„Er war schon als Kind der Chef“

Kurz-Buch:

„Er war schon als Kind der Chef“

Die Kanzler-Biografie ist erschienen. ÖSTERREICH bringt die besten Auszüge als Serie.

Lange haben sie sich völlig im Hintergrund gehalten. Für den deutschen Star-Journalisten Paul Ronzheimer machten Sebastian Kurz’ Eltern Josef (67) und Elisabeth (60) aber eine Ausnahme und plaudern in der neu erschienenen Biografie über den Kanzler aus dem Nähkästchen. ÖSTERREICH bringt die besten Auszüge aus dem Buch als Serie. Teil 1: Kindheit und Jugend.

Mutter: »Wir haben das Flüchtlingsthema im Blut«

➔Jugoslawien-Krieg: Elisabeth Kurz und Josef Kurz sehen die Bilder der verzweifelten Menschen im Fernsehen. Und treffen eine Entscheidung: Sie möchten helfen: „Und da wir Platz hatten auf dem Bauernhof in Zogelsdorf, hat eine Familie dann bei uns auf dem Hof gewohnt (…) Wir haben dann mit ihnen Deutsch gelernt“, sagt Josef Kurz.

➔Großmutter flüchtete im 2. Weltkrieg aus Serbien: „Sie hat immer wieder plötzlich diese Bilder vor Augen und träumt davon. Das ist so, als hätten wir dieses Fluchtthema in den Genen“, sagt Elisabeth Kurz.

»So quicklebendig, dass es kaum zum Aushalten war«

➔Über seine Kindheit: „Als Baby war er am Anfang ganz brav, aber nur die ersten zehn Monate“, sagt Elisabeth Kurz, „dann ist es schwierig geworden, weil er immer so quicklebendig war, dass es kaum zum Aushalten war. Er war ein wahnsinnig herzliches Kind, total lieb und total süß. Aber eben total fordernd.“

➔Schon früher Chef: Vater Josef Kurz versucht als Ingenieur seinen Sohn für Technik zu begeistern, bringt Lego mit nach Hause. Aber der Sohn spielt anders mit den Steinen, als es der Vater erwartet hat (…) „Er hatte dann Freunde dabei und da war er meistens schon der Chef und hat gesagt: Ich möchte das so und nicht so. Das ist dann alles sozusagen unter seiner Anleitung entstanden.“

Kurz würde es bei seinen Kindern »anders machen«

➔Über seine Erziehung: Neben der Schulzeit macht Sebas­tian Kurz als junger Schüler viel Sport. Neben dem Bergsteigen ist er begeisterter Tennisspieler. Und gleichzeitig geht Kurz schon früh gern in Bars und Diskotheken. „Meine Eltern haben mich sehr liberal erzogen und mir eigentlich keine großen Vorschriften gemacht“, erinnert sich Sebastian Kurz, „wenn ich so zurückblicke, dann wundert mich das eigentlich. Wenn ich bald selbst Kinder hätte, wüsste ich nicht, ob ich das so machen wurde.“

➔Über Arbeitslosigkeit seines Vaters: Es wird das schlimmste Weihnachten, das die Familie je erlebt hat (…) Sebas­tian Kurz will in dieser Zeit unbedingt seinen Eltern helfen und findet auch einen Job. „Das war wirklich wahnsinnig, wir wollten das nicht“, erinnert sich Elisabeth Kurz. „Aber er wollte unbedingt das Familienbudget aufbessern.“

Freundin Susanne hat ihn »sehr unter Kontrolle«

➔Über die JVP: Für die Eltern ist das Polit-Engagement ihres Sohnes gewöhnungsbedürftig. Vater Josef: „Ich habe mir damals gedacht, dass die ÖVP schon die Partei ist, die mir am liebsten war. Und natürlich habe ich gedacht: Wenn er keinen anderen Blödsinn macht, dann soll er halt das tun. Aber ganz ernst genommen habe ich ihn damals nicht.“

➔Über seine Karriere: Und einigen bei der Jungen ÖVP ist er schnell unheimlich. „Wir haben damals schon ein bisschen über ihn gelästert, dass er jedem Klischee entspricht“, erzählt ein früherer Parteifreund. „Wenn man sich heute seinen Weg anschaut, dann sieht es so aus, als habe er die Karriere im Detail geplant.“

➔Über Freundin Susanne: „Natürlich freut sie sich für Sebastian, dass er eine solche Karriere hingelegt hat“, sagt eine Freundin. „Aber zu Hause ist er nicht der (…) Kanzler, sondern immer noch der ­normale Sebastian.“ Sie habe Kurz unter Kontrolle. „Sie unterstützt ihn bei allem, aber sagt ihm auch klar, wenn es reicht.“



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