SPÖ-Polit-Coup

"ZiB"-Star wird jetzt EU-Politiker

Ex-ORF-Mann Eugen Freund soll EU-Kandidat für die SPÖ werden.

Paukenschlag in der Innenpolitik: Die SPÖ setzt bei der EU-Wahl am 25. Mai auf ein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen. Ex-ZiB-Moderator Eugen Freund (62) wird für die Sozialdemokraten als Spitzenkandidat in die EU-Wahl ziehen. Beschlossen wird das erst im SPÖ-Vorstand am Donnerstag – durch eine Indiskretion aus Brüssel war Freunds Kür aber schon jetzt bekannt geworden.

Freund war erst mit Jahresende in Pension gegangen – allerdings nicht aus eigenem Antrieb: Der ORF-Spitze war der gebürtige Wiener, der in Kärnten aufgewachsen ist, zu teuer – deshalb der „Golden Hand­shake“. Detail am Rande: Freunds Kandidatur wurde ausgerechnet während einer Abschiedsfeier für ihn und andere ORF-Pensionisten bekannt.

Freund auf Twitter: »Freue mich auf Herausforderung«
Freund reagierte sofort auf Twitter: „Erst die Gremien, dann freue ich mich auf die große Herausforderung: Europa ist ein ganz wichtiges Projekt, das mir sehr am Herzen liegt.“

Kandidaten. Hinter Eugen Freund kandidieren die Gewerkschafterin Evelyn Regner und an dritter Stelle SPÖ-Delegationsleiter Jörg Leichtfried. Den beiden hat SP-Chef Werner Faymann die Spitzenkandidatur nicht zugetraut. Ebenfalls so gut wie fix: An wählbarer Stelle soll die Leiterin des Wienbüros in Brüssel, Michaela Kauer, antreten.

Nicht der erste ORF-Mensch in der Politik
Tradition. Eugen Freund ist allerdings nicht der erste ORF-Mann, der in die Politik wechselt. Der „Jung-Politiker“ war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

"Ein Moderator ist frei, ein Politiker ist es nicht"

Ex-ZIB-Mann Josef Broukal wechselte ebenfalls in die Politik. Das sagt er über Freund.
ÖSTERREICH: Welche Tipps haben Sie für Eugen Freund nach seinem Wechsel in die Politik?
Josef Broukal: Eugen Freund war sein ganzes berufliches Leben außenpolitischer Journalist. Er war Pressereferent im Außenministerium, ORF-Korrespondent in Washington. Er moderierte die ZiB und das Weltjournal. Er wird sehr rasch feststellen, dass sein Leben als Moderator das eines jungen Hundes war – im Vergleich zu dem, was jetzt auf ihn zukommen wird.

ÖSTERREICH: Weshalb glauben Sie das?
Broukal: Als Journalist ist man immer Einzelkämpfer, kann sagen, was man denkt. Als Politiker einer Partei muss man meistens das ­vertreten, was die Partei vorgibt. Man kann nicht immer auf einer anderen Wiese spazieren gehen als auf jener, auf die einen die Partei gestellt hat. Für Eugen Freund wird das eine Gratwanderung werden.

ÖSTERREICH: Sprechen Sie aus eigener Erfahrung? Sie waren SP-Abgeordneter.
Broukal: Ich habe Jahre gebraucht, um vom Einzelkämpfer zum Teamworker zu werden. Ich wünsche Eugen Freund viel Glück, dass es ihm schneller gelingen möge.

K. Wendl

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