Faber will Anreiz für Kirchenbeitrag

Austrittswelle

Faber will Anreiz für Kirchenbeitrag

Eine freiwillige Kirchensteuer kann sich der Dompfarrer nicht vorstellen.

Der Dompfarrer von St. Stephan, Toni Faber, wünscht sich bessere Anreizmodelle beim Kirchenbeitrag. "Solche Instrumente müssen noch mehr und klarer entwickelt, erprobt und angeboten werden", sagte er im Interview. Bei den Kirchenaustritten bilde seine Pfarre eine Ausnahme, die Austrittswelle in der römisch-katholischen Kirche sei allerdings eine "Tendenz, die nicht aufzuhalten ist".

Austritte
Auch die Pfarre St. Stephan habe mit Austritten zu kämpfen, so Faber, allerdings habe man aufgrund der Bekanntheit eine Sonderstellung: "Bei mir sind es Gott sei Dank weniger als jene, die in die Kirche wieder eingetreten sind." So könne die Pfarre 50 bis 70 Wiedereintritte pro Jahr verzeichnen. Das Schrumpfen der Katholikenzahl sieht Faber mit Ruhe. "Man muss den Kirchenaustritt mit moderneren Perspektiven anerkennen."

Kirchenbeitrag
Von einem freiwilligen Kirchenbeitrag hält Faber nichts. Dies würde heißen, "zwei Drittel des Gesamtbudgets vergessen zu müssen". Allerdings sollten Anreizmodelle wie der Frühzahlerbonus oder die Aktion "Schwamm drüber" (bei Auftrag eines Bankeinzugs werden die Schulden der vergangenen Jahre getilgt) weiterentwickelt werden. "Da lässt sich viel tun." Zudem werde gerade darüber verhandelt, die steuerliche Absetzbarkeit des Kirchenbeitrages von derzeit 200 Euro zu erhöhen.

Faber sieht die Pfarren gefordert. "Ich glaube, dass wir da ortskirchenmäßig einiges versuchen und entwickeln müssen, was dann auch gesamtkirchlich eine Wellenbewegung ausmacht. Wir kriegen gesamtkirchlich dort und da gute Wellen mit, dann auch ganz schlechte." Bischofsernennungen seien "immer eine Frage, die uns sensibel aufstößt". "Muss es der Wunderwuzzi sein oder ist es klar berechtigt, gegen manche Modelle der Bischofsentscheidungsfindung zu protestieren?" Als Beispiel nennt er die letztlich verhinderte Bestellung von Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof, der mit seinen Feststellungen nicht geeignet sei, "als Weihbischof für eine Diözese zu dienen oder gar als Diözesanbischof".

Vatikantreu
Bei Zölibat und Frauenpriestertum ist Faber vatikantreu. "Ich finde, dass die Diskussion nie in diesen Punkten geschlossen werden kann, sondern weitergeht. Ich habe da keine fixe Lehrmeinung, sondern habe die große weltkirchliche Tradition mitzutragen." Enthaltsamkeit ist für den prominenten Pfarrer leichter zu erfüllen als so manche Partnerschaft: "Ich habe mein zölibatäres Leben versprochen und versuche es, nach Kräften zu leben. Ich bin froh, dass ich nicht die Verantwortung tragen muss für eine Ehe."

Der Dompfarrer, der jährlich zum Valentinstag Liebende - auch Homosexuelle - segnet, will sich in diesem Bereich nicht weiter vorwagen und bleibt auf der Linie Roms. "Die sakramentale Ehe ist davon völlig abgehoben. Das wird nur für Mann und Frau, die auch offen für Kinder sind, gespendet." Aber: "Wir sollen mit gleichgeschlechtlich Empfindenden sehr wertschätzend und respektvoll umgehen."

Kritik an Volksbegehren
Vom Volksbegehren gegen angebliche staatliche Privilegien der Kirche, wofür ab Dienstag Unterstützungserklärungen gesammelt werden, hält der Dompfarrer von St. Stephan, Toni Faber, nichts. "Es stimmt einfach nicht, dass die Kirche hier viele Privilegien hat. Die sozialen Leistungen sind ungleich größer, als diese Rechte und Möglichkeiten der Kirche es überhaupt aufwiegen könnten", sagte er.

   "Dieses sogenannte Kirchenvolksbegehren ist eine Verwechslung und eine Verunglimpfung des Namens. Es ist eigentlich eine Bitte an den Staat: Sei du bitte zu jenen, die große Leistungen bieten, gemeiner", kritisiert Faber. Angst vor einem Votum hat der Dompfarrer allerdings keine: "Es steht eine ganz kleine Gruppe dahinter und niemand von denen kann die große Schar der Ausgetretenen rechtmäßig vertreten." Zudem habe jeder das Recht, seine Meinung zu vertreten.

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