Hofer sorgt mit

Wahlkampfrede in Tirol

Hofer sorgt mit "Windel-Sager" bei Muslimen für Eklat

Für Verwunderung bei Hilfsorganisationen und Vertretern der Gesundheitsberufe hat eine Aussage von FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer gesorgt. "Kennt ihr einen Moslem, der im Pflegebereich arbeitet, der bereit ist, unseren Senioren vielleicht die Windel zu wechseln? Ich kenne das nicht", sagte Hofer bei einem Wahlkampfauftritt in Tirol. NGOs wie Berufsverband wiesen die Darstellung zurück.

Hofer hatte die Aussagen bei seiner Rede zum "Politischen Martini 2016" bereits am 11. November getätigt. Ursula Frohner vom Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverband sagte am Mittwoch gegenüber der APA, die Angaben Hofers seien "nicht korrekt". Denn alleine im Wiener Krankenanstaltenverbund würden Kollegen und Kolleginnen "aus 70 verschiedene Nationen" arbeiten - "natürlich mit dem dementsprechenden ethnischen Hintergrund". Dies sei auch wichtig, weil man aus diesem Bereich auch Patientenklientel zu versorgen seien, "dass wir diese Menschen mit ihren Bedürfnissen versorgen können".

Muslime laut Caritas in Kranken- und Altenpflege tätig

"Natürlich" gebe es auch muslimische Kolleginnen - "auf Geburtenstationen, in der Kranken- und Altenpflege", sagte Frohner auch gegenüber dem "Standard". Sie verwies auch auf einen Tweet des Wiener Caritas-Generalsekretärs Klaus Schwertner, wonach alleine bei der Caritas der Erzdiözese Wien mehr als 130 Menschen mit muslimischen Glaubensbekenntnis tätig seien. Schwertner präzisierte via Kurznachrichtendienst, dass diese Zahlen auf freiwillige Angaben von Mitarbeitern basieren - "es werden wahrscheinlich mehr sein", twitterte er. Über offizielle Zahlen verfügt die Caritas nicht, da man über die Religionszugehörigkeit der Mitarbeiter keine Statistiken führt.

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) (in der die großen Trägerorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe zusammengeschlossen sind) wies Hofers Aussagen zurück. "In allen Organisationen der BAG sind im Pflegebereich Menschen mit unterschiedlichen religiösen Glaubensbekenntnissen beschäftigt, darunter selbstverständlich auch Muslime", sagte der aktuelle Vorsitzende der BAG, Michael Opriesnig, in einem Statement gegenüber der APA.

"Wir empfinden diese Vielfalt als Vorteil. Klar ist aber, dass die Religion kein Einstellungskriterium ist, sondern die fachliche und persönliche Eignung. Daher erheben wir die Religionszugehörigkeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht", so Opriesnig, der auch stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes ist.

Frohner betonte gegenüber der APA, es sei ihr wichtig, "den Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege ins rechte Licht zu rücken - und ich halte es für höchst entbehrlich, politisches Kleingeld damit machen zu wollen."
 

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