Löger

Löger 'enttäuscht'

EU-Digitalsteuer gescheitert

Die EU ist bei ihren Bemühungen um eine Digitalsteuer auf Online-Werbung gescheitert. 

Dänemark, Schweden, Estland und Irland blockierten am Dienstag bei einem EU-Finanzministerrat in Brüssel einen entsprechenden Vorschlag von Deutschland und Frankreich. Die EU will nun eine Lösung im Rahmen der Industriestaaten-Organisation OECD verfolgen.
 

Löger (ÖVP) zeigte sich "enttäuscht"

Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) zeigte sich "enttäuscht", dass sich Europa nicht einmal auf einen "Minimalvorschlag" einige. Damit "tun wir nicht nur uns selber weh", so Löger, sondern seien auch enttäuschend für alle, die an einer internationalen Lösung arbeiteten. Selbst die USA und große internationale Konzerne wie Google und Amazon wünschten sich von der EU eine klare Linie und hätten keine Freude mit zersplitterten nationalen Lösungen.
 

Große Bedenken, dass Europa auch in anderen Fragen nicht vorankomme

Löger, der das Dossier unter österreichischem Vorsitz im vergangenen Halbjahr verhandelt hatte, berief sich dabei auf Aussagen von US-Finanzminister Steven Mnuchin. Er habe große Bedenken, dass Europa auch in anderen Fragen nicht vorankomme, wenn es zur Digitalsteuer keine Einigung schaffe, sagte Löger.
 

Französischer Finanzminister Le Maire kritisierte "eine verpasste Chance"

Auch der französische Finanzminister Bruno Le Maire kritisierte "eine verpasste Chance". Der rumänische Finanzminister Eugen Teodorovici bedauerte, dass ein Kompromiss nicht möglich gewesen sei. Die EU werde nun auf eine Lösung im Rahmen der OECD bis 2020 hinarbeiten. Sollte sich aber abzeichnen, dass es auch im Rahmen der OECD zu Verzögerungen komme, könnte die EU auf einen rein europäischen Ansatz zurückkommen.
 

Moscovici sprach von einer "verpassten Gelegenheit"

Auch EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici betonte, dass die EU-Kommission ihren Vorschlag nicht zurückziehe. Die Frage einer Digitalsteuer sei von entscheidender Bedeutung für die europäische Wirtschaft und für die Bürger. Auch Moscovici sprach von einer "verpassten Gelegenheit".
 

Nordische Länder machten prinzipielle Einwände gegen digitale Werbesteuer geltend

Die nordischen Länder machten prinzipielle Einwände gegen die digitale Werbesteuer auf EU-Ebene geltend. Schweden etwa kritisierte, damit würde der Grundgedanke geändert, dass die Besteuerung an dem Ort erfolgen müsse, an dem Wertschöpfung erfolge. Für Unternehmen könne dies zu weniger Investitionen führen. Irland und Dänemark betonten, es gehe nicht um eine digitale Wirtschaft alleine, sondern die gesamte Wirtschaft sei heute gemischt mit digitalen Elementen.
 

Ausweitung der Werbeabgabe sei "nichts weiter als ein Tropfen auf dem heißen Stein"

SPÖ-Delegationsleiterin Evelyn Regner übte Kritik an den EU-Finanzministern. Die von Löger angedachte Ausweitung der Werbeabgabe sei "nichts weiter als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ohne Einigung bleibt es bei vereinzelten nationalen Alleingängen, sehr zur Freude der globalen Internetriesen".
 

Reform der Verbrauchssteuern auf Alkohol muss weiter geprüft werden

Auch bei einem zweiten Steuerthema fanden die EU-Finanzminister keine Einigung. Die Reform der Verbrauchssteuern auf Alkohol muss weiter geprüft werden. Strittig sind etwa Ausnahmen für kleine Mengen selbstgebrannter Spirituosen. Auch Österreich kämpft für die Beibehaltung der bestehenden Steuerbefreiung für Hausbrand.
 

Schieder: Löger soll die Konzerne besteuern und nicht vor ihnen buckeln

„Beim heutigen Treffen der europäischen Finanzminister (ECOFIN) wurde die Digitalsteuer abgesagt. Dafür trägt vor allem Finanzminister Hartwig Löger die Verantwortung, der das Thema während der österreichischen Ratspräsidentschaft verschleppt hat. Nun gibt er sich zwar enttäuscht, in Wirklichkeit arbeitet Österreichs Finanzminister allerdings konsequent daran, den Kampf gegen Steuerhinterziehung zu erschweren. Das reicht von der Streichung Panamas von der Liste der Steueroasen, über die Absage der Finanztransaktionssteuer bis zur Absage der Digitalsteuer. Nun gibt es nicht einmal einen Minimalkompromiss. Von einer größeren Lösung, die auch den Daten-Verkauf umfasst, ist gar keine Rede mehr“, sagt Andreas Schieder, der Spitzenkandidat der SPÖ für die EU-Wahlen.
 

"Scheitern der Digitalsteuer nicht einfach zu akzeptieren"

„Löger versucht uns nun seine ‚digitale Hundesteuer‘, mit der er in Österreich lächerliche 10 Millionen Euro von Google und Co. kassieren möchte, als großen Erfolg zu verkaufen. In Wahrheit ist das eine Farce und hat mit Steuergerechtigkeit nichts zu tun. Ich erwarte mir von Österreichs Finanzminister, dass er sich in Brüssel für echte Digitalsteuern einsetzt und nicht vor den Konzernen buckelt. Das bedeutet, das Scheitern der Digitalsteuer nicht einfach zu akzeptieren, sondern in Brüssel mit aller Kraft für Steuergerechtigkeit zu kämpfen“, schließt Schieder.
 

NEOS: Scheitern der Digitalsteuer zeigt, dass Europa handlungsfähig werden muss

 
Die Europäische Union ist bei ihren Bemühungen um eine Digitalsteuer auf Online-Werbung an der Blockade einiger weniger Mitgliedstaaten gescheitert. „Dass Europa bei solch wichtigen Themen wie der fairen Besteuerung von digitalen Konzernen nicht weiterkommt, zeigt, dass wir die Union endlich handlungsfähiger machen müssen. Die Europäerinnen und Europäer haben bei diesem Thema keine Geduld mehr. Sie erwarten sich zurecht, dass Europa hier liefert. Das Einstimmigkeitsprinzip im Rat aber bremst unseren Kontinenten - auch steuerpolitische Maßnahmen müssen künftig mit qualifizierter Mehrheit möglich sein,“ fordert Claudia Gamon, NEOS-Spitzenkandidatin für die Europawahl.
 
Digitalsteuern auf nationaler Ebene einzuführen werde nicht viel bringen. „Es kann nur eine europäische Lösung geben. Dazu gehört auch, dass wir künftig die zu besteuernden Gewinne europaweit einheitlich berechnen. Aufgrund des veralteten Steuersystems zahlen die kleinen und mittleren Betriebe viel zu hohe Steuern, während die großen Digital-Konzerne geschont werden. Um diese Ungerechtigkeit zu beenden, braucht es langfristig eine europäische Regierung, die hier rasch und im Sinne Europas entscheiden kann“, fordert Gamon einen Schritt Richtung Vereinigte Staaten von Europa.
 


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