Brisante Details

ORF-Skandal: Das steht in den Weißmann-Chats

Teile eines Chatverlaufs und niedergeschriebene Telefonate zwischen Roland Weißmann und einer ORF-Mitarbeiterin, die die "Presse" einsehen konnte, sollen zeigen, wie der Ex-ORF-Chef über längere Zeit die Mitarbeiterin bedrängt habe. Weißmanns Anwalt spricht von einem "selektiven Bild".

Wien. Der dienstfreigestellte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann und eine ORF-Mitarbeiterin waren separat zu einer Anhörung auf dem Küniglberg geladen, um ihre jeweilige Sicht der Dinge darzulegen. Die "Presse" berichtet nun, dass sie zuvor Teile eines Chatverlaufs und niedergeschriebener Telefonate zwischen Roland Weißmann und der Frau einsehen konnte. Dabei sei auf mehreren Seiten nachzulesen, wie Weißmann immer wieder darauf dränge, "eine sexuelle Komponente in ihre an sich freundschaftlich anmutende Beziehung zu bringen".

Sie weise wiederholt darauf hin, dass sie verheiratet sei, ein Kind habe und keine Affäre sein wolle, heißt es im "Presse"-Bericht zu den Transkripten. Die Gesprächspassagen zwischen dem damaligen ORF-Chef und seiner Mitarbeiterin würden sich demnach wie ein "einseitiges, erfolgloses Buhlen um Zuneigung und Intimität, die er sich wünscht", lesen.

Zwar sei "der Kontakt an sich eindeutig auch von ihr erwünscht" – auch sie habe sich aktiv bei ihm gemeldet und sei mit ihm Laufen gegangen – Weißmann aber habe "immer wieder auf mehr" gedrängt, heißt es im "Presse"-Bericht. Demnach habe er sie als "Freundin in einer sexuellen Beziehung" gewollt. Sie habe sich stets aufs Neue gerechtfertigt, "wieso sie das nicht wolle, das habe sie 'eh schon tausend Mal' erklärt".

Seine Reaktionen auf die Ablehnung hätten laut "Presse" von "betrübt und traurig", "verständnisvoll", "frustriert" und "tendenziell aggressiv" geschwankt. Weißmann sei sich "abgelehnt" und "zurückgestoßen" vorgekommen. Ihn hätte geärgert, "dass sie ihm nicht einmal Fotos von sich schicke", die er wiederholt von ihr eingefordert hatte. Sie habe allerdings "unaufgefordert" von ihm Fotos erhalten.

Zwar hätte sie "auf die Inhalte und Weißmanns Drängen auf eine intime Beziehung" eindeutig ablehnend reagiert, sie sei aber in ihrer Tonalität "verbindlich" geblieben. Dem Bericht zufolge habe sie ihm zu verstehen gegeben, "dass sie ihn als Person schätze und möge".

Das sagt Weißmanns Anwalt

Die Kommunikationsauszüge seien "in keiner Weise geeignet, ein zutreffendes Bild der langjährigen Beziehung in den Jahren 2019 bis 2023 zu vermitteln", sagt Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum gegenüber der "Presse". Es handle sich vielmehr um selektiv zusammengestellte Fragmente aus einem rein privaten Austausch, "die aus dem Zusammenhang gerissen sind und deren Zustandekommen teilweise gezielt provoziert worden sein dürfte – mutmaßlich mit dem Ziel, sie zu einem späteren Zeitpunkt, sofern opportun, zu verwenden".

Weißmann trat nach Vorwürfen zurück

Roland Weißmann trat am 9. März "mit sofortiger Wirkung" als ORF-Generaldirektor zurück, nachdem eine ORF-Mitarbeiterin "Vorwürfe der sexuellen Belästigung" erhoben hatte. Weißmann bestreitet diese Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Weißmann die Frau zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben, wobei er u.a. auch auf explizite Nachrichten gesetzt haben soll. Der Medienmanager bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe.

Weißmann ließ Strafanzeige gegen zwei Personen einbringen 

Roland Weißmann hat nach seinem Rücktritt als ORF-Generaldirektor seinen Anwalt die bereits angekündigte Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft (StA) Wien einbringen lassen. Sie richte sich gegen zwei Personen, bestätigte StA-Wien-Sprecherin Nina Bussek gegenüber der APA. Weißmanns Anwalt Norbert Wess wollte sich zur Strafanzeige auf APA-Anfrage nicht äußern, da die Anfangsverdachtsprüfung durch die StA noch laufe.

Damit ist weiterhin nicht bestätigt, gegen welche Personen Weißmann vorgeht und auf Basis welchen vermuteten Tatbestands. Weißmann hat sich vor bald zwei Wochen zurückgezogen, nachdem sich eine Mitarbeiterin mit Vorwürfen rund um Fehlverhalten Weißmanns ihr gegenüber mittels eines Anwalts an die ORF-Stiftungsratsspitze gewandt hatte. Konkret soll der Medienmanager sie zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben, wobei er u.a. auch auf explizite Nachrichten gesetzt haben soll. Weißmann bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe.

Die Frau forderte von Weißmann u.a. den Rückzug von der ORF-Spitze. ORF-Stiftungsratsvorsitzendem Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze ließ sie Nachrichten, Tonaufnahmen und Bilder vorlegen, die ein mutmaßliches Fehlverhalten Weißmanns ihr gegenüber dokumentieren sollen.

Nach Weißmann-Rücktritt: ORF-Chefposten bis Ende 2026 ausgeschrieben

Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor kann man sich ab sofort für den Job an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienhauses bewerben. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer hat am Freitag den ORF-Chefposten bis Ende 2026 ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis 17. April möglich. Die Bestellung soll am 23. April erfolgen. Erwartet wird, dass sich Ingrid Thurnher, die gegenwärtig mit der vorläufigen Führung der ORF-Geschäfte betraut ist, bewirbt.

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