SPÖ-Chefin im Interview

Rendi: 'Schluss mit der Selbstbeschäftigung in unserer Partei'

Parteichefin Pamela Rendi-Wagner verrät im Interview, wie sie die SPÖ erneuern will.
ÖSTERREICH: Sie haben jetzt drei Frauen für die Zukunftslabore der SPÖ präsentiert. Warum dieses Trio?
 
Pamela Rendi-Wagner: Wir wollen mutige neue Ideen für die Zukunft entwickeln. Ich habe drei starke Frauen für die Steuerung und Koordinierung der Zukunftslabore mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgewählt. Maria Maltschnig, Barbara Teiber und Sonja Hammerschmid. Wir brauchen eine Erneuerung von innen heraus. Jede Teilorganisation, Länder, Jugend, Senioren, Frauen sollen sich daran beteiligen.
 
ÖSTERREICH: Und so wollen Sie die Krise der SPÖ überwinden? Wie konkret?
 
Rendi-Wagner: Wir müssen die Inhalte – die wir jetzt weiter erarbeiten – in den Vordergrund stellen. Wir müssen die Wähler in den Fokus stellen und nicht uns selbst. Wir wollen die Fenster und Türen öffnen und durchlüften.
 
ÖSTERREICH: Also wieder Bruno Kreisky als Vorbild, der genau das Anfang der 1970er-Jahre gesagt und getan hat?

Rendi-Wagner: Man muss in regelmäßigen Abständen Fenster und Türen öffnen. Das war auch dazwischen ­immer wieder der Fall.
 
ÖSTERREICH: Ein Kritikpunkt, den man immer wieder aus der SPÖ hört, ist, dass die Parteiführungen die sogenannten einfachen Leute vergessen hätten. Setzen Sie auf die Falschen?
 
Rendi-Wagner: Die Sozialdemokratie hat bereits vor 130 Jahren immer die gesamte Breite der Gesellschaft angesprochen. Das ist auch weiter unser Ziel: Wir wollen vom Arbeiter, Angestellten bis zu den Intellektuellen und Kulturschaffenden weiter alle repräsentieren. Aber wir müssen das zeitgemäß ins 21. Jahrhundert übertragen. Wir müssen wieder stärker die Gefühle ansprechen. Wir müssen die Herzen der Menschen wieder gewinnen. Nicht nur die Köpfe ansprechen.
 
ÖSTERREICH: Das ist bei der Wahl schiefgegangen. Was, glauben Sie, ist der Grund für die SPÖ-Niederlage?
 
Rendi-Wagner: Genau das werden wir in den kommenden Monaten zusammen und ehrlich analysieren. Am Ende müssen wir das dann geschlossen vertreten. Wir wollen die größte Mitgliederbefragung in der Geschichte machen bis zu unserem Zukunftskongress. Aber dann müssen alle an einem Strang ziehen. Es muss endlich Schluss mit der Selbstbeschäftigung sein!
 
ÖSTERREICH: Halten Sie das echt für realistisch? Seit Jahren wollen sich verschiedene Lager in der SPÖ doch permanent aneinander rächen, oder?
 
Rendi-Wagner: Ich bin seit zehn Monaten gewählte Parteivorsitzende und sieben Monate davon war ich im Wahlkampf. Es stimmt leider, dass ich bemerken musste, dass teilweise mehr Energie in Selbstbeschäftigung statt in Wahlkämpfe fließt. Damit muss endlich Schluss sein.
 
ÖSTERREICH: Warum wollen Sie mit der ÖVP nicht weiter sondieren?
 
Rendi-Wagner: Wir stehen für Koalitionsverhandlungen zur Verfügung, aber nicht für eine Verzögerungstaktik und Parallelverhandlungen. Der Ball liegt bei der ÖVP. Angesichts einer drohenden Wirtschaftsflaute haben wir auch nicht die Zeit für wochenlange Verzögerungen. Wir werden daher auch in dieser Woche Anträge ins Parlament für Bekämpfung der Kinderarmut, für die Belebung der Konjunktur einbringen.
 
ÖSTERREICH: Sollten alle Verhandlungen scheitern, könnten Sie sich vorstellen, als SPÖ eine Minderheitsregierung zu stützen?
 
Rendi-Wagner: Österreich braucht angesichts der Herausforderungen eine stabile Regierung. Eine Minderheitsregierung wäre nicht stabil und damit kein guter Weg.
 
ÖSTERREICH: Es gibt Wirbel um einen SP-Vertrag mit Max Lercher als Leykam-Geschäftsführer …
 
Rendi-Wagner: Ich weiß, dass es ein Interesse für Verträge mit der SPÖ gibt. Aber zu ­Vertragsinhalten geben wir grundsätzlich keine Auskunft.

 

Interview: Isabelle Daniel

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