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Schieder geht, Drozda kommt

Neue Chefin Rendi räumt in SPÖ auf

Pamela Rendi-Wagner wird erste weibliche SP-Vorsitzende  in der 130-jährigen Geschichte.

Wien. Der Parteivorstand hatte Pamela Rendi-Wagner noch gar nicht zur neuen SPÖ-Vorsitzenden erklärt, da hagelte es Kritik an ihrer ersten Personalentscheidung. In einer äußerst turbulenten Klubsitzung erklärte der ­geschäftsführende Klubobmann Andreas Schieder seinen Rückzug. Rendi-Wagner habe diesen Wunsch an ihn herangetragen.

Die neue SPÖ-Vorsitzende wird neben der Partei künftig auch den Parlamentsklub allein führen. Die formale Kür folgt noch. Schieder könnte ihr Stellvertreter werden. Ursprünglich hatte sie ihren engsten Vertrauten Thomas Drozda für Schieders Job vorgesehen – er wird dafür jetzt Bundesgeschäftsführer.

Wiener SPÖ stellt sich hinter Andreas Schieder

Nach Schieders Rückzugserklärung gingen die Wogen in der Klubsitzung hoch. Vor allem die Wiener SPÖ, aber auch Niederösterreich und Oberösterreich erklärten ihre Solidarität mit Andreas Schieder. Der Simmeringer SPÖ-Chef Harald Troch betonte, die Bestellung des Chefs sei Sache des Klubs. „Ich glaube nicht an eine Anführerin-Partei“, so Troch.

Rendi einstimmig zur SP-Vorsitzenden gewählt

Nach der Klubsitzung fand Dienstagnachmittag dann der Parteivorstand statt, in dem Rendi einstimmig zur SPÖ-Vorsitzenden gewählt wurde. „Das erfüllt mich mit großer Freude“, erklärte die neue SPÖ-Chefin anschließend in einer sehr persönlichen und ernsthaft gehaltenen Ansprache (s. rechts). Dabei sprach die Medizinerin auch über ihre Kindheit – sie sei ein Kind der 70er, aufgewachsen im Gemeindebau mit einer ­alleinerziehenden Mutter.

Enthaltungen. Drozda wurde zum Bundesgeschäftsführer gewählt – mit acht Enthaltungen, zum Teil aus der Steiermark. Denn der bisherige Bundesgeschäftsführer Max Lercher, ein Steirer, der in den Landesorganisationen bestens vernetzt ist, muss das Feld räumen. Drozda hat in der Partei hingegen nicht nur Freunde. „Das Vertrauen werde ich noch gewinnen“, sagte er nach der Sitzung.

Die 47-jährige gelernte Ärztin Rendi-Wagner muss die in vielen Fragen gespaltene SPÖ einen. Mit den ersten Personalentscheidungen hat sie sich diese Aufgaben nicht  leichter gemacht.

Debora Knob

Rendi: „Bin ein Kind der 70er-Jahre“

Wien. Pamela Rendi-Wagners erster Auftritt als SPÖ-Chefin nach dem Vorstand. Rendi-Wagner über ihre neue Aufgabe: „Es erfüllt mich  mit großer Freude, dass mich der Parteivorstand soeben zur geschäftsführenden Parteivorsitzenden gewählt hat. Ja, ich habe eine Entscheidung getroffen, die keine leichtfertige und eine sehr persönliche war. Ich habe mich an etwas erinnert, als ich Ministerin war. Viele Frauen baten mich damals um einen Tipp. Ich sagte spontan: ‚Im Zweifel Ja sagen.‘ Heute habe ich keinen Zweifel daran, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, weil ich viel Unterstützung bekommen habe.“

... über ihre Kindheit: „Ich bin ein Kind der 70er, aufgewachsen im Gemeindebau im 10. Bezirk mit einer alleinerziehenden Mutter. Das war eine prägende Zeit. Die damaligen Erfahrungen haben mich gelehrt: Ich will nicht, dass die Gesellschaft akzeptiert, dass die Geburt über Chancen entscheidet, über Gesundheit, Bildung, Lebenserwartung. Das ist das Gesellschaftsbild, um das es der SPÖ geht. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“

... über die SPÖ: „Vielleicht geben wir zu selten klare Antworten, vielleicht sollten wir mehr Mut haben, einfache und verständliche Antworten zu geben. Geben wir posi­tive Antworten, ohne die Ängste der Menschen zu ­ignorieren.“

... über ihr Team: „Wir haben auch über mein Team entschieden. Ich brauche ein Team, dem ich vertrauen kann und das ich gut kenne. Deswegen besetzen wir die Bundesgeschäftsführung mit Thomas Drozda. Stellvertreterin bleibt Andrea Brunner. Mit ihr verbindet mich langjährige gemeinsame Arbeit in Frauenfragen.“

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