Villacher Fasching 2013

Klamauk-Show in der Krise

Villacher Fasching droht Promi-Pleite

Heute wird der Villacher Fasching für den ORF aufgezeichnet – ohne Polit-Prominenz.

Lei-Lei! Der Villacher Fasching ist eine Institution. Und zwar österreichweit – 2013 etwa sahen 1,4 Millionen Menschen das Kärntner Pointen-Feuerwerk im ORF – dreimal so viele wie Wetten, dass ..?.

Doch jetzt steckt das populäre Spaß-Event in der Krise – es fehlt an Promis und an Top-Politikern. Zwar nicht als Pointenlieferanten auf der Bühne, jedoch als Gäste im Publikum. Wenn also heute Abend der ORF die große Sause für den Faschingsdienstag (4. März) aufzeichnet, wird man großteils in unbekannte Gesichter sehen.

Der Grund? „Es ist wegen den Gesetzen, dem Anfütterungsverbot. Das liegt den Menschen im Magen“, sagt Manfred Tisal, besser bekannt als der „EU-Bauer“. Das Anfütterungsverbot (Compliance) regelt per Gesetz die sogenannte Geschenkannahme. Heißt: Alle „Zuwendungen“ über 100 Euro sind verboten – wegen Korruptionsverdachts.

Auch der Wiener Opernball hat sich damit verändert (siehe Interview). Stammkunden gingen verloren und Opernball-Chefin Treichl-Stürgkh hat mehr Organisationsaufwand, weil viele Gäste ihre Tickets selber zahlen müssen.
Immer mehr Prominente bleiben daheim …
Wäre aber ein Selbst-Zahl-Modell nicht auch in Villach möglich? Tisal: „Viele der Prominenten wollen für die Tickets nicht selbst bezahlen. Und so bleiben eben immer mehr daheim.“
Die Folge: Leere Sessel und auch weniger Spaß für die TV-Zuseher, denn der Clou am Villacher Fasching ist ja das Zusammenspiel zwischen Pointe auf der Bühne und unmittelbarer Reaktion des „Betroffenen“ im Saal.

Kostprobe aus dem aktuellen Programm gefällig?
„Beim Faymann und beim Spindelegger weiß man nie, wer die Hosen anhat, die sie im letzten Herbst bei den Wahlen verloren haben.“

Wie Kanzler und Vize reagieren, nachdem die Spaßkeule sie getroffen hat, wird man also diesmal nicht erleben. Lei-Lei.

Opernball-Chefin Treichl-Stürgkh zur Anfütterungs-Regel:
»Großer Mehraufwand bei Karten«

ÖSTERREICH: Wie stark bemerken Sie die Auswirkungen der Anfütterungsregeln?
Desirée Treichl-Stürgkh: Die Compliance-Regelungen haben dem Erfolg des Opernballs nicht geschadet. Es sind zwar viele Stammkunden weggebrochen, die Logenbesitzer waren – hier handelt es sich vor allem um staatsnahe Betriebe –, dafür haben aber jetzt andere Menschen die Chance, eine Loge zu buchen.

ÖSTERREICH: Die Opernball-Karte kostet 250 Euro, werden viele Tickets gesponsert?

Desirée Treichl-Stürgkh: Eine Karte beim Opernball kostet 250 Euro, die Compliance-Regel betrifft 100 Euro. Somit kommt nun ein großer organisatorischer Mehraufwand auf uns zu. Es gibt etwa einen Logenbesitzer, der die Loge bezahlt, jeder Gast der Loge muss seine Karte aber selbst kaufen.

Faschings-Experte Reinhard Eberhart
»Brauchen Kanzler nicht«

ÖSTERREICH: Warum ist es so schwierig, Promis zum Villacher Fasching zu bringen?
Reinhard Eberhart: Die Frage ist: Wer ist ein Promi? Politiker etwa sind nicht so wichtig, wir haben andere Prominente, die wirklich etwas im Land bewegen. Und die Akteure auf der Bühne sind die Stars beim Villacher Fasching – Kanzler und Vizekanzler brauchen wir eh nicht.

ÖSTERREICH: Leidet nicht das Event, wenn wichtige Politiker nicht dabei sind?
Reinhard Eberhart: Im Gegenteil, Politiker werden an dieser Stelle sowieso überbewertet. Und wer nicht über sich selbst lachen kann, muss nicht kommen.

ÖSTERREICH: Auch die „Seitenblicke“-Promis sind rar, außer Richard Lugner …
Reinhard Eberhart: Ja und das freut mich, er wertet den Opernball auf. Und den Villacher Fasching.

EU-Bauer Manfred Tisal kritisiert geizige Politiker und Promis
EU-Bauer: »Promis wollen für Tickets nichts zahlen«

ÖSTERREICH: Heuer scheint es schwierig, Promis zur TV-Sitzung zu bekommen. Kritiker spotten sogar schon, es würde nur noch die „Reservebank der Regionalprominenz“ teilnehmen …
Manfred Tisal: Naja, ganz so stimmt das auch wieder nicht, aber wahr ist: Es wird immer schwieriger.

ÖSTERREICH: Aber es ist doch eine Mega-Veranstaltung: Was ist der Grund für die vielen leeren Promi-Plätze?
Manfred Tisal: Es sind die Gesetze, vor allem das Anfütterungsverbot, das den Menschen im Magen liegt …

ÖSTERREICH: Man befürchtet Schwierigkeiten?
Manfred Tisal: Genau, das Gesetz wurde auch noch verschärft.

ÖSTERREICH: Die Lösung wäre doch, dass sich die Promis – wie etwa Minister oder hohe Beamte – einfach Karten für die Veranstaltung kaufen, oder?
Manfred Tisal: Ja, das wäre schon eine Lösung, aber das will man dann auch wieder nicht … Viele der Prominenten wollen für die Tickets eben nicht selbst zahlen … Und so kommt es, dass immer mehr Leute daheim bleiben.



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