Glaubwürdigkeit

Wirbel um Doku-Finanzierung: ORF-Redaktionsrat schlägt Alarm

Der ORF-Redaktionsrat warnt angesichts der Dokumentationen von ÖBB, Wirtschaftskammer und anderen, die ohne Offenlegung des Auftraggebers auf ORF III ausgestrahlt und auf ORF ON bereitgestellt wurden, vor einem Vertrauensverlust.  

"Es darf nicht einmal der Eindruck entstehen, dass Berichterstattung im ORF käuflich sei", hieß es. Bei allem Verständnis für den Sparzwang werde hier "von einzelnen Personen mit der Glaubwürdigkeit des gesamten Unternehmens gespielt".

Diese Produktionen - etwa "100 Jahre ÖBB" oder "Made in Austria: Grenzenlos erfolgreich" - als journalistische Produkte auf ORF III auszustrahlen, entspreche nicht den geltenden Regulativen und widerspreche dem Verständnis des Redaktionsrats von Qualitätsjournalismus. "Die ORF-Redaktionen - selbstverständlich auch die von ORF III - arbeiten unabhängig in ihrer journalistischen Berichterstattung. Diese Unabhängigkeit bedeutet auch Unabhängigkeit von wirtschaftlichen oder politischen Interessen. Jede Form von Einflussnahme auf redaktionelle Arbeit ist unzulässig, Verstöße dagegen sind zu ahnden", betonte der ORF-Redaktionsrat und merkte am Mittwoch in einer Aussendung an, dass Fehlverhalten in der Führungsetage Konsequenzen haben müsse. Der ORF hielt zu den vom Redaktionsrat bemängelten Dokumentationen vor wenigen Tagen fest, dass den Erfordernissen des ORF-Gesetzes entsprochen worden sei.

Mit Blick auf ORF III-Programmgeschäftsführer Peter Schöber haben vor über einem Jahr rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen einer Untersuchung rund um Vorwürfe zu dessen Führungsverhalten, Mobbings und Einflussnahme auf die redaktionelle Berichterstattung ausgesagt. Der ORF sprach nach Abschluss der Untersuchung von "teilweise problematischem" Führungsverhalten und passte die Struktur an, sodass Schöber nicht länger alleine Personalentscheidungen treffen konnte. Auch wurden "direkte Durchgriffe" in Programmfragen unterbunden. Der ORF-Redaktionsrat bezeichnet diese Konsequenzen nun als "unzureichend".

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