Analyse

Petzner: Kurz wird "früher als erwartet" zurückkommen

Stefan Petzner hat Kurz' Rücktrittsrede analysiert und ist sich sicher: Der ÖVP-Mann hat einen Plan.

„Sebastian Kurz wird zurückkommen“, sagt Stefan Petzner. Und zwar „früher als das viele erwarten“. Petzner hat die Rücktrittsrede des Ex-Kanzlers genau studiert. Erstaunlich für ihn: „In Kurz‘ gesamter Rücktrittsrede hat er nie das Wort „Rücktritt“ in den Mund genommen und damit genau betrachtet seinen Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers auch nie offiziell erklärt und gegenüber der Öffentlichkeit, dem Wähler, dem Volk, den Österreicherinnen und Österreichern auch nie ausgesprochen.“ Stattdessen habe er davon gesprochen „Platz zu machen, bis die Vorwürfe aufgeklärt sind“. Petzner sieht einen Plan: „Die Vorwürfe wird Kurz nicht gegenüber der Korruptionsstaatsanwaltschaft entkräften, sondern mittels eines Rechtsgutachtens oder eines Strafrechtsexperten.“ Wann? „Wenn es ihm am besten passt“, sagt Petzner. „Kurz ist hinter den Kulissen sehr aktiv. Er telefoniert alle in der Partei durch, will sie auf Linie halten. Für die Neuwahlen.“ Stattfinden müssten diese Neuwahlen im ersten Halbjahr 2022, meint Petzner. „Kurz wird darin als Märtyrer auftreten. Den Grünen hat Kurz schon ausgerichtet, dass sie gegen ihn seien. Alle gegen mich – das schaut Kurz von Haider ab. Haider ist hier sein politisches Vorbild.“

Am Schluss merkt Petzner an, warum Kurz‘ „Schritt zur Seite“ nicht lange dauern könne. Sein Fazit: „Was die Dauer und Zeiträume dieser Koalition und dieser Regierung mit Schallenberg als Kanzler betrifft, spricht Kurz stets von „Phasen“, die es zu überwinden gelte: „Sensible Phase“, „Kritische Phase“ usw. Nun bezeichnet man als „Phase“ gemein hin etwas von kürzerer Dauer und nicht längerer.“ Für Petzner ist klar: Kurz will Neuwahlen, in die er als Opfer gehen will „wie zuvor Haider“.

Petzner analysiert Kurz-Rede:


TEXTANALYSE DER RÜCKRITTS-REDE VON BUNDESKANZLER SEBASTIAN KURZ am 9.10.2021 von Stefan Petzner:

Eingangs betone ich, das gesamte Transkript der Rücktrittsrede genau und mehrmals gelesen zu haben. Die Ergebnisse der Textanalyse:

1: Kurz sprach in seiner gesamten Rücktrittsrede kein einziges Mal das Wort ***„Bundeskanzler“ aus. Genauer gesagt auch nie von sich selbst in der Funktion des „Bundeskanzlers“, von der er zurück tritt. (***Ausgenommen einmal eingangs beim Aufzählen seiner polit Funktionen) Seine Rede war so gestaltet und aufgebaut, dass der Begriff „Bundeskanzler“ stets gekonnt umschifft wurde und so nie gebraucht wurde. Auch den neuen Kanzler Schallenberg nannte Kurz nur „neuen Regierungschef“ und nicht „neuen Bundeskanzler“.

2: Neben „Bundeskanzler“ gibt es ein zweites Wort, das in seiner gesamten Rücktrittsrede keinerlei Verwendung fand: „Rücktritt“. Sebastian Kurz hat also in seiner gesamten „Rücktrittsrede“ nie das Wort „Rücktritt“ in den Mund genommen und damit genau betrachtet seinen Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers auch nie offiziell erklärt und gegenüber der Öffentlichkeit, dem Wähler, dem Volk, den Österreicherinnen und Österreichern auch nie ausgesprochen. (Aber auch andere mögliche Begriffe statt „Rücktritt“ wie „Rückzug“, „Abgang auf Zeit“ oder ähnliches sagte er nicht) Stattdessen sprach er davon, „Platz zu machen“. Später wird dieses „Platz machen“ von den türkisen Spin-Doctoren um die Wortkreation „einen Schritt zur Seite machen“ ergänzt und von allen ÖVP-Spitzenpolitikern übernommen.

Einige Beispiele:

) Elisabeth Köstinger schrieb auf Twitter: „Aus Verantwortung für das Land tritt Sebastian Kurz einen Schritt zur Seite und wechselt bis zur Klärung der erhobenen Vorwürfe als Klubobmann in den Nationalrat.“

) Tirols LH Günther Platter sagte: „Kurz geht nur einen Schritt zur Seite, bis die gegen ihn erhobenen Vorwürfe geklärt sind.“

) ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner meinte, Kurz gebühre Respekt für seine Entscheidung, „einen Schritt zur Seite zu machen, bis alle Vorwürfe restlos aufgeklärt sind“.


3: Kurz sagt zu seinen strafrechtlichen Vorwürfen, diese stammten aus dem Jahr 2016, seien falsch und er werde das aufklären können. Davon sei er zutiefst überzeugt. In weiterer Folge seiner Rede kommt er noch einmal darauf zurück, wenn er über seine neue Funktion als Klubobmann davon spricht, er werde „selbstverständlich die Chance nützen, die Vorwürfe, die gegen mich erhoben worden sind, zu entkräften und zu widerlegen.“

) Kurz sagt nicht, WEM gegenüber er die Vorwürfe aufklären will und wie er sie zu entkräften und widerlegen gedenkt.

) Er spricht also nicht davon, dies gegenüber der WKSTA tun zu wollen oder allgemeiner auch nicht davon, dies gegenüber den Behörden zu tun, er nennt überhaupt gar keine gerichtliche instanz oder strafverfolgungsbehörde gegenüber er dies vorhabe..

) Erst Recht spricht er mit keinem Wort davon, dass mit „Aufklären“ eine Verfahrenseinstellung durch die WKSTA gemeint ist.

4: Was die Dauer und Zeiträume dieser Koalition und dieser Regierung mit Schallenberg als Kanzler betrifft, spricht Kurz dabei stets von „Phasen“, die es zu überwinden gelte: „Sensible Phase“, „Kritische Phase“ usw usw. Nun bezeichnet man als „Phase“ gemein hin etwas von kürzerer Dauer und nicht längerer.

5: „Was es braucht, ist meiner Meinung nach Stabilität und Verantwortung.“ Das ist der voran geschobene Kernsatz mit dem Kurz jedwedes Parteien-Bündnis im Parlament ablehnt, außer der Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition.

6: Zugleich gibt er den Grünen die alleinige Schuld für sein „Platz machen“, weil diese sich „gegen ihn positioniert hätten“. Wie beim Platzen der Koalition 2016 sieht er sich als Opfer, als Märtyrer, für den das Land vor seiner eigenen Person geht.
  
  

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