Rudi Anschober

Zurück nach Burnout

Anschober: "Ich war am Ende meiner Kräfte"

Er outete sich, gestand vor drei Monaten: „Bin ausgebrannt.“

Er ist dünner, es scheint, er bewege sich gemessener. Doch als Rudi Anschober das erste Mal seit der Krankheit vor die Kameras tritt, spürt man die alte Leidenschaft. „Ausbrennen kann nur, wer für etwas brennt“, scherzt der Chef der Grünen OÖ.

Neun Jahre gab Anschober in der Landesregierung eine grüne One-Man-Show als Koalitionspartner der ÖVP. Politik war sein Leben – und hätte es ihn fast gekostet. „Das Nächste wären Organschäden gewesen.“ Am 20. September zog er die Reißleine, ließ verkünden: „Ich habe Burnout.“

„Es kam schleichend“, sagt er zu ÖSTERREICH. „Die ersten Anzeichen fielen mir im Frühjahr auf.“ Immer mehr Symptome häuften sich, „es war unerträglich“.

Mit der Diagnose kam ein neuer Tiefpunkt: Auszeit für einen Workaholic – undenkbar. „Aber es gab keine Alternative.“ Und: „Ich wollte offen damit umgehen.“ Das öffentliche Geständnis habe ihm gut getan – und es trat eine Welle an Unterstützung los. „Ich bekam Tausende Briefe, viel Zuspruch.“ Deshalb will er sich auch künftig dem Thema Burnout annehmen, „das Tabu muss gebrochen werden“.

Seit drei Wochen macht er wieder erste Gehversuche, ging „problemlos, mit enorm viel Freude“ an die Arbeit. Bis Ostern will er einen neuen Arbeitsalltag finden, „keine 80-Stunden-Woche, ich muss abgeben lernen“. Der erste Schritt betrifft seine Doppelfunktion: Noch heuer will er die Position als Grünen-Parteichef niederlegen.

"Geschafft, ob ich es schaffe"

ÖSTERREICH: Herr Anschober, drei Monate Auszeit – wie haben Sie sie verbracht?
Rudi Anschober: Ich habe mich völlig ausgeklinkt, die letzte Zeitung las ich am 23. September. Bis auf die Wiederwahl von Obama habe ich nichts aus dem Aktuellen mitbekommen. Das tat gut, aber es fehlte mir auch. Jeder mit Burnout will irgendwann zurück in seinen Job. Aber man braucht Zeit, um zu sich zu kommen, sich neu auszurichten. Ob drei Monate oder länger – nichts ist schlimmer als Druck. Ich habe auch gezweifelt, ob ich es in drei Monaten oder überhaupt schaffe. Ich war am Ende.
ÖSTERREICH: Wann gab es die ersten Anzeichen?
Anschober: Im Frühjahr, aber es begann viel früher, schleichend. Im März kamen dann extreme Schlafstörungen: Jede Nacht lag ich nach zwei Stunden Halbschlaf wach, Woche für Woche. Da geht die Kraft aus. Im Urlaub ist es es richtig ausgebrochen. Ich hatte massive Schmerzen, organisch fehlte aber nichts. Doch eine halbe Stunde Arbeit und es ging los. Meine Hausärztin erkannte die Lage, schickte mich zum Facharzt.
ÖSTERREICH: Haben die drei Monate gereicht?
Anschober: Ich habe den Weg zurück noch nicht vollzogen, aber kenne ihn jetzt. Ich werde die nötige Balance zwischen Politik und Privatem schaffen.

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