Bildungsminister Christoph Wiederkehr über KI statt Latein, Programmiersprachen und den Streit in der Regierung.
Im großen Interview auf oe24.TV sagt Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) zu seinem Plan für die Schule: "Es geht hier um eine größere Veränderung, die notwendig ist, weil sich unsere Gesellschaft rasant verändert hat. Der Plan ist, neue Themen, die in der Gesellschaft wichtig sind, mehr in die Schule zu bringen, damit die Jugendlichen gut auf das Leben vorbereitet sind. Das ist konkret mehr Medienbildung, das ist Demokratiebildung und das ist mehr Informatik."
Informatik soll eine Stunde dazu gewinnen, um dort auch die Themen der künstlichen Intelligenz mehr hineinzubringen. Bei Latein gab es bisher zwölf Stunden. "Das ist wirklich viel", sagt Wiederkehr. "Das reduzieren wir jetzt auf acht Stunden, um den Freiraum für anderes zu verbringen."
"Nicht mehr sinnvoll"
Wiederkehr sagt auch, weil mit KI mitlerweile immer mehr programmiert würde: "Es ist nicht mehr sinnvoll, eine Programmiersprache zu lernen. Noch vor fünf Jahren hätte man gesagt, Programmiersprachen lernen ist sinnvoll, das braucht man mittlerweile nicht mehr."
Was man noch brauche seien die Grundzusammenhänge, man lebe in einer informatischen Gesellschaft: "Das Internet ist überall, die künstliche Intelligenz wird noch viel wichtiger, auch im Berufsleben." Es sei wichtig, dass die Jugendlichen qualifiziert lernen würden, damit umzugehen, "und auch die Mechanismen der Informatik verstehen".
Absage an Babler-Alleingang
Vor wenigen Tagen hat Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) gesagt, er bereite jetzt auch einen Gesetzesentwurf für ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige vor. Bis Sommer. Wiederkehr ist darüber nur mäßig erfreut.
Er kritisiert: "Wir müssen technisch lösen wie man sicherstellt, dass es eine Altersüberprüfung gibt." Dort wird festgestellt, dass die Kinder über 14 sind. Laut Wiederkehr müsse das funktionieren, "ohne dass alle Daten der Kinder, die sensibel sind, sofort an die großen Tech-Konzerne gehen".
"Gläserne Kinder"
"Die haben jetzt schon so viele Daten. Und wir brauchen hier keine gläserne Kinder. Nein, es braucht eine sichere Altersfeststellung. Da gibt es jetzt Arbeiten auf europäischer Ebene, um das technisch sicherzustellen." Darum unterstützen die NEOS eine europäische Vorgangsweise, um das europaweit "durchsetzen zu können gegen die Tech-Ambieter."
Aber wir sind offen für alle Gespräche und die werden jetzt auch geführt.
Wehrpflicht
Die Volksbefragung zur Verlängerung der Wehrpflicht hält der NEOS-Minister für "keine sinnvolle Idee".
"Es gibt jetzt ein Ergebnis der Kommission. Das muss beraten werden, um zu schauen, wie wir unser österreichisches Bundesheer wehrhafter machen. Das ist die Aufgabenstellung."
Ob er sich gegen eine Verlängerung wehre, will er nicht klar sagen. Er zeigt sich zumindest diskussionsbereit: "Es gibt ja unterschiedlichste Empfehlungen der Kommission. Die muss man jetzt ernsthaft auch parlamentarisch diskutieren."
Die Kommission hat tatsächlich ein einziges Modell empfohlen, dass die Politik jetzt schnellstmöglich umsetzen sollte. Vertreter der Kommission zeigten sich zuletzt verärgert, dass in der Sache politisch nichts weitergeht.
Fakt: Die Wehrdienstkommission hatte am 20. Jänner ihren Bericht, der zahlreiche Reformvorschläge enthält, vorgestellt. Sie empfiehlt darin klar, den Wehrdienst auf ein "8 plus 2"-Modell zu verlängern: Der Grundwehrdienst soll acht Monate dauern, danach folgen insgesamt zwei Monate Milizübungen. Der Zivildienst soll zumindest zwölf Monate dauern.
Das ganze Interview sehen Sie online oder im Fernsehen auf oe24.TV.