Studiengebühren

Finanzierung der Unis im Europa-Vergleich

In 15 von 27 untersuchten europäischen Länder existiert ein Studiengebühren-System.

Eine Studie der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) vom August 2006 zeigt, dass in 15 von 27 untersuchten europäischen Länder (25 EU-Länder sowie Schweiz und Norwegen) ein System von Studiengebühren existiert - zumeist verbunden mit einem System von Stipendien, Förderungen oder Darlehen, die einkommensschwächeren Studenten Studium und Lebensunterhalt ermöglichen sollen.

Bildung als Aufgabe des Staates
In sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaaten wird die Finanzierung von Bildung tendenziell als Kernaufgabe des Staates betrachtet. Sie haben daher keine oder eine eher kurze Tradition in der Lukrierung von Mitteln, die nicht aus öffentlichen Kassen stammen.

Hochschulen als Dienstleister
als In liberalen Ländern ist der Anspruch auf Bildung als allgemeines Menschenrecht nicht so ausgeprägt. Hochschulen haben hier eher den Charakter von Dienstleistern, für deren Angebot bezahlt werden muss und bei deren Budgets Studiengebühren ein integraler Bestandteil sind.

Österreich
In Österreich sind im Jahr 2001 die allgemeinen Studiengebühren eingeführt worden. Der jährliche Beitrag liegt bei 726 Euro. Sozial bedürfte Studenten erhalten abhängig vom Elterneinkommen eine staatliche Beihilfe zwischen 180 und 7.800 Euro jährlich, die nicht zurückbezahlt werden muss.

Deutschland
Besonders vertrackt ist die Situation in Deutschland, wo die Hochschulgesetzgebungskompetenz bei den Bundesländern liegt. Daraus resultieren mehrere Modelle. Grob lässt sich aber sagen, dass derzeit in den meisten Ländern nur Langzeitstudierende und Studenten eines Zweitstudiums Gebühren von bis zu 650 Euro bezahlen. Allerdings geht der Trend in Richtung allgemeine Studiengebühren, was bereits zu größeren Studentendemonstrationen geführt hat. Fünf deutsche Bundesländer haben die Einführung allgemeiner Studiengebühren bereits beschlossen, in acht weiteren Ländern wird dies diskutiert.

Frankreich
In Frankreich kostet die "Verwaltungsgebühr" bis zum ersten Studienabschluss nach etwa zwei bis drei Jahren rund 150 Euro jährlich. Weiterführende Abschlüsse wie Master oder Diplom kosten in der Regel 190 Euro, angehende Ingenieure zahlen 450 Euro pro Jahr. Bedürftige Studenten bekommen einen staatlichen Zuschuss von 1.315 bis 3.554 Euro pro Jahr, der sich am Einkommen der Eltern orientiert.

Italien
In Italien richten sich die Studienbeiträge nach Fakultäten und der sozialen Situation der Studierenden. Die gestaffelten Gebühren reichen von 115 Euro bei einem Haushaltseinkommen von unter 6.000 Euro jährlich bis zu 1.030 bei über 66.000 Euro Haushaltseinkommen. Pharmazie und Medizin sind ein bißchen teurer. Bedürftigen oder besonders begabten Studenten können die Beiträge teils oder ganz erlassen werden.

Spanien
Die spanischen Universitäten können die Höhe der Gebühren selbst bestimmen, durchschnittlich liegen sie jährlich bei 600 Euro. Bedürftigen Studenten werden teils oder gänzlich erlassen. Dazu gibt es Beihilfen zum Lebensunterhalt zwischen 1.600 und 2.350 Euro per annum und Wohngeld für diejenigen, die nicht bei ihren Eltern leben.

Großbritannien
Großbritannien bedient sich seit 1998 eines Gebührensystems, das für den ersten Studienabschluss (Bachelor) eine Gebühr von rund 1.660 Euro pro Jahr vorsieht. Diesen Betrag können die Unis aber eigenmächtig variieren, anheben oder auch abschaffen. Bezahlt werden müssen die Studiengebühren erst nach dem Studienabschluss, sobald sie eine gewisse Einkommenschwelle überschritten haben. Schottland bildet eine Ausnahme und verlangt keine Pflichtbeiträge.

Skandinavien
In den skandinavischen Ländern Schweden, Dänemark und Finnland werden keine Studiengebühren eingehoben. Darüber hinaus erhalten Studenten Stipendien und Förderungen für bis zu sechs Jahre (DK bis 607 Euro pro Monat, SE 275 Euro pro Monat, FI bis zu 260 Euro monatlich). Die Schweden können zusätzlich Studentenkredite beantragen, die erst nach Studienabschluss fällig gestellt werden.

Ungarn seit 1998 kostenlos
Seit 1998 müssen in Ungarn für das erste Diplomstudium an staatlichen Universitäten und Colleges keine Gebühren mehr bezahlt werden - mit dem Effekt, dass sich ungefähr ein Drittel aller 18- bis 24-Jährigen in tertiärer Ausbildung befindet. Nichtstaatliche Einrichtungen heben Gebühren ein, deren Höhe stark variiert, weil sie diese selbst festlegen dürfen.

Förderungen und Studentenkredite in Polen
An öffentlichen Institutionen in Polen ist das Studium ebenfalls kostenlos, private Einrichtung heben variable Studiengebühren zwischen 260 Euro und 2.076 Euro pro Jahr ein - für medizinische Studien können sogar bis zu 3.115 Euro verrechnet werden. Seit 2004 können Studierende aller Bildungseinrichtungen (egal ob öffentlich oder privat) um Sozialhilfe beziehungsweise um Leistungsstipendien ansuchen, die ihnen die Finanzierung des Lebensunterhalts ermöglichen sollen. Dazu kommen spezielle Studentenkredite, deren Zinsen teilweise der Staat übernimmt.

Slowakei
Die Slowakei kennt auch keine Studiengebühren. Hier entrichten die Studenten nur für Prüfungen Verwaltungsgebühren. Und Bummelstudenten zahlen pro Jahr über der durchschnittlichen Studiendauer eine Gebühr, deren Höhe die jeweilige Uni bestimmt.

Schweiz
In der Schweiz teilen sich der Staat und die Kantone die Verantwortung für die Universitäten. Sie tragen mit Grundbeiträgen und Investitionsbeiträgen zu den Uni-Budgets bei. Als dritte Säule können die Hochschulen ihre Mittel durch eigene Dienstleistungen auffetten.

Studiengebühren werden auch in Belgien, Malta, Estland, Lettland, Litauen, Portugal und Irland eingehoben, wobei die Höhe national stark divergiert.



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