es – unter Auflagen – frühestens ab Juni, die Schule startet erst im September.

Anschober: "Müssen erst in Richtung 5 % Zuwachs kommen"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober gab oe24.TV vor dem Wochenende ein Interview.

oe24.TV: Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung ein?

Rudolf Anschober: Wir haben vor zwei Wochen 35 bis 40 Prozent Tagessteigerung gehabt. Diese Woche waren es 20 Prozent und teilweise schon darunter. Das heißt, die Richtung stimmt – aber aufatmen können wir erst dann, wenn wir bei einem mittleren einstelligen Betrag sind. Also bei etwa 5 % Zuwachs pro Tag – diese Situation müssen wir dann versuchen zu stabilisieren. 

oe24.TV: Wie lange müssen die Maßnahmen aufrecht bleiben?

Anschober: Das hängt komplett davon ab, wie sich die Werte entwickeln. Wenn sie rasch runtergehen, könnte es durchaus auch schneller gehen. Aber das Problem ist, dass sich die Werte langsam entwickeln, und wenn wir es geschafft haben, in Richtung der 5 Prozent zu kommen, müssen wir stabil bleiben. Das Schlimmste wäre, wenn wir uns drei Wochen hindurch angestrengt haben, dann wieder alles ganz auf­machen und es uns die Werte wieder nach oben schlägt. 

oe24.TV: Und wie kann man das verhindern?

Anschober: Genau diesen Prozess bereitet gerade eine kleine Gruppe hochrangiger Experten vor. Was da passiert, ist eine sehr präzise Bewertung jeder einzelnen Maßnahme – was hat sie gebracht? Auf welche Maßnahme kann man eher verzichten als auf andere? So versuchen wir ein gutes Programm für danach auszuarbeiten.

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