Johann Tschürtz

Burgenland-Wahl

Johann Tschürtz - Ibiza beendete den blauen Traum

Landesparteiobmann erlebte mit FPÖ schon turbulente Zeiten - Rot-blaue Koalition machte ihn 2015 zum Landeshauptmann-Stellvertreter.

Eisenstadt. 2015 führte er die FPÖ in die burgenländische Landesregierung, dass er im neuen Landtag wieder auf der Regierungsbank Platz nimmt, scheint nun zumindest ungewiss: Johann Tschürtz konnte mit den Blauen im Burgenland nicht an den Wahlerfolg von 2015 anknüpfen. Offenbar machten die Spätfolgen der Ibiza- und die Spenden-Affäre der Partei doch mehr zu schaffen, als man sich dies eingestehen wollte.
 
Tschürtz (60) ist seit 2005 Landesparteiobmann der Freiheitlichen und seit 2015 Landeshauptmann-Stellvertreter. Bundesweite Aufmerksamkeit bescherten dem Burgenländer insbesondere seine enge Freundschaft zu Heinz-Christian Strache und so manch unkonventioneller Vorschlag.
 
Tschürtz absolvierte eine Schlosserlehre und war nach dem Wehrdienst im Auslandseinsatz auf den Golanhöhen. Danach besuchte er in Wien die Polizeischule und war ab 1981 bei der Exekutive tätig, bis er sich für seine politische Tätigkeit karenzieren ließ.
 
Seine politische Laufbahn begann der Burgenländer als FPÖ-Obmann in seiner Heimatgemeinde Loipersbach. Die dortige Ortsgruppe rief er 1992 ins Leben. Noch im selben Jahr wurde er auch Bezirksparteiobmann in Mattersburg. Vier Jahre später übernahm der damals 37-Jährige die Landesgeschäftsführung der FPÖ Burgenland. 1997 zog er in den Landtag ein. 2002 wurde Tschürtz Stellvertreter des damaligen Landesparteiobmannes Stefan Salzl, ehe er 2005 zu dessen Nachfolger gewählt wurde.
 
Seine erste Zeit als Landesparteichef verlief turbulent: Wenige Monate nach seinem Amtsantritt spaltete sich das BZÖ von den Freiheitlichen ab. Tschürtz stellte sich umgehend an die Seite der FPÖ von Strache, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbindet. Im Sommer standen regelmäßig gemeinsame Familienurlaube auf dem Programm - bevorzugtes Reiseziel war Ibiza.
 
Bei der Landtagswahl 2005 - wenige Monate nach der BZÖ-Abspaltung - trat Tschürtz erstmals als Spitzenkandidat der Freiheitlichen an und erlebte einen Absturz von 12,6 auf 5,8 Prozent. Obwohl das BZÖ im Burgenland nie wirklich Fuß fassen konnte, nahmen die Turbulenzen nicht ab: Der einstige FPÖ-Klubchef Manfred Kölly wurde aufgrund der Unterzeichnung einer geheimen Vereinbarung mit der SPÖ aus der Partei ausgeschlossen und gründete mit Ex-Parteiobmann Wolfgang Rauter die Abspaltung "Liste Burgenland".
 
Tschürtz schaffte es dennoch, die Blauen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen: Bei der Landtagswahl 2010 erreichte er neun Prozent, 2015 schaffte man mit 15 Prozent den Sprung in die Landesregierung. Einen Rückschlag musste der 60-Jährige 2013 einstecken. Damals wurde er beim Landesparteitag mit lediglich 71 Prozent der Delegiertenstimmen als Landesparteiobmann bestätigt und dachte über seinen Rücktritt nach. Doch Tschürtz baute die Klubdirektion und die Landesgeschäftsführung um und vollzog einen "Neustart".
 
Seine Freundschaft zu Strache wurde insbesondere nach der Ibiza-Affäre zum Thema und könnte auch bei der heutigen Wahl ihre Auswirkungen gehabt haben. Die ÖVP Burgenland bezeichnete Tschürtz als "Teil der Ibiza-FPÖ" und forderte seinen Rücktritt. Ein gegen ihn gerichteter Misstrauensantrag im burgenländischen Landtag blieb allerdings ohne Mehrheit.
 
Bei der Landtagswahl 2020 scheint die FPÖ nun wieder auf das Niveau von 2010 zurückzufallen. Da hat offenbar auch aller im Wahlkampf zur Schau gestellte Optimismus nichts zu ändern vermocht. Bis zum Wahlkampf-Finish hatte sich der Landesparteiobmann überzeugt gezeigt, dass die FPÖ keine größeres Minus einfahren würde.
 
Zur Person: Johann Tschürtz, geboren am 12. Dezember 1959 in Eisenstadt, Schlosserlehre und Polizeischule in Wien. Polizeibeamter seit 1981, seit 2015 karenziert. Obmann der FPÖ Loipersbach 1992, Landesgeschäftsführer 1996, Landtag 1997, Parteichef-Stellvertreter 2005, Landesparteichef seit 2005. Landeshauptmann-Stellvertreter seit 2015. Verheiratet, Vater zweier Kinder. Seine Freizeit verbringt der FPÖ-Chef im Kreise von Familie oder Freunden. Zur Erholung wandert er gerne.


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